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Konzept und Service

Konzept

Das Institut für Versuchstierkunde ist eine zentrale Einrichtung der Medizinischen Fakultät und der RWTH Aachen.

Das Konzept der zentralen Einrichtung ermöglicht die Gewährleistung hoher Qualitätsstandards bei der Beschaffung, Haltung und Zucht von Versuchstieren, als auch bei der Ausbildung von Personal und Nutzern.
Zudem kann durch die zentrale Verwaltung und Dokumentation der in der Gesellschaft nicht unumstrittenen tierexperimentellen Forschung gegenüber der Öffentlichkeit als auch den Aufsichtsbehörden eine stringente und transparente Darstellung der durchgeführten Versuche wie auch der verwendeten Tiere/Tierzahlen erreicht werden.

Mehr Informationen zum Thema „Tierversuche“ finden Sie unter „Tierversuche verstehen - Eine Informationsinitiative der Wissenschaft“ und  „Deutsche Forschungsgemeinschaft - Tierversuche in der Forschung“

Das Institut für Versuchstierkunde ist der alleinige Besitzer einer Haltungserlaubnis nach §11 des TSchG innerhalb der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen. Für Versuchszwecke einzusetzende Tiere dürfen nur in Räumen, die in dieser Genehmigung benannt sind, gehalten werden. Dazu zählen die Tierhaltungsräume des Instituts für Versuchstierkunde im Hauptgebäude des Universitätsklinikums Aachen, sowie angrenzende Haltungsbereiche. Standardisierte Haltungsbedingungen in diesen Räumen erlauben letztendlich (im Zusammenspiel mit weiteren Standardisierungen) eine Reduktion der zur Erzielung signifikanter Ergebnisse einzusetzenden Tierzahlen.

Versuchstiere werden zentral vom Institut für Versuchstierkunde für die Forscher der Medizinischen Fakultät sowie der RWTH Aachen beschafft. Kommerziell erhältliche Tiere werden von den Aufsichtsbehörden bekannten Züchtern von Versuchstieren oder landwirtschaftlichen Betrieben eingekauft, nicht kommerzielle erhältliche Versuchstiere (insbes. gentechnisch veränderte Nager) werden im Institut gezüchtet oder importiert. Ausser den landwirtschaftlichen Nutztieren müssen alle Versuchstiere aus nach §11 TSchG zugelassenen Zuchteinrichtungen stammen. Dies sind Betriebewie das Institut für Versuchstierkunde, die den Richtlinien zur art- und tierschutzgerechten Haltung und Kontrolle von Versuchstieren gemäß dem Dtsch. TSchG, sowie der FELASA (Vereinigung der Europäischen Gesellschaften für Versuchstierkunde) und GV-Solas (Deutsche Gesellschaft für Versuchstierkunde) verpflichtet sind und darüber hinaus hygienische wie auch genetische Standardisierungen im Sinne der 3 R (Refine, Reduce, Replace) garantieren.

Eine zentrale Organisationseinheit, wie sie das Institut für Versuchstierkunde darstellt, führt zudem zu Synergien in der Nutzung von Versuchstieren, indem es als Informationsverteiler/-drehkreuz fungiert und damit wiederum die Zahl der für Versuche eingesetzten Tiere reduzieren kann (z.B. Vermittlung gentechnisch veränderter Nagerlinien, Vermittlung von Geweben und Organen von toten Tieren).

3R-Prinzip

Die rasante Verbesserung der medizinischen Grundversorgung der Menschen in den vergangenen Jahrzehnten durch die Aufklärung von Krankheitsursachen und die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden ist das Verdienst der intensiven Grundlagenforschung in den biomedizinischen Wissenschaften. Diese Erfolge gründen sich auch auf der Nutzung von tierexperimentellen Forschungen. Die meisten Menschen nutzen die Errungenschaften der modernen Medizin zur ihrem und dem Wohl ihrer Kinder. Trotzdem wird die Vertretbarkeit des Einsatzes von Tieren zu wissenschaftlichen Zwecken häufig kritisch betrachtet. Sehr wenige gesellschaftliche Themen werden in der Öffentlichkeit mit so großer emotionaler Intensität diskutiert, wie die Notwendigkeit und der Nutzen von Tierversuchen in der biomedizinischen Forschung.

Das Institut für Versuchstierkunde der Uniklinik RWTH Aachen ist sich dieser Diskussion und der damit verbundenen ethischen Verantwortung sehr wohl bewusst und möchte hier transparent über seine Bemühungen im Sinne des Tierschutzes informieren.

Die rechtliche Grundlage unseres Arbeitens bildet das Deutsche Tierschutzgesetz und die entsprechende Richtlinien der Europäischen Union (Richtlinie 2010/63/EU). Neben der konsequenten Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben mit dem Augenmerk auf dem schonenden Umgang mit dem Versuchstier ist unser Anspruch weitergehend.

Das Institut für Versuchstierkunde hat die Umsetzung des 3R-Prinzips zu einem Leitziel erklärt.

3R steht für Replacement (Vermeidung), Reduction (Verringerung) und Refinement (Verfeinerung). Das 3R-Prinzip von W. Russel und R. Burch („Principles of Humane Experimental Technique“, 1959) beschreibt das Bestreben eine Reduzierung von Tierexperimenten und eine Verringerung der Belastung der Tiere bei den Versuchen zu erreichen. Dieses Prinzip hat sich zu einer ethischen Verhaltensbasis im Zusammenhang mit Tierversuchen entwickelt.

Das Institut für Versuchstierkunde stellt sich der Verantwortung, welche aus dem 3R-Prinzip erwächst, und setzt, im Umgang mit den Tieren und durch diverse wissenschaftliche Projekte und Publikationen, dieses konsequent um.

Im Rahmen des Forschungsziels „Alternativmethoden zum Tierversuch“ wurde im BMBF-geförderten Projekt „emedia skills lab Versuchstierkunde“ ein interdisziplinäres mediengestütztes Ausbildungskonzept zur Aus-, Fort- und Weiterbildung in der Versuchstierkunde entwickelt (Kooperation mit Projektpartnern des Audiovisuellen Medienzentrums Aachen, vtk online des Fachbereichs Biologie und  der Tierphysiologie, Philipps-Universität Marburg). Durch multimediale, webbasierte, interdisziplinäre Kursmodule und alternative Übungsmodelle (z.B. Künstliches Kaninchenohr (SIKO) der Firma NPM) kann die Anzahl der Tiere in der Ausbildung von Tierpflegern und Wissenschaftlern reduziert werden.

Im Forschungsbereich der Organtransplantation wurde im Institut für Versuchstierkunde ein alternatives Versuchskonzept etabliert, welches die Nutzung von Ersatzorganen (z. B. Niere) von Schlachttieren ermöglicht  (Szyrach MN, Paschenda P, Afify M, Zeng J, Tolba RH. Resuscitation of warm ischaemia predamaged porcine kidneys by fibrinolytic preflush with streptokinase: reduction of animal experiments. Lab Anim. 2011 Apr; 45(2):63-9.).

In Kooperation mit dem Aachener Centrum für Technologietransfer in der Ophthalmologie (ACTO) wurde eine Ex-vivo-Ersatzmethode entwickelt, welche die übliche Tests und somit Tierversuche in der Pharmaforschung am Auge lebender Tiere ersetzen kann (Ex Vivo Eye Irritation Test (EVEIT)).

In dem BMBF-Verbundprojekt „Vermeidung von In-vivo-Lungenfunktionsmessungen in pharmakologischen und toxikologischen Untersuchungen“ wurden alternative Versuchskonzepte zur Vermeidung von Tierversuchen untersucht. Durch die Kultivierung von vitalen Lungenschnitten als In-vitro-Alternative für Tierversuche gelingt es noch nicht ganz Tierversuche zu vermeiden, wohl aber, sie deutlich zu reduzieren.

Ein weiteres Beispiel für die Vermeidung von Tierversuchen ist ein neues standardisiertes Testsystem in dem ein spezieller Laser standardisierte Wunden in einem 3D-Hautmodell erzeugt. Das Testsystem wurde  2015 mit dem Innovationspreis der Deutschen Dermatologischen Lasergesellschaft (DDL) ausgezeichnet.

Die Standardisierung von Experimenten durch statistische und methodische Optimierungen ist ein essentieller Beitrag zum 3R-Prinzip, da hierdurch die Tieranzahl pro Experiment gesenkt werden kann. Das Institut für Versuchstierkunde leistet dabei durch Publikationen einen wesentlichen Beitrag.

  • Review über orthotope Leber-Transpantations-Modelle (Czigány Z, Iwasaki J, Yagi S, Nagai K, Szijártó A, Uemoto S, Tolba RH. Improving Research Practice in Rat Orthotopic and Partial Orthotopic Liver Transplantation: A Review, Recommendation, and Publication Guide. Eur Surg Res. 2015;55(1-2):119-38).
  • Standarisierung im Tier-Modell (Huppertz N, Tolba R, Grosse J. Micturition in Göttingen minipigs: first reference in vivo data for urological research and review of literature. Lab Anim. 2015 Feb 6. pii: 0023677215570993.)
  • Sonderausgabe der Fachzeitschrift Laboratory Animal: Experimental Models of Liver Injury in Mice. April 2015; 49
  • Tolba RH, Riederer BM, and Weiskirchen R. Standard Operating Procedures in Experimental Liver Research: Time to achieve uniformity Lab Anim April 2015 49: 1-3.
  • Nevzorova YA, Tolba R, Trautwein C, Liedtke C. Partial hepatectomy in mice. Lab Anim. 2015 Apr;49(1 Suppl):81-8.
  • Liedtke C, Luedde T, Sauerbruch T, Scholten D, Streetz K, Tacke F, Tolba R, Trautwein C, Trebicka J, Weiskirchen R. Experimental liver fibrosis research: update on animal models, legal issues and translational aspects. Fibrogenesis Tissue Repair. 2013 Oct 1;6(1):19.

Veröffentlichung standardisierter Versuchsabläufe in visueller Form in der Fachzeitschrift Journal of Visualized Experiments (JoVE):

  • Heymann F, Niemietz PM, Peusquens J, Ergen C, Kohlhepp M, Mossanen JC, Schneider C, Vogt M, Tolba RH, Trautwein C, Martin C, Tacke F. Long term intravital multiphoton microscopy imaging of immune cells in healthy and diseased liver using CXCR6.Gfp reporter mice. J Vis Exp. 2015 Mar 24;(97).
  • Tag CG, Sauer-Lehnen S, Weiskirchen S, Borkham-Kamphorst E, Tolba RH, Tacke F, Weiskirchen R. Bile duct ligation in mice: induction of inflammatory liver injury and fibrosis by obstructive cholestasis. J Vis Exp. 2015 Feb 10;(96).
  • Nagai K, Yagi S, Uemoto S, Tolba RH. Surgical procedures for a rat model of partial orthotopic liver transplantation with hepatic arterial reconstruction. J Vis Exp. 2013 Mar 7;(73):e4376.

Durch die Beteiligung an offenen Diskussionen über ethische Grundlagen der Versuchstierkunde versuchen wir die Transparenz und Akzeptanz in diesem Forschungsbereich zu verbessern und die Basis für weitere Diskussionen zu schaffen.

  • Gross D, Tolba RH. Ethics in Animal-Based Research. Eur Surg Res. 2015;55(1-2):43-57.

Service

Das Institut für Versuchstierkunde als zentraler Dienstleister für die tierexperimentelle Forschung an der Medizinischen Fakultät und der RWTH Aachen bietet im einzelnen folgende Dienstleistungen an:

  • Tierschutzrechtliche Beratung durch die Tierschutzbeauftragten
  • Haltung, Pflege und Zucht von Versuchstieren
  • Tierbestellungen und Tierimport
  • Gesundheitskontrollen der Tiere (Eingangsuntersuchungen/Hygienemonitoring)
  • Erstellung von Gesundheitszeugnissen
  • Datenbank-basierte Tierverwaltung (Tierbase)
  • Erstellung und Archivierung von gentechnisch veränderten Nagern (Transgener Service)
  • Veranstaltungen/Kurse (Theoretische und Praktische Grundlagen tierexp. Arbeitens)
  • Tierschutzrechtliche Dienstleistungen (Versuchstiermeldeverordnung)
  • Bereitstellung und Vermittlung von Literatur und elektronischen Ressourcen zu Anatomie, Physiologie und Genetik von Versuchstieren, Versuchstierkunde, Alternativmethoden, Gesetzen und Verordnungen auf dem Gebiet von Tierversuchen und Tierschutz
  • Fachtierärztliche Betreuung von Experimenten (Planung, Durchführung, Analgesie, Narkose)
  • Vermittlung von Kooperationen und biol. Ressourcen (Tiere, Organe und Gewebe)

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