Leberbeteiligung bei Alpha1-Antitrypsin-Mangel (AAT-Mangel)

Der AAT-Mangel ist eine häufig übersehene Stoffwechselerkrankung, die vererbt wird. Es ist weltweit die am dritthäufigsten tödlich verlaufende Erbkrankheit. Prinzipiell können Menschen jeden Alters und aller ethnischen Gruppen betroffen sein. Das häufigste Vorkommen dieser Erkrankung findet sich dabei in unserer Region (West- und Nordeuropa).

Es werden schwere und leichte Formen des AAT-Mangels unterschieden, dem liegen unterschiedliche „Genotypen“ (d.h. erblich definierte Varianten) zugrunde. Etwa 10% der Europäer tragen eine AAT-Variante – da momentan über 150 Genotypen bekannt sind, ist nicht klar, ob sich alle Genotypen auf die Leber auswirken. Bei der schweren Form (sogenannter PiZZ- oder PiSZ-Genotyp) geht man in Deutschland von über 60.000 betroffenen Menschen aus, die verschiedene Lebererkrankungen zur Leberzirrhose und bis hin zum Leberkrebs entwickeln können. Bei den leichteren Formen (z.B. PiMZ-Genotyp) geht man sogar von etwa 2 Mio. betroffenen Menschen aus. Auch bei den leichteren Formen kann die Leber betroffen sein, insbesondere wenn andere Leberbelastungen (z.B. Virushepatitis, Alkohol oder Fehlernährung) hinzukommen. Die Leberzirrhose stellt das narbige Endstadium einer chronischen Leberschädigung dar und geht mit einer besonders ungünstigen Prognose einher. Durch eine Leberzirrhose kommt es zu unterschiedlichen Komplikationen, z.B. besteht ein stark erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Leberkrebs oder für schwere Blutungen. Mit abnehmender Leberfunktion kann es zu einem Multiorganversagen kommen, in diesem Fall kann nur noch eine Lebertransplantation helfen. Aufgrund der schwerwiegenden Komplikationen sollte die Entwicklung einer Leberzirrhose vermieden werden, indem die Diagnose eines Leberschadens früh gestellt und der Entwicklung von Komplikationen durch entsprechende Therapien vorgesorgt wird.  Hierfür ist es auch wichtig, Belastungsfaktoren für die Leber, die potenziell behandelbar sind, zu identifizieren (z.B. Virushepatitis, Autoimmunerkrankungen oder metabolisches Syndrom). Denn eine Therapie eines solchen Belastungsfaktors würde voraussichtlich das Voranschreiten des Leberschadens stoppen und der Leben helfen, sich zu regenerieren. Da Regenerationspotenzial der Leber ist groß, selbst aus dem vermeintlichen Endstadium der Leberzirrhose kann sich die Leber in entsprechender leberfachärztlicher Betreuung erholen.

Neben einer Lungenbeteiligung kann der Alpha1-Antitrypsin-Mangel auch in beträchtlichem Maße zu einer Leberbeteiligung führen. Bis zu 50% aller erwachsenen Alpha1-Patienten entwickeln eine Leberschädigung. Dementsprechend ist die Leberbeteiligung die zweithäufigste Ursache für eine verminderte Lebensqualität und Lebenserwartung. Dabei wird eine chronische Schädigung der Leber bei bestehendem AAT-Mangel leider oft sehr spät festgestellt. Hierfür gibt es verschiedene Gründe: Betroffene Patienten mit einer chronischen Leberschädigung haben in der Regel keine bzw. unspezifische Beschwerden, erst im Spätstadium einer Leberzirrhose zeigen sich typische Beschwerden. Ebenso zeigen sich gerade beim AAT-Mangel in der Routine-Diagnostik (z.B. Leberwerte im Blut) häufig keine Auffälligkeiten. Außerdem ist das Bewusstsein, dass durch den AAT-Mangel auch die Leber betroffen wird, bei Ärzten wie Patienten nicht ausgeprägt, , weswegen ein Leberspezialist selten aufgesucht wird. Aufgrund dieser Umstände wird eine chronische Leberschädigung oft sehr spät festgestellt. Durch eine späte Diagnose kann den vielfältigen Komplikationen einer Leberschädigung nicht mehr effektiv vorgebeugt werden. Letztlich gibt es derzeit aufgrund unzureichender Forschungsergebnisse keine etablierte Vorsorge für die Leberbeteiligung beim AAT-Mangel - anders als für die Lungenbeteiligung. Daher bemühen wir uns intensiv, die Diagnostik einer Leberbeteiligung beim AAT-Mangel zu verbessern und notwendige  Vorsorgemaßnahmen zu definieren.

Zusammenfassend ist eine frühe Feststellung einer Leberbeteiligung und etwaiger Begleiterkrankungen sowie eine entsprechend engmaschige Verlaufskontrolle entscheidend, da der AAT-Mangel eine Erbkrankheit darstellt und derzeit nicht heilbar ist. Daher ist es unser Ziel, eine Leberschädigung bei diagnostiziertem AAT-Mangel frühzeitig zu erkennen und ggf. zu behandeln. Durch eine langfristige Betreuung möchten wir die Versorgung betroffener Patienten verbessern und durch unsere Forschung diagnostische und therapeutische Verbesserungen ermöglichen. Flyer, Artikel und Videos finden Sie unter Downloads.