Das Home Treatment

Das Home Treatment (HoT) unterscheidet sich von der routinemäßig durchgeführten (häufig (teil-)stationären) Behandlung. Wie in der üblichen Behandlung werden unterschiedliche Berufsgruppen an der Behandlung beteiligt sein (Ernährungsberatung, Arzt, Fachtherapeuten, Mitarbeiter des Pflege- und Erziehungsdiensts, Psychologe). Bei dieser inhaltlichen Arbeit bestehen keine Unterschiede zwischen den Behandlungsformen. Allerdings wird die Behandlung im HoT, d. h. die Behandlung zuhause, eine geringere Stundenanzahl als übliche Behandlung umfassen. Hierbei werden die Angehörigen intensiver in die Behandlung einbezogen.

Zwischen Woche eins und acht nach Entlassung erfolgen – je nach individueller Notwendigkeit - drei bis vier Behandlungsbesuche zuhause. Zwischen Woche neun und 16 erfolgen ein bis zwei Termine pro Woche zuhause. Hierbei erhält die/der Betroffene eine medizinische Betreuung, Psychotherapie durch einen Arzt oder Psychologen, Ernährungstherapie sowie Unterstützung durch Mitarbeiter der Pflege und Ergotherapie. Die psychotherapeutische Behandlung findet vorwiegend im Einzel- und Familiensetting statt. Zusätzlich zu den Hausbesuchen nimmt die/der Betroffene regelmäßig in der Klinik an einer Gruppenpsychotherapie für HoT-Patienten teil. Es handelt sich entsprechend der aktuellen deutschen Behandlungsleitlinien um ein multimodales Behandlungsprogramm mit klar definierten Bausteinen, das von speziell auf dem Gebiet der Essstörungen ausgebildeten und angeleiteten interdisziplinären Teams durchgeführt wird. Die Besuchstermine zuhause und die Kliniktermine werden wöchentlich in Absprache mit der Familie festgelegt. Es erfolgen regelmäßige ärztliche Kontrollen und Blutuntersuchungen entsprechend der medizinischen Notwendigkeit. Im Gegensatz zur stationären Behandlung müssen die Angehörigen mehr Beaufsichtigung des Kindes übernehmen.

Folgendes ist für wichtig: Bei Komplikationen wird das HoT sofort abgebrochen und die Behandlung stationär weitergeführt. Die Entscheidung liegt bei dem verantwortlichen Arzt. Zu möglichen Komplikationen gehören medizinische Probleme, die einer kontinuierlichen Überwachung bedürfen (z. B. Herzrhythmusstörungen) sowie anderweitige Gründe, die eine durchgängige Beobachtung der Patientinnen und Patienten notwendig machen würden (z. B. vermehrtes Erbrechen oder Abführmittelmissbrauch, ständiger Bewegungsdrang, depressive Krisen oder Selbstmordideen). Sollten irgendwelche Unsicherheiten bestehen, ist rund um die Uhr ein Mitglied des Therapeuten-Teams, die Station bzw. der Dienstarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie erreichbar. Auch wenn durch HoT keine ausreichende Besserung der Erkrankung erreicht werden kann, würde dieses abgebrochen. Bei der Magersucht lässt sich dies vor allem am Gewichtsverlauf feststellen, weshalb zu Beginn des HoT eine Mindestgewichtszunahme in einem bestimmten Zeitrahmen festgelegt wird. Sollte diese Gewichtsmarke unterschritten werden, wird das HoT für den entsprechenden Fall als nicht ausreichend intensiv gewertet, abgebrochen und die Behandlung stationär weitergeführt.