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Telemedizin bei Herzschwäche

Durch eine telemedizinische Überwachung kann unter Umständen eine drohende Abnahme der Herzleistung (Dekompensation) entdeckt werden, bevor der Patient diese selbst wahrnimmt. Hierdurch lässt sich im Einzelfall gezielt der Verschlechterung z.B. durch Erhöhung der entwässernden Medikation entgegengewirkt werden.

In der telemedizinischen Ambulanz der Medizinischen Klinik I werden derzeit 400 Schrittmacher und Defibrillator Patienten mit einer Herzschwäche nachgesorgt. Die Geräte messen sogenannte "Vitalparameter" wie Herzfrequenz, Herzrhythmus oder den Wassergehalt der Lunge und sind z.T. mit Geräten zur Blutdruck- und Gewichtsmessung gekoppelt. Zwei eigens hierfür ausgebildete Schwestern führen täglich die Fernabfrage der Geräte durch. Der Patient erhält einen kleinen Sender (Mobiltelefon oder kleine Box), über den die Implantatdaten an die Ambulanz übertragen werden. Bei technischen Problemen des Schrittmachers/Defibrillators oder bei einer Verschlechterung der Herzschwäche wird der Hausarzt hierüber rechtzeitig informiert, so dass ggf. vorbeugende Schritte (z.B. Erhöhung der entwässernden Medikamente) vorgenommen werden können. Und eine Krankenhauseinweisung unter Umständen vermieden werden kann.

In der Arbeitsgruppe Telemedizin der Klinik für Kardiologie, Pneumologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin (Med. Klinik I) werden neue Lösungen zur Messung und Übertragung von "Vitalparametern" von Herzschwächepatienten entwickelt und in klinischen Studien getestet.

Die chronische Herzschwäche

Die chronische Herzschwäche (Herzinsuffizienz) tritt bei ca. 5-10% aller Menschen im Alter > 65 Jahren auf. Häufige Ursachen sind zurückliegende Herzinfarkte oder eine chronische Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße (so genannte ischämische Kardiomyopathie: ICM). In anderen Fällen tritt die Herzschwäche als Folge einer abgelaufenen Herzmuskelentzündung oder auch ohne erkennbaren Grund (sogenannte dilatative Kardiomyopathie: DCM) auf. Die Prognose der Herzschwäche ist zum Teil schlechter als bei den häufigsten Tumorerkrankungen.

Warum ist die Prognose bei Herzschwäche schlecht?

Die 3 häufigsten Gründe für die schlechte Prognose der Herzinsuffizienz sind Herzrhythmusstörungen sowie akute Verschlechterung der Herzpumpleistung mit einer sogenannten Dekompensation (Wassereinlagerungen im Körper). Die häufigsten Rhythmusstörungen bei Herzschwäche sind Vorhofflimmern und Kammerflimmern.

Warum Telemedizin bei Herzschwäche?

Durch eine telemedizinische Überwachung kann u.U. eine drohende Abnahme der Herzleistung (Dekompensation) entdeckt werden, bevor der Patient diese selbst wahrnimmt. Hierdurch lässt sich im Einzelfall gezielt der Verschlechterung z.B. durch Erhöhung der entwässernden Medikation entgegengewirkt werden. Beim neuen Auftreten von Vorhofflimmern kann beispielweise eine notwendige Blutverdünnung rechtzeitig eingeleitet werden und so Schlaganfälle verhindert werden.

Wie kann ich telemedizinisch betreut werden?

  • Überprüfen Sie zunächst, ob Ihr Schrittmacher technisch für die Telemedizin ausgerüstet ist.
  • Sprechen Sie Ihren Kardiologen an und lassen sich beraten, ob er Telemedizin für Sie geeignet hält.
  • Ihr Kardiologe kann dann einen Überweisungsschein an unsere Telemedizinambulanz ausfüllen.

Forschungsprojekte

MyHeart

Im MyHeart Projekt wurde nicht implantierbare Biosensorik entwickelt, die von Patienten mit Herzschwäche genutzt warden kann, um frühzeitig eine Verschlechterung der Herzschwäche zu erkennen. Hierzu zählen EKG Sensoren, die in der Bettwäsche integriert wurden und die eine EKG Aufzeichnung ermöglichen, ohne das Klebeelektroden notwendig sind. Darüber hinaus wurde eine tragbare Weste zur Messung des Lungenwassers entwickelt. Die Daten werden über ein "Smart-Phone" an den behandelnden Arzt übermittelt. Die abschließende multizentrische MyHeart Studie untersucht, ob eine Vorhersage einer Verschlechterung der Herzschwäche durch ein multimodales Monitoring von Bioparametern möglich ist.

InnoMet

Im Innomet Projekt werden neue technische Lösungen entwickelt, mit denen die nächtliche Schlafperiode genutzt werden kann, um u.a. Blutdruck, Herz- und Atemfrequenz und Sauerstoffsättigung bei Herzschwächepatienten zu überwachen und telemetrisch an den Arzt zu übermitteln. Insbesondere wird ein Innenohrsensor zur multimodalen Signalextraktion entwickelt, der bei hohem Tragekomfort eine kontinuierliche Messung dieser zur Verlaufsbeaobachtung wichtigen Parameter ermöglicht.

Heart Cycle

Im HeartCycle Projekt wird ein System entwickelt, das eine interaktive Begleitung von Herzschwächepatienten in der Rehabilitationsphase und im Alltag ermöglichen soll. Ziel ist, durch körperliches Training die Belastbarkeit zu steigern. Das System misst wichtige "Vitalparameter" über Sensoren. Die Daten werden einerseits genutzt, das Trainingsprogramm individuell anzupassen und den Trainingsfortschritt zu überprüfen, andererseits warnt es den Patienten bei Überlastung, z.B., wenn die Herzfrequenz zu stark ansteigt oder Arrhythmien auftreten.

RECAP

Das RECAP Projekt implementiert die telemedizinische Überwachung von Herzschwächepatienten in die Versorgung der Euregio. Die in der kardiologischen Telemedizinambulanz des UKA entwickelten strukturierten Nachsorgeprogramme werden in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Maastricht und niedergelassenen Kardiologen durchgeführt.

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