Syndromale Ziliopathien

Zu den sog. syndromalen Ziliopathie zählen unter anderem das Joubert-Syndrom (JS) und verwandte Erkrankungen (JSRD), das Meckel-Gruber-Syndrom (MKS) und das Bardet-Biedl-Syndrom (BBS). Sie sind auf Störungen bestimmter Zellorganellen, der sog. Zilien, zurückzuführen und zeigen eine große genetische Vielfalt (Heterogenität). So sind für das Joubert-Syndrom bisher mindestens 34 ursächliche Gene, für das Meckel-Gruber-Syndrom mindestens 13 ursächliche Gene und für das Bardet-Biedl-Syndrom mindestens 21 ursächliche Gene bekannt. Darüber hinaus zeigen die genannten Syndrome auch klinisch eine große Überlappung, so dass nicht immer eine exakte Zuordnung zu einem Syndrom möglich ist. Umgekehrt können Mutationen beispielsweise im CEP290-Gen sowohl zu einem Meckel-Gruber-Syndrom als auch zu einem Joubert-Syndrom als auch zu einem Bardet-Biedl-Syndrom führen. Weiterhin ist insbesondere für das Bardet-Biedl-Syndrom in der Literatur eine oligogene / triallelische Vererbung, bei der der Phänotyp das Resultat eines kombinierten Effekts verschiedener Allele in mehreren Genen ist, beschrieben, was mit einer zusätzlichen Komplexität in der molekular­genetischen Diagnostik einhergehen kann. Vor dem Hintergrund der ausgesprochen großen klinischen und genetischen Heterogenität bei den genannten syndromalen Ziliopathien kann es deshalb sinnvoll sein, mehrere krankheitsrelevante Gene im Rahmen einer sog. „Panelanalyse“ parallel zu untersuchen. 

Klinische Merkmale des JS/JSRD, BBS und MKS und phänotypische Überlappung. Die Haupt­merk­male sind grau hinterlegt. Zusätzliche Merkmale, die nicht das klassische JS definieren, aber bei den JSRD vorkommen, sind in grauer Schrift angegeben. (DPM = Malformation der Duktalplatte, MCP=multizystisch dysplastisch, NPH = Nephronophthise, PF = portale Fibrose, RCD = Stäbchen-Zapfen-Dystrophie)

AHI1, ANKS6, ARL13B, ARL6, ARMC9, B9D1, B9D2, BBIP1, BBS1, BBS10, BBS12, BBS2, BBS4, BBS5, BBS7, BBS9, C3CD3, C5orf42, C8ORF37, CC2D2A, CEP104, CEP120, CEP164, CEP290, CEP41, CEP83, CSPP1, DCDC2, DDX59, DYNC2H1, DYNC2LI1, EVC, EVC2, GLI3, GLIS2, HYLS1, IFT122, IFT140, IFT172, IFT27, IFT43, IFT52, IFT74, IFT80, INPP5E, INVS, IQCB1, KIAA0556, KIAA0586, KIAA0753, KIF14, KIF7, LZTFL1, MAPKBP1, MKKS, MKS1, NEK1, NEK8, NPHP1, NPHP3, NPHP3, NPHP4, OFD1, PDE6D, PIBF1, POC1B, RPGRIP1L, SCLT1, SDCCAG8, SRTD1

Auftrag und Einwilligung zur genetischen Diagnostik

Basispanel:
BBS1-BB13

Stufe 2:
BBS14-BBS21 oder ggf. syndromales Ziliopathiepanel mit ca. 90 Genen nach Absprache

Auftrag und Einwilligung zur genetischen Diagnostik

Basispanel:
JBTS2, JBTS3, JBTS5, JBTS6, JBTS7, JBTS8, JBTS9;

Stufe 2:
JBTS1, JBTS4, JBTS10-34 oder ggf. syndromales Ziliopathiepanel mit ca. 90 Genen nach Absprache

Auftrag und Einwilligung zur genetischen Diagnostik

Basispanel:
MKS1-MKS6, MKS8, MKS9, MKS10

Stufe 2:
MKS7, MKS11, MKS12, MKS13 oder ggf. syndromales Ziliopathiepanel mit ca. 90 Genen nach Absprache

Auftrag und Einwilligung zur genetischen Diagnostik

Weitere Informationen

  • Je nach klinischer Symptomatik kann eine individuelle Auswahl der mittels NGS-Panel zu analysierenden Gene getroffen werden. Hierzu bitten wir um kurze Rücksprache (humangenetik@remove-this.ukaachen.de oder telefonisch: 0241 80-80178 oder 80-80427).
  • Für einige Gene sind allelische Erkrankungen beschrieben, d.h. Mutationen in einem Gen können zu unterschiedlichen klinischen Diagnosen führen. Einige Gene sind ggf. nur in einem der Sub-Panel aufgeführt, werden aber von uns angeboten. Hierzu beachten Sie bitte die alphabetische Liste des Gesamtpanels.