| START-Projekt "Medizinethische Aspekte in der Behandlung Transsexueller" | ||||
START-Projekt "Medizinethische Aspekte im Umgang mit Transsexualität" Von Januar 2006 bis Juni 2008 lief an unserem Institut das interdisziplinäre Forschungsprojekt "Medizinethische Aspekte im Umgang mit Transsexualität". Als Kooperationspartner fungierte die Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie des Universitätsklinikums Aachen (START-Förderprogramm, Medizinische Fakultät Aachen). Bearbeitet wurde das Projekt von Jan Steinmetzer (Leitung), der Diplom-Logopädin Heike Plum unter Mitwirkung von vier Hilfswissenschaftlern. Kurzbeschreibung des Projekts Transsexualismus, d.. der Wunsch, als Angehöriger des anderen Geschlechtes zu leben und anerkannt zu werden, wird in der ICD-10 als "Störung der Geschlechtsidentität" den "Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen" zugeordnet. Die Einstufung der Transsexualität als krankhaftes psychisches Leiden begründet eine Reihe psychotherapeutischer und geschlechtsangleichender Maßnahmen. Doch obwohl Medizin und Psychotherapie das Thema "Transsexualität" diskursiv entscheidend mitbestimmen und viele Transsexuelle ihr Leben lang von Behandlungsmaßnahmen "abhängig" bleiben, spielen Beiträge aus dem Fach Medizinethik bisher kaum eine Rolle. Der Mangel an einschlägigen Beiträgen kontrastiert mit einem erheblichen ethischen Klärungsbedarf. Dieser betrifft die Einordnung der Transsexualität als Krankheit ("Pathologisierung") ebenso wie das derzeitige Behandlungsregime (Möglichkeit vorzeitiger Weichenstellungen), gezielte Einflussmöglichkeiten auf das Begutachtungssystem (Präjudizien), fragliches Coaching im Vorfeld richterlicher Befragungen, disparate Zielsetzungen von Betroffenen und Therapeuten im Rahmen der Psychotherapie sowie Fragen der Verteilungsgerechtigkeit (Ausmaß der Kostenübernahme). Ziel des Projekts war es, die im Umgang mit Transsexualität berührten medizinethischen Konfliktfelder und Werte herauszuarbeiten, zu definieren und einer eingehenden Analyse zuzuführen. Angestrebt wurde eine deutliche Verbesserung der Situation der Betroffenen in den Bereichen gesellschaftliche Akzeptanz, Diagnostik, Therapie und juristische Begleitung. Das Vorgehen war dabei in zwei Teile untergliedert: Zunächst erfolgte eine systematische Untersuchung der international verfügbaren einschlägigen Literatur; hierbei wurden verschiedene Gattungen (Fachliteratur, Literatur der Betroffenen, Laienpresse, Filme) einbezogen. In einem zweiten Teil wurden die persönlichen Erfahrungen von Transsexuellen erfasst. In standardisierten Gesprächen sollte der medizinethische Handlungsbedarf aus der Sicht der Betroffenen ausgelotet und mit dem jeweiligen Krankheits- bzw. Behandlungsverlauf abgeglichen werden. Dabei wurden mögliche Regel- und Gesetzmäßigkeiten eruiert und die praktische Relevanz der im ersten Teil definierten ethischen Problemfelder hinterfragt bzw. ergänzt. Dieser zweite Teilbereich erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der hiesigen Klinik für Phoniatrie, Pädaudiologie und Kommunikationsstörungen, die in den letzten Jahren eine besondere Expertise für phoniatrisch-logopädische Stimmanalysen und -therapien bei Transgendern erworben hat und über ein Patientenkollektiv verfügt, das schon verschiedene Stufen im Prozess der Geschlechtsangleichung durchlaufen hat. Dies bedeutet, dass die in Frage stehenden Patienten über weit reichende Erfahrungswerte verfügen und den ethischen Handlungs- und Korrekturbedarf überblicken. Zugleich sind die Betroffenen in Bezug auf ihre Krankengeschichte erfasst. In methodischer Hinsicht bestand die Befragung aus zwei Teilen: In einem ersten Teil wurde der Gesprächsinhalt in Form eines standardisierten Fragebogens vorgegeben, während in einem zweiten Teil als ergänzendes qualitatives Element der Befragung ein narratives Interview durchgeführt wurde. Im Projektverlauf sind acht Publikationen über medizinethische Aspekte im Umgang mit und der Behandlung von Transsexualität entstanden. Daneben entstand eine umfassende Literaturdatenbank. Als weiteres Element des Vorhabens fand ein Symposium statt, das dem Ziel diente, die wichtigsten (Zwischen-)Ergebnisse zu präsentieren, Experten aus verschiedenen Bereichen zusammenzuführen und den Weg für ein weiterführendes Verbundprojekt zu bahnen. Im Rahmen des Projektes entstanden bisher ein Tagungsband sowie sieben Buch- und Zeitschriftenbeiträge.
Nähere Informationen Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin Tel.: +49 241 80 88095
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