Wie funktioniert Radiochirurgie?
Das Prinzip der Radiochirurgie beruht darauf, daß aus der digitalen Bildgebung räumlich orientierte (stereotaktische) Abbildungen des Körpergewebes zur Verfügung stehen, aus denen die Koordinaten des zu behandelnden Zielgebiets exakt ermittelt werden können. Diese sogenannten stereotaktischen Daten werden aus den Untersuchungen am Behandlungstag gewonnen, wobei die vorwiegend verwendeten Bildgebungsverfahren die Kernspintomografie (MRT), Computertomografie (CT), und digitale Subtraktionsangiografie (DSA) sind.
Die Lokalisierung in den Bildern, d.h. die Berechnung ihrer Raumkoordinaten, geschieht dabei mit Hilfe eines stereotaktischen Rahmens. Dieser wird zur Sicherstellung der gewünschten Präzision in örtlicher Betäubung fest am Kopf des Patienten angebracht und trägt während der Untersuchungen ein Zielsystem. Außerdem dient er bei der Behandlung zur Fixierung des Kopfes im Gamma Knife.
Auf der Grundlage der digital übertragenen Bilddaten werden anschließend die Koordinaten der Bestrahlungszielpunkte mit einem leistungsfähigen Planungscomputer mit einer sehr modernen Software für dreidimensionale Bestrahlungsplanungen ausgewählt und optimiert.
Wie wirkt die Behandlung?
Bei Tumoren zerstört die vom Gamma Knife eingebrachte Strahlung die Erbinformation (DNA) der Tumorzellen so, daß sie sich nicht weiter fortpflanzen können. Wenn eine solche Zelle in das Teilungsstadium eintritt und die Teilung unmöglich ist, dann stirbt die Zelle. Im Tumor können die entsprechenden Zellen dann nicht mehr ersetzt werden und das Tumorwachstum ist gestopt.
Für die Gamma Knife Behandlung ist eine Vielzahl von Tumoren geeignet. Die Geschwindigkeit, mit der die Behandlung ihre Wirkung zeigt hängt dabei vor allem von der Gewebeart (Histologie) des Tumors ab. Schnell wachsende Tumore, wie Metastasen reagieren sehr schnell, während der Erfolg der Bestrahlung bei langsam wachsenden Erkrankungen im allgemeinen erst nach einigen Monaten erkennbar ist.
Bei Gefäßfehlbildungen (arterio-venösen Angiomen, AVM) bewirkt die Radiochirurgie eine Zunahme des Wachstums und der Fortpflanzungsrate der endothelialen Auskleidung der abnormen Gefäße. Damit werden die Gefäßwände immer dicker und das Lumen (der Hohlraum der Ader) immer schmaler bis es schließlich durch kleine zusätzliche Thrombosen (Blutgerinnsel) in den veränderten Gefäßen zum Angiomverschluß kommt. Auch hier findet der Effekt innerhalb einer längeren Zeitspanne statt, so daß mit einem vollständigen Verschluß des AVM erst nach zwei bis drei Jahren zu rechnen ist.
Bei Trigeninusneuralgien handelt es sich um einen extremen quälenden Schmerz im Bereich des Gesichts. Hierbei wird die Gamma Knife Bestrahlung auf die Austrittsstelle des Trigeminus-Nervs aus dem Hirnstamm gerichtet. Die Strahlendosis, die dabei verabreicht wird, reicht nicht aus, um eine Schädigung des Nervs zu bewirken; sie reicht aber aus, um die abnormen Nervenimpulse auszulöschen, die die Schmerzen verursachen. Dabei bleiben die normalen Nervenimpulse erhalten, die für die Kaubewegungen und die Gefühlsempfindungen im Gesicht sorgen.
Was sind die Vorteile dieser Behandlungsform?
Nicht invasiv:
Bei der Radiochirurgie mit dem Gamma Knife werden dem Patienten keine Schnitte beigebracht. Die Haare müssen nicht rasiert werden und fallen nicht großflächig aus. Die Behandlung ist praktisch schmerzlos und erfordert deshalb bei Erwachsenen keine Vollnarkose.
Kurzer Klinikaufenthalt:
Die Gamma Knife Behandlung findet an einem einzigen Tag statt. Die Patienten können ihre normalen Lebensaktivitäten unmittelbar nach der Behandlung fortsetzen.
Reduziertes Risiko:
Obwohl die Behandlungserfolge nach einer Gamma Knife Radiochirurgie mit denen der konventionellen Mikrochirurgie vergleichbar sind, entfallen die Risiken einer Schädeleröffnung einschließlich derer der Vollnarkose, Infektion und Blutung fast vollständig.
Weniger traumatisch:
Weil praktisch keine Verletzungen auftreten entfällt der Wundheilungsschmerz, die Genesung nach einer Operation und die Narbenbildung. Die kleinen Verletzungen durch die Anlage des stereotaktischen Rahmens heilen innerhalb weniger Tage.
Wirtschaftlich:
Wegen des Ausbleibens postoperativer Komplikationen und einer minimalen Unterbrechung der gewohnten Lebensabläufe und der Arbeitsfähigkeit ist die Radiochirurgie wesentlich kostengünstiger als die konventionelle Neurochirurgie.
Welche Komplikationen gibt es?
Die üblichen Risiken einer offenen Operation entfallen.
Abhängig von der Größe und Lage der Erkrankung können Patienten nach einer Gamma Knife Behandlung gelegentlich einige schwache Nebenwirkungen erfahren. Diese können Schwindel, Übelkeit, Brechreiz, lokalen Haarverlust, Kopfschmerzen, Empfindungslosigkeit an der Kopfhaut und Unbehagen an den Schädelschraubenstellen einschließen.
Medikamente können benötigt werden gegen Schmerzen, Übelkeit oder Erbrechen. Bei einem erhöhten Risiko einer intrazerebralen Schwellung, wie etwa nach der Bestrahlung einer größeren Gefäßfehlbildung oder eines größeren Tumors, können Kortikosteroide (Kortison) nötig sein.