Expositionserfassung von elektromagnetischen Feldern im Arbeitsumfeld und öffentlichen Bereich

Für die Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern gibt es keinen international bindend anzuerkennenden Sicherheitsstandard. Stattdessen werden verschiedene internationale Grenzwert-Empfehlungen, die auf unterschiedlicher Basis entwickelt wurden, in jedem Land in eigene nationale Empfehlungen oder rechtlich bindende Vorschriften überführt. Hierbei können sich die EMF-Grenzwerte entweder als sogenannte Referenzwerte auf die von elektrischen Geräten o.ä. emittierten Felder, charakterisiert durch Frequenz und Feldstärke bzw. Flussdichte, beziehen oder als Basisgrenzwerte auf die (in der Regel) im menschlichen Körper induzierten Messgrößen, wie z. B. SAR oder Stromdichte. Bei der Anwendung der Grenzwerte sollte dementsprechend zwischen Referenzwerten und Basisgrenzwerten unterschieden werden. Die Basisgrenzwerte sind im Normalfall nicht mit einem Messgerät zugänglich, im Gegensatz zu den Referenzwerten, sondern können nur durch numerische Simulationen oder Messphantome überprüft werden. In unseren Forschungsprojekten verfolgen wir die Bewertung von Expositionssituationen sowohl mit Hilfe von messtechnischen als auch simulativen Ansätzen.

Um Expositionen durch z.B. neue Technologien zu bewerten, bauen wir Messsysteme auf, welche jeweils auf die Technologie und die Anwendung zugeschnitten sind. Zur Messung an Elektrofahrzeugen oder Stromnetzen nutzen wir ein vollständig batteriebetriebenes Messsystem zur Aufzeichnung von Magnetfeldern im Zeitbereich bis 400 kHz. Mithilfe der aufgezeichneten Signale können komplexe Analysen durchgeführt und auf Einhaltung von unterschiedlichen Referenzwerten (beispielsweise Allgemeinbevölkerung und Arbeitsschutz) überprüft werden. Im Falle einer Überschreitung der Referenzwerte können die Signale auch für eine Überprüfung der Basisgrenzwerte mithilfe numerischer Simulationen genutzt werden.

Auch bei der Bewertung von Stromunfällen verwenden wir Simulationen zur Expositionserfassung, um beispielsweise den Stromweg im menschlichen Körper nachzuvollziehen und das Risiko für das Auftreten von Herzkammerflimmern zu bestimmen. Mithilfe dieser numerischer Berechnungsmethoden lassen sich viele Unfallszenarien unter realen Bedingungen bewerten, ohne die Gesundheit von Menschen zu gefährden.

Durch unser interdisziplinäres Team und unsere vielfältigen Methoden sind wir in der Lage eine vollständige Risikoanalyse für diverse Technologien durchzuführen, auch für Personen mit kardialen Implantaten.

Ansprechpartner:
Kai Jagielski, M.Sc. und Dipl.-Ing. Pia Schneeweiß

Das Team:
Kai Jagielski, Pia Schneeweiß, Ralph Kühn, Günter Wermeester