Mitgefühl und Herzlichkeit schenken
 
 

Das Fest der Liebe ist immer auch ein Anlass, darüber nachzudenken, wie man anderen helfen kann. In Aachen gibt es viele schöne wohltätige Aktionen. BAD AACHEN stellt einige davon vor.

A A C H E N
Die Dämmerung legt sich gemütlich um die Häuser. Leise knistert das Feuer im Kamin. Das Licht des Adventskranzes wirft unruhige Schatten an die Wohnzimmerwand. Konzentriert sitzt ein sechsjähriges Mädchen am Tisch und schreibt seinen Wunschzettel. Eine Barbiepuppe, ein Prinzessinnenschloss, Schlittschuhe, eine Kette und das Buch Mio, mein Mio von Astrid Lindgren soll der Weihnachtsmann bringen. In den kommenden Wochen fiebert das Mädchen dem Heiligen Abend entgegen. Tun das alle Kinder in Aachen? "Wir haben Kinder, die kaum etwas geschenkt bekommen", weiß Gaby Schönfelder, die Leiterin der AWO-Kita Zauberwald in der Gartenstraße. Mehr als die Hälfte der 35 Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren in ihrer Kita sind Ausländer, kommen aus der Türkei, Polen, Russland, Marokko, Libyen. "Einige Eltern haben kaum Geld, um ihren Kindern Weihnachtsgeschenke zu machen", erzählt Gaby Schönfelder, die sich gefreut hat, als der Aachener Udo Dümenil sie angerufen hat. Gemeinsam mit dem Babor Institut startet der Friseur zum dritten Mal die Aktion Weihnachtspräsente für Kindertagesstätten. Da wollen Weihnachtsbäume im Hof 12 und der Schmiedstraße 12 geschmückt werden.

"Das übernehmen die Kinder der Kita Zauberwald und der Kita Krümel ab dem 1. Dezember", erzählt Astrid Rissen vom Babor-Institut an der Schmiedstraße. Das Konzept geht auf: Kinder aus ausgewählten Kitas hängen ihre Wunschzettel-Sterne an die Weihnachtsbäume, und Kunden nehmen die Sterne ab und legen später die Geschenke unter den Baum. Kurz vor Weihnachten - die Geschenke müssen bis zum 19. Dezember abgegeben sein - erhalten die Kita-Kinder die Päckchen im Wert zwischen 3 und 15 Euro. Und freuen sich. "Es trifft die Richtigen", ist sich die Leiterin der Kita Krümel, Nadine Schümann, sicher. Diese Kinder wünschen sich Kleinigkeiten. Kleinigkeiten, die in sozial schwachen Familien ein Loch in die finanziellen Gegebenheiten reißen würden. Während das sechsjährige Mädchen noch in Gedanken versunken darüber nachdenkt, welche Wünsche seinen Wunschzettel länger machen, denkt seine Mutter über das Weihnachtsmenü nach. Wird in diesem Jahr die Ente mit Rotkohl am 24. Dezember serviert, oder werden die kleinen Filetstücke auf dem Tischgrill gegart? Familien aus 1300 Haushalten in Aachen haben solche Gedanken nicht. Sie wissen nicht, was sie an Heiligabend essen werden. Sie sind diejenigen, die regelmäßig zur Aachener Tafel kommen und dort die Lebensmittel kaufen, die viel billiger sind als in Geschäften. "Das Dilemma in der Weihnachtszeit für uns und unsere Kunden ist, dass wir weniger Lebensmittel vorrätig haben, obwohl der Bedarf wächst, weil eventuell im Familienkreis gegessen werden soll", erzählt Jutta Schlockermann, 1. Vorsitzende der Aachener Tafel. Deshalb werden die Aachener gebeten, Lebensmittelpakete zu packen. "Da wechselt weihnachtliche Wärme von Mensch zu Mensch", sagt Jutta Schlockermann. Nicht größer als eine Bananenkiste sollen die Überraschungen sein, die Bedürftigen ein Weihnachtsessen ermöglichen. Die Abgabe der Pakete ist am Dienstag, 19. Dezember, im Alten Kurhaus zwischen 10 bis 19 Uhr. Einen Tag später werden die Kisten zu Weihnachtsgeschenken. "Der Phantasie beim Füllen sind keine Grenzen gesetzt", sagt die Vorsitzende der Tafel. Die Phantasie des sechsjährigen Mädchens stützt sich auf seine Erfahrungen der vergangenen Weihnachtsfeste. Dieses Mädchen hat kaum offene Wünsche, es ist glücklich und gesund.

Freude für kranke Kinder
Die Kinder, die Weihnachten auf der Kinderkrebsstation im Universitätsklinikum verbringen, sind krank. "Damit wir diesen Kindern im Alter zwischen einem und 16 Jahren einen Tag lang eine Freude machen, wartet der Nikolaus am Mittwoch, 6. Dezember, zwischen 12 und 15 Uhr im Café Martin an der Schmiedstraße 20 auf Aachener, die Geschenke für den kranken Nachwuchs bringen", erzählt Martin Lücker, der Vorsitzende des Vereins Aachener Engel. Das ist ein Verein, der sich täglich um Menschen kümmert, die an Krebs erkrankt oder unverschuldet bedürftig geworden sind. Die Kinder im Klinikum sollen überrascht werden. "Es müssen gar nicht teure Geschenke sein. Ein schönes Bild oder eine außergewöhnliche Karte können auch Freude machen", sagt Lücker. Als das sechsjährige Mädchen seinen Wunschzettel fertig bemalt hat, sieht es vor sich die Ausgabe von BAD AACHEN. Langsam liest es diesen Artikel und sitzt eine Weile still neben dem Kamin. Dann bittet es seine Mutter, einen Wunsch-Stern von einem Weihnachtsbaum zu holen, um einem Kind eine Freude zu machen. Es bittet seine Mutter, ein Lebensmittelpaket zu schnüren, und es möchte gleich morgen in ein Musikgeschäft, um eine CD für ein Kind im Klinikum zu kaufen. Sein Entschluss steht fest. Es zerreißt seinen Wunschzettel. Es möchte keine Barbiepuppe, kein Prinzessinnenschloss, keine Schlittschuhe, keine Kette und nicht das Buch Mio, mein Mio. Es möchte, dass Weihnachten viele Menschen glücklich sind.

Weitere wohltätige Aktionen

Es gibt natürlich noch viele weitere gute Ideen, wie man Menschen helfen kann: Der Adventskalender des Lions Clubs Aachen Carolina enthält keine Schokolade, sondern die Möglichkeit, etwas zu gewinnen. Der Erlös kommt benachteiligten Kindern in der Aachener Region zugute.

Der Lions Club Aachen Dreiländereck hat die Benefizaktion Gutes Essen initiiert. In allen teilnehmenden Restaurants wird bei der Rechnung eine freiwillige Spende von einem Euro erbeten. Diese Spenden kommen bedürftigen Kindern aus der Euregio zugute.

Der Kiwanis Club Aachen Urbs Aquensis verkauft am Samstag, 9. Dezember, ab 11 Uhr auf dem Holzgraben Sekt und Erbsensuppe. Mit dem Erlös wird die Schule am Kennedypark unterstützt. Man kann auch über die Grenze schauen wie der Aachener Finanzdienstleister Creutz & Partners, der sich für den Eupener Kiwanis Club engagiert.

Auf dem Eupener Weihnachtsmarkt findet am Freitag, 15. Dezember, ab 19 Uhr, Samstag, 16., von 14 bis 19 Uhr und am Sonntag, 17. Dezember, von 11 bis 19 Uhr eine Benefiz-Ausstellung von Künstlern zugunsten des Vinzenzvereins Eupen statt.

Sie möchten Gutes tun? BAD AACHEN nennt Ihnen unter Telefon 40 10 18-0 die Ansprechpartner der Aktionen!

Quelle: Stadtmagazin Bad Aachen 12/2006, von Conny Stenzel-Zenner