| Welche Veränderungen des Gleichgewichtsorganes können zu Schwindelbeschwerden führen? | |||
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Beide genannten Anteile des Gleichgewichtsorganes können Schwindel verursachen, beide Anteile können unabhängig voneinander geschädigt sein. Über die Ursachen für eine Schädigung und einen Funktionsverlust des Gleichgewichtsorganes gibt es eine Reihe von unterschiedlichen Theorien. |
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Ursache Überdruck der im Gleichgewichtsorgan befindlichen Endolymphe Das Innere des Gleichgewichtsorganes ist wie schon beschrieben mit einer Lymphflüssigkeit, der sogenannten Endolymphe gefüllt. Ein Großteil der Vorgänge die zur normalen Funktion des Organs gehören sind von dieser Flüssigkeit, und ihren Eigenschaften, also zum Beispiel ihre Zusammensetzung abhängig. Die Endolymphe wird im Bereich des Innenohres gebildet und auch wieder aufgenommen. Aus der Embryonalzeit, also der Entwicklung des Kindes im Mutterleib, sind Verbindungen des Endolymphraumes mit dem Hirnwasserraum vorhanden. Beim gesunden Menschen sind diese durch eine Vielzahl von häutigen Strukturen verschlossen, so daß der schwankende Druck im Hirnwasserraum (der sich z.B. bei jedem Pressen des Menschen deutlich erhöht) nicht an den Endolymphraum weitergegeben werden kann. Die Reaktion auf eine Erhöhung des Endolymphdruckes ist am Tier und am Menschen bekannt, Ihre Symptome seit langer Zeit beschrieben. So beschrieb der Franzose Ménière schon Mitte des 19.Jahrhunderts eine derartige Erkrankung die mit anfallsartigem Schwindel, Hörverlust und Ohrgeräuschen einhergeht. Wie in der Medizin üblich wurde diese Krankheit nach ihm als Morbus Ménière bezeichnet. Ménière vermutete schon damals einen Überschuß an Endolymphflüssigkeit, konnte dies aber mit seinen damaligen Mitteln für das heutige wissenschaftliche Verständnis nicht schlüssig beweisen. Von der Vorstellung eines Krankheitsbildes das aufgrund einer spezifischen Ursache immer genau die drei beschrieben Symptome bietet, rückt die heutige Wissenschaft in zunehmenden Maße ab. In verschiedenen Experimenten konnte bewiesen werden, daß auch anfallsartige und bleibende Leiden an nur einer der drei Symptome Schwindel, Ohrgeräusch und Hörverlust durch einen Überschuß an Endolymphflüssigkeit entstehen können. Die Ursachen für den Endolymphüberdruck sind seit Jahren Gegenstand intensiver Forschung. Eine der vermuteten Ursachen ist eine vermehrte Produktion oder eine verminderte Wiederaufnahme der Endolymphflüssigkeit im Innenohr. Die dafür zuständigen Strukturen sind in ihrem Aufbau und ihrer grundlegenden Funktionsweise heute untersucht und zumindest in wesentlichen Teilen verstanden. Bei Untersuchungen an Verstorbenen und im Tierversuch ist aber eine Gleichung, die bei entsprechenden Beschwerden auch in jedem Fall Veränderungen an diesen Organen feststellt nicht aufzustellen. Im Gegenteil entstehen auch bei einer zerstörenden Behandlung des Endolymphe aufnehmenden Organs im Tierversuch in einem erheblichen Teil der Tiere keine der erwartenden Symptome. Dies wird nicht als Hinweis darauf gewertet, das die beschriebene Theorie in allen Teilen falsch ist, sicher aber ist sie nicht vollständig. So könnten zum Beispiel eine nicht reguläre Verbindung zwischen dem Hirnwasserraum und dem Endolymphraum zu einer kurzzeitigen Druckerhöhung im Bereich des empfindlichen Gleichgewichtsorganes führen. Die durch eine solche Verbindung entstehenden potentiellen Drücke wären um ein vielfaches höher als die durch einen Endolymphüberschuß entstandenen. Mögliche Wege einer solch irregulären Verbindung wäre zu einen eine krankhafte Eröffnung der beschrieben embryonalen Gänge zwischen den Räumen, zum anderen weisen einige Untersuchungen darauf hin, das es bei einer Reihe von Patienten durch Fehlentwicklungen direkte Öffnungen der Bogengänge zum Hirnwasserraum hin gibt. Durch was für einem Schädigungsmechanismus bei erhöhte Druck am Gleichgewichtsorgan Funktionseinbußen entstehen, ob also zum Beispiel die Durchblutung verschlechtert, die elektrische Leitfähigkeit der Zellen verschlechtert oder die Haarzellfunktion behindert wird ist bislang nicht bekannt und auch in unserem Hause Inhalt intensiver Forschung. Dieser letzte Abschnitt des Schädigungsweges könnte bei genauerer Kenntnis auch dazu führen, daß bessere Therapiemöglichkeiten entwickelt werden. |
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Ursache Versorgungsstörung/Durchblutungsstörung Wenn im Zusammenhang mit Schwindelbeschwerden von Durchblutungsstörungen gesprochen wird, ist in der überwiegenden Zahl der Fälle nicht die Durchblutung der großen, zum Beispiel hirnversorgenden Gefäße gemeint, sondern die Durchblutung der kleinsten Gefäße der letzten Stufe, der sogenannten Kapillaren. Natürlich kann auch ein Verschluß der großen Halsgefäße Schwindel verursachen und natürlich wird auch diese Ursache vom HNO-Arzt untersucht und ggf. ausgeschlossen. Bei einem solchen Gefäßverschluß ist aber meist nicht der isolierte Funktionsverlust des Gleichgewichtsorganes das Hauptproblem, sondern auch höhere Hirnfunktionen sind meist betroffen. Bei einer Durchblutungsstörung der Kapillaren so die Vermutung, wird die Funktion der Funktionszellen im Gleichgewichtsorgan beeinträchtigt. Ursache ist die verminderte Sauerstoff und Nährstoffversorgung der Zellen. Eine solche Funktionseinbuße kann, je nachdem wie ausgeprägt diese Minderversorgung ist, wieder umkehrbar oder bleibend sein. Welche Zellen dabei die Hauptbetroffenen sind, wie diese Zellen im Detail geschädigt werden und welche Stoffe eine solche Schädigung verhindern oder zumindest reparieren können ist Gegenstand der aktuellen Forschung. Wenn in den menschlichen Körper fremde Stoffe eindringen, reagiert der Körper über das Immunsystem mit der Bildung von sogenannten Antikörpern. Diese Stoffe markieren die Fremdstoffe und ermöglichen es so, daß sie von anderen körpereigenen Zellen zerstört werden. Die Antikörper werden speziell auf die chemische Oberflächenstruktur der Fremdstoffe hin gebildet und verbleiben als Muster auch nach Zerstörung des Fremdstoffes im Körper. Wird nun der betreffende Fremdstoff erneut in den Körper eingebracht, wird dieser weit schneller erkannt (er muß jetzt ja nicht mühsam gebaut werden, sondern das vorhandene Muster muß nur noch vermehrt werden) und zerstört. Im Falle der Erkennung von Viren und Bakterien zum Beispiel wird das erneut aufgetretene Bakterium erkannt und zerstört, bevor es sich so vermehren kann, daß die Krankheit ausbricht. Der Körper ist damit immun gegen die durch das Bakterium verursachte Krankheit. |
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Ursache Autoimmunreaktion Wenn in den menschlichen Körper fremde Stoffe eindringen, reagiert der Körper über das Immunsystem mit der Bildung von sogenannten Antikörpern. Diese Stoffe markieren die Fremdstoffe und ermöglichen es so, daß sie von anderen körpereigenen Zellen zerstört werden. Die Antikörper werden speziell auf die chemische Oberflächenstruktur der Fremdstoffe hin gebildet und verbleiben als Muster auch nach Zerstörung des Fremdstoffes im Körper. Wird nun der betreffende Fremdstoff erneut in den Körper eingebracht, wird dieser weit schneller erkannt (er muß jetzt ja nicht mühsam gebaut werden, sondern das vorhandene Muster muß nur noch vermehrt werden) und zerstört. Im Falle der Erkennung von Viren und Bakterien zum Beispiel wird das erneut aufgetretene Bakterium erkannt und zerstört, bevor es sich so vermehren kann, daß die Krankheit ausbricht. Der Körper ist damit immun gegen die durch das Bakterium verursachte Krankheit. |
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Ist dieser Mechanismus für echte Fremdzellen gewinnbringend, entsteht bei einer falschen Identifizierung von Zellen als fremd ein erhebliches Problem. Dies gilt insbesondere dann, wenn körpereigene Zellen irrtümlich als Fremdzellen erkannt werden. Diese werden dann, ganz wie die in den Körper eingedrungene Bakterie, von Antikörpern erkannt und zerstört. Diese Reaktion wird als Autoimmunreaktion bezeichnet. Eine ganze Reihe von Erkrankungen sind heute bekannt die mit Sicherheit auf diesen Mechanismus zurückzuführen sind, wie zum Beispiel die weit verbreitete Darmerkrankung Morbus Crohn oder verschiedene Hauterkrankungen. Bei einer großen Zahl von anderen Erkrankungen wird eine Beteiligung des beschrieben Mechanismus zumindest vermutet. Das eine solche Autoimmunreaktion auf die Funktionszellen des Gleichgewichtsorgans eine schädigende Wirkung haben kann ist unbestritten. Welche der Zellen durch einen solchen Mechanismus geschädigt wird, und wie diese Schädigung aussieht ist unklar. In der Praxis wird beobachtet, daß immer wiederkehrende Hörverluste durch die sofortige Gabe von Substanzen, die das Immunsystem unterdrücken gut therapierbar sind. Dies gilt in weniger eindeutigem Maße auch für Funktionsverluste des Gleichgewichtsorganes. Das Ansprechen auf die Therapie wird als Hinweis darauf gewertet, daß die Autoimmunreaktion bei Schädigungen in diesem Bereich eine Rolle spielt. Auch für diese Theorie ist bislang weder eine aussagekräftige diagnostische Methode, die eine solche Reaktion beweisen könnte, noch der genaue Schädigungspunkt und Mechanismus bekannt. Alle heutigen Therapien die sich auf wissenschaftlich belegbare Untersuchungen zurückführen lassen, greifen an einer dieser Schädigungsmechanismen an. |
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