Therapeutisches Reiten für die Kinder der Kinder- und Jugendpsychiatrie
Die Kinder erlernen im Kontakt mit dem Pferd die einfachen Regeln adäquaten Sozialverhaltens
 
Platzhalter, transparent (100x150) Beim gemeinsamen Vorbereiten des Pferdes auf dem Lohner Hof Der Kleine fühlt sich auf dem Rücken des Pferdes sichtlich wohl Platzhalter, transparent (100x150)
  Beim gemeinsamen Vorbereiten des Pferdes auf dem Lohner Hof Der Kleine fühlt sich auf dem Rücken des Pferdes sichtlich wohl  

Bereits im 16. Jahrhundert finden sich Schriften, die sich mit der therapeutischen Wirkung des Reitens befassen. Während zu dieser Zeit eher der Aspekt der Gesundheitserhaltung im Vordergrund steht, wird später in den neuzeitlichen Publikationen der fünfziger Jahre ein ganzheitlicher therapeutischer Ansatz betont. Bis in unsere Zeit entstehen immer mehr Untersuchungen zur Reittherapie, allerdings mit dem Schwerpunkt der "Hippotherapie", der krankengymnastischen Behandlung auf dem Pferd mit dem Ziel, neurophysiologische Störungen zu heilen. Mitte der sechziger Jahre entwickelt sich aus der Hippotherapie das Heilpädagogische Voltigieren/Reiten. Beim Heilpädagogischen Reiten und Voltigieren fungiert das Pferd als pädagogisches Medium, das Menschen mit Verhaltensauffälligkeiten, Lernbehinderungen oder geistigen und seelischen Behinderungen vielfältige Erfahrungsmöglichkeiten bietet.

Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie (KJP) des Universitätsklinikums Aachen vertraut seit einem halben Jahr auf diese Therapiemethode. Mit großem Erfolg, denn das therapeutische Reiten führt bei verhaltensauffälligen Kindern, die unter Angst, Depressionen oder hyperkinetischen Störungen - auch bekannt unter der Bezeichnung ADHS = Aufmerksamkeits -Defizit- Hyperaktivitäts-Syndrom - leiden, zu einer sichtlichen Verbesserung des inneren Gleichgewichts und des Sozialverhaltens. Das speziell ausgebildete Therapiepferd wird gemeinsam in der Gruppe - in der Regel besteht diese aus drei bis vier Kindern - vorbereitet, dann beginnt die Annäherung an das Pferd und das anschließende gemeinsame Reiten. Die Mitarbeiter der Kinderstation stellen jede Woche eine neue Gruppe von Kindern zusammen, die zur Reittherapie auf den Lohner Hof in Eschweiler geschickt werden. Die Auswahl orientiert sich maßgeblich am Prinzip der positiven Verstärkung: die Reitstunden werden für die Kinder als eine Belohnung für erreichte Ziele im Rahmen ihrer Behandlung eingesetzt. Auf die Therapie werden die Kinder gezielt vorbereitet, die Reittherapeutin erklärt ihnen die Regeln für den Umgang mit dem Pferd. Wie wichtig die Einhaltung dieser Regeln ist, begreifen die Kinder beim ersten Kontakt mit dem Pferd: Wer sich dem Pferd aggressiv oder lieblos nähert, wird vom Pferd unwillkürlich in seine Schranken gewiesen. Hingegen dankt es auf eine rücksichtsvolle Annäherung mit Offenheit und Spontaneität, denn es akzeptiert das Kind so wie es ist und vermittelt ihm dadurch Selbstbewusstsein und innere Stärke. Die Kinder, deren Alltag durch Depressionen oder Angst bestimmt wird, werden durch den Kontakt mit dem Pferd aufgeheitert. Sie sind wieder motiviert, haben Interesse an ihrer Umwelt und mehr Lebensfreude. Für Dr. Bodo Müller, Oberarzt der KJP, steht vor allem die Verhaltensänderung im sozialen Kontext im Vordergrund. Die Kinder lernen, sich an Regeln zu halten, ihre Impulsivität im Zaum zu halten und rücksichtsvoller im Umgang mit anderen zu sein. Angeleitet werden die Kinder von der Reittherapeutin Ute Ludwig, die einmal wöchentlich die Kinder auf dem Lohner Hof empfängt und als integratives Element zwischen dem Pferd und dem Kind fungiert.

Platzhalter, transparent (100x150) Die Kinder werden von der Reittherapeutin angeleitet Nach der Reittherapie wird das Pferd nachbereitet Platzhalter, transparent (100x150)
  Das Kind wird von der Reittherapeutin angeleitet Nach der Reittherapie wird das Pferd wieder gemeinsam nachbereitet  

Angefangen hat dies alles im September 2002: Das zufällige Zusammentreffen zweier Frauen war der Grund für die Entstehung dieses wichtigen Therapieprojekts in der KJP. Bei den beiden Frauen handelte es sich um eine Physiotherapeutin der KJP und Carlitta Grass-Talbot. Frau Grass-Talbot unterstützt, wie seinerzeit ihr Vater, reittherapeutische Projekte durch Spendengelder, so auch im September letzten Jahres, als sie mit ihrer Unterstützung den Grundstein für das therapeutische Reiten der KJP gelegt hat. Den Lohner Hof in Eschweiler, eine anerkannte Einrichtung für Therapeutisches Reiten, hat Carolin Raith, eine Erzieherin der Klinik, ausfindig gemacht.

Jedoch kann das Projekt Reittherapie nur mit Spendengeldern weitergeführt werden, deshalb ist die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie für jede Spende dankbar:

Sparkasse Aachen
Kto-Nr.: 13004015
BLZ: 390 500 00
Stichwort Reittherapie
Verwendungszweck: 02.12/9882634  

Aachen, 28. März 2003
SAy