Chronik der Hautklinik der Medizinischen Fakultät der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen
 
 

Leiter und Direktoren der Aachener Hautklinik  

  • 1918-1947: Friedrich H. H. Paulus (1877-1955), erster ärztlicher Leiter

  • 1947-1962: Philipp Keller (1891-1973), Leiter

  • 1962: Aloys Greither (1914-1986), Leiter

  • 1962-1977: Walther Gahlen (1908-1994), Direktor

  • 1977-1994: Wolf Meinhof (geb. 1929), Direktor

  • seit 1994: Hans F. Merk (geb. 1949), Direktor

 

135 Jahre Klinische Dermatologie, 25 Jahre Hautklinik der Medizinischen Fakultät der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen 

Andreas Lentner und Wolfgang Riepe

[Festschrift zur Emeritierung von Herrn Univ.-Prof. Dr. med. Wolf Meinhof (im März 1994), S. 9-24]

Die Betreuung von Hautkranken geht in Aachen bis auf das 13. Jahrhundert zurück. An einem alten Pilgerweg von Aachen nach Santiago de Compostela lag vor den Toren der Stadt das Leprosorium Melaten. Der Name Melaten leitet sich von dem französischen Namen "malade" (krank) ab und das Leprosorium wurde von den Aussätzigen nach Art einer geistlichen Hospitalbruderschaft selbständig getragen [8;9]. In die unmittelbare Nähe des frühen Leprosoriums ist die Aachener Dermatologie im Jahre 1983, also etwa 700 Jahre später, zurückgekehrt, als das neue Großklinikum auf dem Gelände des Gutes Melaten errichtet und bezogen wurde. Wer heute das neue Klinikum besucht, findet das Gut Melaten, erbaut auf den Resten des ehemaligen Leprosoriums, nur einen Steinwurf in nordöstlicher Richtung vom Klinikum entfernt.

Der eigentliche Beginn einer eigenständigen klinischen Dermatologie in Aachen ist verbunden mit der Neuerrichtung des städtischen Mariahilfhospitals in den Jahren 1848 bis 1855. Zuvor existierten zur Versorgung von Patienten unterschiedlichen Geschlechts verschiedene Krankenanstalten. Diese waren jedoch mit der Zeit für die Versorgung zu klein geworden. Beim Bezug des neuen, prachtvollen Krankenhauses im Jahre 1855, dessen Bau unter anderem durch die Einnahmen der Stadt aus der florierenden Spielbank finanziert worden war, wurden eigene Abteilungen für männliche und weibliche dermatologisch-venerologische Patienten geschaffen. Diese Stationen für "Syphilis-, Haut- und Krätzekranke", wie die genaue Bezeichnung lautete, befanden sich im zweiten Stock der Eckflügel, wobei der eine Eckflügel für weibliche, der andere für männliche Hautkranke vorgesehen war.

 

Mariahilfkrankenhaus. Von 1855 bis 1914 befanden sich die Stationen für "Syphilis-, Haut- und Krätzekranke" im 2. Stock der Eckflügel.

Der Zeit entsprechend lagen die Patienten in großen, 7,5 m breiten und 10,5 m langen Krankensälen, in denen bis zu 14 Patienten Aufnahme fanden. Ärztlicherseits wurden die dermatologisch-venerologischen Patienten weiterhin zunächst von den Chirurgen versorgt, eine eigenständige

Dermatologie gab es ja Mitte des 19. Jahrhunderts noch nicht. So leiteten die männliche Abteilung von 1855 bis 1866 Sanitätsrat Dr. METZ und die weibliche Abteilung von 1855 bis 1866 der Geheime Sanitätsrat Dr. STEPHAN. Von 1866 stand dann Dr. TROST (gest. 1896) zunächst der männlichen Abteilung vor, ab 1874 bis 1879 war er dann für alle Patienten zuständig. Ihm folgten dann von 1979 bis 1881 Dr. LAURENT und von 1881 bis 1888 Dr. RIEDEL. Der letztere wurde später Professor für Chirurgie in Jena. Schließlich leitete die Abteilung in den Jahren 1888 bis 1918 der Geheime Sanitätsrat Dr. HEINRICH KRABBEL (1850-1918), bevor die Dermatologie endgültig von der Chirurgie abgetrennt und als eigenständige Abteilung von einem Hautarzt geführt wurde. Den leitenden Ärzten standen zur Unterstützung jeweils drei Assistenzärzte zur Seite. Im Jahre 1900 umfaßte die Dermatologisch-syphilitische Abteilung insgesamt 68 Betten, davon 30 Betten für Hautkranke, 32 Betten für Patienten mit Geschlechtskrankheiten und 6 Kinderbetten.

Schon 20 Jahre nach der Eröffnung des neuen Krankenhauses, in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts, wurde das Mariahilfspital erneut zu klein, so daß die Planung für ein neues Krankenhaus begann. Diese Anlage, im Pavillonstil geplant, sollte in Etappen errichtet und zunächst die Innere Abteilung aufnehmen, während Hautkranke und chirurgische Patienten anfangs weiter im Mariahilfspital versorgt werden sollten. In einem zweiten Bauabschnitt plante man dann auch die Verlegung dieser Abteilungen in die neuen Gebäude, die den Namen Elisabethkrankenhaus erhielten. Für hautkranke Männer und Frauen wurden die Pavillons Nummer 32 und 33 geplant, die bezeichnenderweise als einzige abseits aller anderen Gebäude im äußersten Süden des neuen Geländes errichtet werden sollten. Doch dazu kam es zunächst nicht. Während die Innere Abteilung planungsgemäß 1905 in die neuerrichteten Gebäude einzog, verzögerte sich der Bau der weiteren Pavillons, so daß die Chirurgie und die Dermatologische Abteilung weiter im Mariahilfspital verblieb. Mit Blick auf den zu erwartenden Umzug wurden jedoch im als veraltet geltenden Mariahilfspital keine größeren Investitionen mehr vorgenommen, so daß im Jahre 1913 der Leiter der Chirurgie, Dr. HEINRICH KRABBEL, beispielsweise das Fehlen eines Lichtinstitutes bedauerte, wie es in dieser Zeit in den dermatologischen Abteilungen zur Behandlung des Lupus vulgaris eigentlich Standard war. Die Einrichtung war in Hinsicht auf den geplanten Neubau nicht mehr genehmigt worden [11].

Aus einer Statistik des Jahres 1913 kann entnommen werden, daß in den Jahren 1906 bis 1911 durchschnittlich etwa 140 Patienten mit Haut-, Harn- oder Geschlechtskrankheiten stationär behandelt wurden [11]. Wenn man bedenkt, daß die Bettenzahl etwa halb so groß war, so muß von einer entsprechend langen Liegedauer ausgegangen werden.

1914 verließ die Dermatologische und die Chirurgische Abteilung ebenfalls das Mariahilfkrankenhaus und siedelte auf das Gelände des neuen Elisabethkrankenhauses an der Goethestraße über. Zu diesem Zeitpunkt waren jedoch die neuen Gebäude für diese Abteilungen erst geplant, so daß ein Behelfsquartier im bis dahin als Alten- und Waisenheim genutzten "Josefinum", dem schon vor den Neubauten auf dem Gelände existierenden, ehemaligen Mutterhaus der Alexianerbrüder in Aachen, bezogen werden mußte. Die insgesamt überhastet ausgeführte Räumung des Mariahilfkrankenhauses hing wohl auch damit zusammen, daß die Stadt das Gelände für den Bau eines Thermalbades und eines Nobelhotels brauchte, denn direkt nach dem Auszug aus dem alten Gebäude wurde dieses abgerissen und mit den Arbeiten zu diesen Einrichtungen für Kurgäste begonnen. Heute befindet sich auf diesem Gelände unter anderem die Aachener Spielbank. Eigentlich sollte die Hautabteilung und die Chirurgische Klinik nur 2 Jahre im "Josefinum" verbleiben, als sich jedoch die Neuerrichtung für diese Abteilungen immer weiter hinauszögerte, trauerte so mancher dem alten Mariahilfkrankenhaus nach.

4 Jahre nach dem Umzug, am 01. Juni 1918, wurde die Dermatologie endgültig von der Chirurgie abgespalten. Kommissarisch erhielt der Hautarzt FRIEDRICH PAULUS (1877-1955) die Führung der Abteilung. Fast 1 ½ Jahre später, am 01. November 1919, erfolgte dann offiziell die Ernennung von PAULUS zum ersten ärztlichen Leiter der Hautklinik der Städtischen Krankenanstalten Aachen.

 

FRIEDRICH HEINRICH HUBERTUS PAULUS (1877-1955), erster ärztlicher Leiter der Hautklinik der Städtischen Krankenanstalten Aachen FRIEDRICH (FRITZ) HEINRICH HUBERT PAULUS, der 1877 in Aachen geboren wurde, studierte zunächst in Heidelberg Jura, bevor er nach Ableistung seines Militärdienstes in Bonn das Medizinstudium begann. Dort erhielt er auch im Juni 1903 seine Approbation und wurde im gleichen Jahr mit einer Dissertation über "Elephantiasis, Arabum" promoviert. Seine dermatologische Ausbildung begann er 1903 ebenfalls in Bonn bei JOSEPH DOUTRELEPONT (1834-1918), wo er bis 1905 blieb. Anschließend wechselte er in die Universitäts-Hautklinik nach Berlin zu EDMUND LESSER (1852-1918) und danach an die Berliner Hautklinik von OSKAR LASSAR (1849-1907) und komplettierte dort seine Ausbildung in den Jahren 1905-1906. Nachdem er 1906 nach Aachen zurückgekehrt war, eröffnete er eine Privatpraxis und gründete gleichzeitig eine Abteilung für Haut- und Geschlechtskrankheiten am Krankenhaus Forst, die jedoch 1913 geschlossen wurde. Von 1914 bis 1917 war PAULUS als Stabsarzt Kriegsteilnehmer, bevor er 1918 in Aachen die zunächst kriegsbedingt militärische Station für Haut- und Geschlechtskrankheiten übernahm. Bereits am 07. Februar 1919 wurde der erste dermatologische Assistenzarzt eingestellt. Es handelte sich damals um PHILIPP KELLER (1891-1973), von dem weiter unten noch zu sprechen sein wird.

Die räumlichen Verhältnisse der Hautklinik im "Josefinum" waren insbesondere dem Ansturm der Geschlechtskranken nach dem Ersten Weltkrieg kaum gewachsen. Das Provisorium in den alten Klostergebäuden, nur für 2 Jahre geplant, entwickelte sich zur unzureichenden Dauerlösung. Unter anderem waren Patienten der Hautklinik in einem Saal im 2. Obergeschoß des Südflügels untergebracht, der 28 Betten umfaßte. Diese Verhältnisse mußten selbst für diese Zeit als überholt angesehen werden.

Anfang 1920 entstanden die ersten Vorstellungen für eine neue Hautklinik. An der Maria-Theresia-Allee sollte eine Pavillonanlage mit 5 Gebäuden entstehen, die sämtliche Bereich der Hautklinik aufnehmen sollten. Der Bau dieses Gebäudekomplexes, für den bereits Zeichnungen vorlagen, wurde jedoch dann in der Folge nicht mehr weiterbetrieben.

Im Oktober 1920 reiften dann die Pläne für einen massiven Neubau der Hautklinik heran. Dieser sollte nach Zeichnungen, die gemeinsam vom städtischen Bauamt und von FRIEDRICH PAULUS erarbeitet wurden, 3 Stockwerke mit insgesamt 223 Betten umfassen. Die veranschlagten Kosten für dieses, für die Zeit außerordentlich große Projekt beliefen sich auf über 6 Millionen Mark. Geplant war, das neue Gebäude an den südlichen Teil des Josefinums anzubauen, so daß in diesem Gesamtkomplex drei vollständige Doppelflügel entstanden, die durch eine Gebäudelängsachse miteinander verbunden waren. Konkrete Baupläne mit Grundriß- und Aufrißzeichnungen wurden erstellt, doch war bereits in den ersten Sitzungen der Stadtausschüsse klar, daß dieses gewaltige Projekt von Seiten der Stadt nicht zu finanzieren war.

Anfang 1922 wurde daher der Plan gefaßt, zwei für Lagerzwecke benutzte Baracken auf dem Gelände der Städtischen Kliniken umzubauen, um so die Hautklinik in Verbindung mit den bisher genutzten Räumlichkeiten zu erweitern. Auch dieser Plan, der "nur" 2 Millionen Mark gekostet hätte, wurde verworfen. Ob es sich bei der Summe von 2 Millionen Mark bereits um Inflationsgeld gehandelt hat, oder aber der Umbau der zwei Pavillons tatsächlich diese hohe Summe verschlungen hätte, läßt sich heute nicht mehr klären. Sicher ist jedoch, daß zu diesem Zeitpunkt eine Barackenlösung auch nicht mehr als zeitgemäß empfunden wurde. Außerdem waren die beiden in Frage kommenden Baracken nach Abschluß der Planungsphase mittlerweile von der französischen Besatzungsmacht requiriert und abtransportiert worden.

Im Jahre 1922 waren die räumlichen und insbesondere sanitären Zustände in der Hautklinik derartig unerträglich geworden, daß die Krankenkassen sich beschwerten. Aus einem Brief des Krankenkassenverbandes Aachen vom 01.09.1922: "Ein Kassenmitglied führt Beschwerde über die Zustände in der Hautabteilung und gibt unter anderem an: Das Zimmer ist belegt mit 6 Personen, darunter 5 Geschlechtskranke. Sämtliche Patienten benutzen einen Abort. Eine einzige Badewanne wird benutzt, um Entlausungen vorzunehmen, um Hautkranke zu baden, weiterhin wird diese Badewanne von den Geschlechtskranken morgens benutzt, um die Uringläser in dieser Badewanne zu entleeren." Endlich lenkte die Stadt ein und trotz der schwierigen gesamtwirtschaftlichen Lage und beginnender Inflation Anfang der 20er Jahre wurden die dringendsten Umbau- und Sanierungsarbeiten in Angriff genommen. Dieser Umbau betraf vor allem die Sanitäreinrichtungen, außerdem wurde ein zusätzliches Treppenhaus errichtet. Im Februar 1923 waren diese Arbeiten weitgehend abgeschlossen. Aufgrund der Geldentwertung betrug die Summe aller Kosten dieser Arbeiten rund 90 Millionen Mark.

Im Jahre 1923 umfaßte die Hautklinik 104 Betten, zwei Jahre später sogar 108 Betten. Diese teilten sich auf in 41 Männer-, 26 Frauen-, sowie 37 Betten für Patienten mit Geschlechtskrankheiten und 4 Betten für Privatpatienten. Insgesamt wurden 1924 755 Patienten in der Hautklinik stationär behandelt. Auch personell wurde in dieser Zeit die Hautklinik erweitert. So kamen 1923 zwei Medizinalassistenten hinzu, 1927 wurde der ärztliche Stellenplan um einen Assistenten infolge des Gesetzes zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten erweitert. Im Jahre 1928 waren dann neben dem Chefarzt ein Oberarzt und 2 Assistenten beschäftigt.

In den folgenden Jahren entspannten sich die räumlichen Verhältnisse der Hautklinik, da in dieser Zeit der Rückgang der Geschlechtskrankheiten eine gewisse Entlastung brachte. Erst im Jahre 1937 konnte mit dem seit Jahren zurückgestellten Neubau bzw. Umbau der Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten begonnen werden. Für das Bauprojekt kam nach den zur Verfügung stehenden Mitteln erneut nur der Umbau der bisher von der Hautklinik benutzten Gebäude in Frage. In zwei Bauabschnitten wurden diese Arbeiten am 01. Oktober 1937 in Angriff genommen und im Jahre 1938 abgeschlossen. Vorgesehen war nur noch 75 Krankenbetten und zwar 61 für Erwachse und 14 für Kinder. Hiervon entfielen auf Hautkranke 26 Betten für Erwachsene und 14 Betten für Kinder, sowie für geschlechtskranke Frauen 23 und für geschlechtskranke Männer 12 Betten. Zusätzlich wurden als Nebenanlagen ein Operationssaal, Behandlungs-, Röntgen-, Bade- und Waschräume geschaffen. In der gleichen Baumaßnahme wurde eine "Naturheilklinik" im selben Gebäude zu einer vollständigen Abteilung mit 21 Betten ausgebaut. Ende 1936 war der Name "Josefinum" für den Gebäudekomplex in "Karin-Göring-Stift" umbenannt worden. In den Jahren 1935 bis 1938 wurden dann in der Hautklinik jährlich durchschnittlich 430 Hautkranke und rund 250 Geschlechtskranke stationär versorgt.

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wandelte man die Städtischen Krankenanstalten Aachen größtenteils in ein Reservelazarett der Wehrmacht um. Für die zivile Versorgung verblieb jedoch ein Teil der Inneren Abteilung sowie, neben der Kinderklinik, auch die gesamte Hautklinik in ihren Räumlichkeiten. Am 11. April 1944 wurde fast die Hälfte der Klinikanlage durch einen Bombenangriff zerstört. Die Frauenabteilung der Hautklinik erlitt einen Volltreffer und 2 Schwestern sowie 5 oder 6 Patientinnen starben unter den Trümmern im Keller des Gebäudes. Die Kinderabteilung wurde ebenfalls getroffen, jedoch waren die im Keller ausharrenden kleinen Patienten nur kurz verschüttet und konnten gerettet werden. Die Männerabteilung war nur geringgradig beschädigt, insgesamt jedoch die Hautklinik nicht mehr funktionstüchtig. Daher zog PAULUS provisorisch von November 1944 bis März 1945 in den Pavillon 6, ein kleines Gebäude, das zuvor als Privatstation der Inneren Abteilung gedient hatte. Nach der Besetzung der Städtischen Kliniken durch die Amerikaner wurde dieser Pavillon beschlagnahmt und die Hautklinik wich in das Sanatorium an der Emmrichstraße aus. Noch im gleichen Jahr erfolgte der Befehl der nun englischen Besatzungstruppen an die Stadt Aachen, eine neue Hautklinik einzurichten, um der Zunahme der Geschlechtskrankheiten zu begegnen. Dieser Befehl wurde auch durchgeführt, aus Mangel an Räumlichkeiten jedoch nicht an der Goethestraße, sondern zunächst im Luisenhospital am Boxgraben. Am 01. März 1946 wurde dann die Hautklinik auf das alte Klinikgelände rückverlegt. Die zerstörte Hautklinik wurde nur in Teilen wieder hergerichtet und in der Folge unter der Bezeichnung "Haus 3" weiterverwendet.

"Haus 3" auf dem Gelände der ehemaligen Städtischen Krankenanstalten Aachen an der Goethestraße. In diesem Gebäude war ein Großteil der Hautklinik von 1946 bis 1983 untergebracht.

Im 1. Stock wurde die Männerabteilung, im 2. Stock Frauen- und Kinder- und im 3. Stock die Prostituiertenabteilung eingerichtet. Bald darauf kam "Haus 8" hinzu, in dem sich zunächst die Ambulanz, später auch eine Station befand. Dieses Gebäude war auch als "TALBOT-Haus" bekannt, da es sich um eine Stiftung der gleichnamigen Aachener Waggonfabrik handelte.

"Haus 8", die ehemalige Talbot-Stiftung, von 1946 bis 1983 als Kinderstation der Hautklinik genutzt.

Am 30.09.1947 wurde FRIEDRICH PAULUS nach über fast 30-jähriger Tätigkeit als Chefarzt der Aachener Hautklinik, in den Ruhestand versetzt. PAULUS verstarb am 18.06.1955 in Aachen.

Am 01.10.1947 übernahm auf Vorschlag von PAULUS der ehemalige Assistent der Klinik, PHILIPP KELLER (1891-1973) die Leitung der Hautklinik. KELLER, am 19. Dezember in Aachen geboren, hatte das Medizinstudium in München, Leipzig, Berlin und Freiburg absolviert. Im Jahre 1917 erhielt er die Approbation und wurde im gleichen Jahr auch promoviert. Seine erste dermatologische Ausbildungsstätte war, wie oben erwähnt, die Aachener Hautklinik, in der er in den Jahren 1919 bis 1920 als erster Assistent arbeitete. Ende 1920 ging er dann zurück nach Freiburg, um dort an der Universitätshautklinik seine Weiterbildung fortzusetzen. Der dortige Direktor der Hautklinik, GEORG ALEXANDER ROST (1877-1970) erkannte frühzeitig KELLERs wissenschaftliche Ambitionen und förderte ihn dementsprechend. Gemeinsam verfaßten sie den Artikel über Lichttherapie im Handbuch von JOSEPH JADASSOHN (1863-1936), daneben beschäftigte sich KELLER auch intensiv mit der Elektrophysiologie der Haut. Schon 1923 habilitierte sich KELLER in Freiburg, wurde dort 1926 Oberarzt und 1928 zum außerordentlichen Professor ernannt.

 

PHILIPP KELLER (1891-1973), Leiter der Aachener Hautklinik von 1947 bis 1962.

Seine Hauptforschungsgebiete waren, neben der Elektrophysiologie der Haut, die Mykologie, wobei ein von KELLER geplanter "Pilzatlas" jedoch nie vollendet werden sollte. Von besonderer Bedeutung waren auch seine Arbeiten zur Erythemdosimetrie und Photometrie bei der Lichtbehandlung von Dermatosen aus den Jahren 1921 bis 1924, in einer Zeit, in der er die Strahlentherapieabteilung der Freiburger Hautklinik leitete.

Im Jahr 1933 mußte ROST seinen Lehrstuhl in Freiburg unter dem Druck des Naziregimes räumen und ging nach Berlin. Kurz darauf traf das gleiche Schicksal auch seinen Oberarzt KELLER. Die genauen Umstände, die zur Entlassung von ROST und KELLER aus dem badischen Staatsdienst führten, sind erst in der letzten Zeit geklärt worden. Danach wurden diese wegen "politischer Unzuverlässigkeit" zunächst beurlaubt und dann entlassen. Grundlage war das von den Nationalsozialisten 1933 verabschiedete "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums", das es den Nationalsozialisten erlaubte, politisch unliebsame Beamte aus ihren Positionen zu entfernen. ROST selber hatte Studenten während einer Vorlesung mit Patientendemonstration aufgefordert Hakenkreuzabzeichen abzulegen. KELLER war von 1924 bis 1932 Mitglied der SPD gewesen, wurde nach der Beurlaubung von ROST kurzfristig mit der stellvertretenden Leitung der Freiburger Hautklinik betraut, jedoch kurz darauf auf Drängen der NS-Studentenschaft ebenfalls beurlaubt [7]. 1934 eröffnete KELLER daraufhin eine Kassenarztpraxis in Aachen, die er bis 1947 führte. In dieser Zeit entstand sein Lehrbuch "Die Behandlung der Haut- und Geschlechtskrankheiten in der Sprechstunde", das im Springerverlag erschien und drei Auflagen erlebte. Als Leiter der Hautklinik des Städtischen Krankenhauses Aachen war nach 1947 weiter wissenschaftlich tätig, richtete 1959 die 83. Tagung der Rheinisch-Westfälischen Dermatologischen Gesellschaft aus und beendete sein Werk im Jahr 1962 mit seiner 95. Veröffentlichung. Als einer der wenigen verfaßte er sowohl im Grundwerk, wie dann auch im Ergänzungswerk des JADASSOHNschen Handbuches der Haut- und Geschlechtskrankheiten einen Beitrag. Seit 1948 hatte KELLER auch das Amt des Ärztlichen Direktors der Städtischen Krankenanstalten inne. Daneben war er Vorsitzender der "Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten". Mit 70 Jahren wurde KELLER pensioniert, führte dann jedoch noch weitere 10 Jahre eine Praxis in Aachen, bevor er sich ganz vom Berufsleben zurückzog. Die letzten Lebensjahre widmete KELLER der Musik und der Lektüre seiner umfangreichen Bibliothek, die er kurz vor seinem Tode an die verschiedenen Abteilungen der RWTH Aachen übergab. KELLER verstarb 1973 im Alter von 82 Jahren in Aachen.

Am 01. Januar 1962 übernahm ALOYS GREITHER (1914-1986) mit Enthusiasmus die Leitung der Aachener Hautklinik. Obwohl es ein kurzes Intermezzo blieb, gelang es ihm, umfangreiche Restaurierungsarbeiten einzuleiten. Auf ihn geht die Einrichtung eines modernen Operationssaales zurück.

 

ALOYS GREITHER (1914-1986), kurzfristig Leiter der Aachener Hautklinik 1962.

Bereits 6 Monate später erhielt er einen Ruf auf den Düsseldorfer Lehrstuhl und wurde dort Nachfolger von HANS THEODOR SCHREUS (1892-1970). GREITHER, der am 29. Dezember 1913 in Mittelberg im Kleinen Walsertal geboren wurde, ist neben seinen dermatologischen wissenschaftlichen Arbeiten insbesondere auch musik- und kunsthistorisch hervorgetreten. Er hatte neben diesen Fächern vor seinem Medizinstudium Philosophie, Psychologie und Pädagogik studiert und eine philosophische Dissertation zum Thema "Über die psychoanalytischen Theorien zum Selbstmord Jugendlicher" verfaßt. Diese kurze Aufzählung kann nur ansatzweise das breite, über Dermatologie und Medizin hinausgehende Schaffen und die vielfältigen Interessen dieses Forschers beschreiben. Dermatologisch beschäftigten ihn vor allem die keratotischen Genodermatosen. ALOIS GREITHER verstarb am 20. Juli 1986 im Alter von 72 Jahren [2;22].

 

GREITHERs Nachfolger im Amt wurde WALTHER GAHLEN. GAHLEN, am 21.07.1908 in Düsseldorf geboren, absolvierte bereits nach Abschluß des Studiums einen Teil seiner Medizinalassistentenzeit in der Düsseldorfer Hautklinik, die zur damaligen Medizinischen Akademie und heutigen Heinrich-Heine-Universität gehörte. Nach der Promotion 1937 und einem kurzen Aufenthalt in der Düsseldorfer Kinderklinik trat er dann 1938 endgültig bei HANS THEODOR SCHREUS (1892-1970), dem damaligen Leiter der Hautklinik und gleichzeitig Leiter des Röntgentherapeutischen Institutes, als Assistent ein. Bereits 1944 habilitierte sich GAHLEN in Düsseldorf, aufgrund der Kriegsumstände erfolgte die Ernennung zum Dozenten erst zwei Jahre später. Von 1946 bis 1948 leitete er dann kommissarisch die Düsseldorfer Hautklinik, ehe sein Lehrer SCHREUS die Leitung wieder übernehmen konnte. 1951 wurde er zum apl. Professor ernannt. Die Chefarztstelle an der Städtischen Hautklinik in Aachen trat er am 01. August 1962 an.

 

WALTHER GAHLEN (1908-1994), Direktor der Aachener Hautklinik von 1962 bis 1977.

Nach Gründung der Medizinischen Fakultät war er der erste Lehrstuhlinhaber der Abteilung Dermatologie der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule [12]. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte lagen auf dem Gebiet der dermatologischen Strahlentherapie, der Keratosen, der Ekzemforschung und der Methodenkritik. Niemand hatte bisher wie er im medizinischen Bereich mit soviel Erfolg moderne Methoden der Häufigkeitsanalyse angewandt.

Mit der Gründung der Medizinischen Fakultät der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule galt es auch für GAHLEN, weitere Aufbauarbeit zu leisten. Hierzu standen ihm ein Oberarzt, ein Assistent und ein Pflichtassistent zur Seite. 1963 konnte die Pflichtassistentenstelle in eine zusätzliche Assistentenstelle umgewandelt werden. 1964 erhöhte sich die Zahl der Assistenten auf drei, 1965 auf vier und 1967 auf sechs. Ab 1971 hatte sich die Assistentenzahl auf acht vergrößert. Zunächst jedoch wurde die Anzahl der Betten von 90 Betten auf 85 und dann auf 80 Betten verkleinert. Diese Reduzierung der Bettenzahl konnte parallel in praktisch allen Hautkliniken Deutschlands durch den Rückgang der Geschlechtskrankheiten und die verbesserten Behandlungsmethoden, beispielsweise durch die klinische Einführung der Kortikoide und die breite Einsetzbarkeit und Neuentwicklung von systemischen Antibiotika, vollzogen werden. Wenn beispielsweise im Jahre 1922 die Hautklinik von Frankfurt noch über 450 Betten verfügte, davon allein 60 Betten für geschlechtskranke Kinder [20], so schrumpften praktisch alle deutschen Hautkliniken nach dem Zweiten Weltkrieg auf deutlich unter 100 Betten. Trotz dieser Verringerung der Bettenzahl nahm der Durchgang an stationären Patienten in der Aachener Hautklinik in diesen Jahren um 30% zu, was durch eine verkürzte Liegedauer erreicht werden konnte. Erstmals wurde nun auch eine Poliklinik eingerichtet, die bis zum Jahre 1977 etwa 2000 Patienten pro Jahr behandelte. Entsprechend den Ansprüchen an eine Universitäts-Hautklinik entstanden Spezialsprechstunden für Allergologie, Andrologie, Phlebologie, Proktologie, Trichologie sowie Kosmetologie. In diese Aufbauphase fiel auch der Ausbau des mykologischen Labors und die Einrichtung eines immunologischen Labors, eines Labors für Dermato-Histologie und für trichologische und andrologische Untersuchungen. Aus der Vorlesungstätigkeit ergab sich die Notwendigkeit, didaktisches Material von Dermatosen zu sammeln, so daß bald ein Fotolabor eingerichtet werden mußte. Vorbestehende Einrichtungen, wie der Operationssaal und der Bestrahlungsraum, in der die Dermatoröntgentherapie durchgeführt wurde, konnten in den ersten 10 Jahren des Bestehens der neuen medizinischen Fakultät modernisiert werden.

Neben diesen primär der Krankenversorgung dienenden Verbesserungen entstanden im gleichen Zeitraum etwa 50 wissenschaftliche Publikationen, die die Forschungsarbeit in diesen Jahren widerspiegelten.

 

WOLF MEINHOF (geb. 1929), Direktor der Aachener Hautklinik von 1977 bis 1994.

Am 01.04.1977 übernahm WOLF MEINHOF (geb. 1929) die Leitung der Dermatologischen Abteilung. MEINHOF, der an der Universität Hamburg das Medizinstudium absolviert hatte und dort 1956 das Staatsexamen ablegte, wurde 1958 mit dem Thema "Untersuchungen über die cancerogene Wirkung verschiedener Kondensationsprodukte von Dieselmotor-Abgasen" promoviert. Die weiteren Stationen seines beruflichen Werdeganges führten ihn nach ersten Jahren in Hamburg, über Marburg, wo er sich 1967 habilitierte, nach München. Anschließend folgte eine Tätigkeit an der Deutschen Klinik für Diagnostik in Wiesbaden, bevor er an der Erlanger Hautklinik leitender Oberarzt wurde. Die Hauptarbeitsgebiete von WOLF MEINHOF liegen in der Mikrobiologie und Mykologie, einem Thema, dem er sich bereits in seiner Habilitationsschrift mit dem Thema "Untersuchungen zur Struktur und Funktion hautpathogener Pilze unter besonderer Berücksichtigung histochemischer und elektronenmikroskopischer Befunde" widmete. Unter seiner Leitung zog die Hautklinik als eine der ersten Abteilungen am 18.12.1983 in das neue Großklinikum auf dem ehemaligen Gelände des Gut Melaten. Im Jahre 1986 wurde innerhalb der Hautklinik ein Lehr- und Forschungsgebiet Dermatologische Phlebologie eingerichtet, zu dessen Leiter VOLKER WIENERT berufen wurde. Hauptforschungsgebiete der Klinik in den letzten Jahren sind neben der dermatologischen Mikrobiologie, insbesondere Mykologie, vor allem die Papillomvirusforschung, die unter anderem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt wird. Daneben bestehen Forschungsschwerpunkte in der Proktologie und Phlebologie sowie in der letzten Zeit in der Entwicklung von Verfahren zur klinischen Hautmikrozirkulationsbeurteilung. Neben diesen Forschungsarbeiten wurden in den letzten Jahren auch immer wieder Fortbildungsveranstaltungen durchgeführt. Es sind vor allem die 15. Wissenschaftliche Tagung der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft vom 02.-04. Mai 1980, sowie die 111. Tagung der Vereinigung Rheinisch-Westfälischer Dermatologen im März 1981 zu nennen. Letztere wurde gemeinsam mit der Dermatologischen Abteilung des Aachener Luisenhospitals (Leiter: Prof. K.-H. Woeber) ausgerichtet. Im September 1988 war die Abteilung Phlebologie in Aachen Gastgeber der 28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Proktologie.

135 Jahre Klinische Dermatologie und 25 Jahre Hautklinik der Medizinischen Fakultät der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen sind Eckpunkte einer Entwicklung, die von einer Station für "Syphilis-, Haut- und Krätzekranke" zur Universitäts-Hautklinik in einem Großklinikum führte. Wie manche Verhältnisse in dieser Geschichte aus heutiger Sicht unvorstellbar erscheinen, bleibt abzuwarten, wie die Zukunft den derzeitig erreichten Stand der Dermatologie beurteilen wird.

 

Literatur

[1] BEIDECK, S.; STARY, A.: 100jährige Geschichte der Hautklinik Dortmund. Hautarzt 41 (1990) 47-50

[2] BRAUN, W.: Aloys Greither zum 65. Geburtstag. Hautarzt 29 (1978) 672-673

[3] GAHLEN, W.: In memoriam Philipp Keller 1891-1973. Hautarzt 25 (1974) 361-362

[4] GRÜNEBERG, T.: Philipp Keller zum 70. Geburtstag. Hautarzt 12 (1961) 559-560

[5] HERMAL (Hrsg.): Hermal Dermatologen Almanach. 3. Aufl. Reinbek 1988, Acron

[6] HERZBERG, H.J.; KORTING, G.W.: Zur Geschichte der Deutschen Dermatologie. Berlin 1987, Grosse

[7] LEVEN, K.H.: 100 Jahre Klinische Dermatologie an der Universität Freiburg im Breisgau. Freiburg 1990

[8] MURKEN, A.H.: Die Römer standen Pate. Aus der Medizinal- und Krankengeschichte Aachens. Rhein. Ärztebl. 38 (1984) 420-428

[9] MURKEN, A.H.: Vom Armenhospital zum Großklinikum. die waage 19 (1980) H1, 25-37

[10] N.N.: Die Wohlfahrtseinrichtungen der Stadt Aachen. Aachen 1926

[11] N.N.: Die Gesundheitspflege in Aachen. Festschrift der Stadt Aachen zur 38. Versammlung des deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege. Aachen 1913

[12] PROPPE, A.: Walter Gahlen zum 60. Geburtstag. Hautarzt 19 (1968) 335-336

[13] PÜTZER, J. et al. (Hrsg.): Festschrift zur 72. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte Aachen 1900. Berlin 1900, Springer

[14] RIECKE, E.: Deutsches Dermatologen-Verzeichnis. Leipzig, 2. Aufl. 1939, Barth

[15] RIEPE, W.: Die Entwicklung der klinischen Dermatologie in Aachen. Diss. Med. Fak. RWTH Aachen (in Vorbereitung)

[16] ROST, G.A.: Prof. Dr. Philipp Keller zum 60. Geburtstag. Zschr. f. Haut. u. Geschl. Krh. 11 (1951) 495-496

[17] ROST, G. A.: Professor Philipp Keller 65 Jahre alt. Zschr. f. Haut. u. Geschl. Krh. 21 (1956) 355-356

[18] ROST, G.A.: Philipp Keller 65 Jahre alt. Hautarzt 7 (1956) 562

[19] ROST, G.A.: Prof. Dr. Philipp Keller zum 70. Geburtstag. Dermatol. Wschr. 144 (1961) 1341

[20] SCHRREN, C.; REINHARD, N.: Geschichte der Dermatologie in Norddeutschland. Berlin 1988, Grosse

[21] SCHÖNFELD, W.: Kurze Geschichte der Dermatologie und Venerologie. Hannover 1954, Oppermann

[22] STÜTTGEN, G.: In memoriam Aloys Greither (1914-1986). Hautarzt 38 (1987) 186-187

[23] STÜTTGEN, G.: Standort und Ausblick der deutschsprachigen Dermatologie. Berlin 1989, Grosse