Forschungsprojekt "Leitende Aachener Klinikärzte im Dritten Reich"
 
 

Im November 2008 läuft an unserem Institut ein von der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen finanziertes Forschungsprojekt zur Rolle leitender Aachener Klinikärzte im Dritten Reich. Das Projekt wird im Rahmen des START-Programms gefördert und ist auf 18 Monate angelegt.

Ziel der Untersuchung ist es zu klären, in welchem Umfang sich führende Ärzte der Aachener Kliniken in die NS-Gesundheitspolitik einbinden ließen und hierbei führende Funktionen übernahmen (Popularisierung rassenhygienischer Lehren, Beteiligung an Maßnahmen wie z. B. Zwangssterilisationen bzw. -abtreibungen, Beteiligung an Euthanasiemaßnahmen, Einweisungen in Anstalten). Neben konkreten medizinischen Maßnahmen sollen die Anzeigebereitschaft und die Gutachtertätigkeit der Ärzte beleuchtet werden. Ebenso interessiert die komplementäre Fragestellung: Inwieweit finden sich Hinweise, dass sich führende Ärzte bzw. Verwaltungsleitungen gegen die gesundheitspolitischen Ziele der Nationalsozialisten auflehnten bzw. diese unterwanderten. Schließlich gilt es, die "Karrieren" der so untersuchten Aachener Ärzte im Nachkriegsdeutschland nachzuverfolgen: Lassen sich, bezogen auf die berufliche Laufbahn, Kontinuitäten oder Brüche nachweisen? Inwieweit erfolgte eine Aufarbeitung der eigenen NS-Vergangenheit? In gleichem Maße interessiert die komplementäre Fragestellung: Finden sich Hinweise, dass sich führende Ärzte/Verwaltungsleitungen gegen die gesundheitspolitischen Ziele der Nationalsozialisten auflehnten oder diese unterwanderten? Lassen sich entlastende Dokumente finden?

Das START-Projekt zeigt einerseits das besondere Engagement der Medizinischen Fakultät der RWTH bei dem beschriebenen Aufarbeitungsprozess, dient andererseits aber auch Kristallisationskern für weiterführende Studien.

Projektleiter ist Dr. Gereon Schäfer, als federführender Projektbearbeiter fungiert Richard Kühl, M.A..