Lebertransplantation / Organspende

Spezialzentrum für Lebertransplantation

In enger Zusammenarbeit mit der Klinik für Gastroenterologie, Stoffwechselerkrankungen und Internistische Intensivmedizin (Med. Klinik III) wurde im Juni 2010 an der Uniklinik RWTH Aachen ein Zentrum für Lebertransplantation eröffnet. Inzwischen konnte schon über 400 Patienten mit einer Spenderleber das Leben gerettet werden (Stand: Februar 2020).

Vom Experiment zur etablierten Operation

Im Jahr 1963 wurde in den USA erstmals erfolgreich eine Lebertransplantation am Menschen durchgeführt. In Deutschland gelang dies 1973. Dank immenser Fortschritte der chirurgischen Technik, Immunsuppression, Organkonservierung, Infektionstherapie, Diagnostik und Intensivmedizin ist die Lebertransplantation heute eine etablierte Therapie bei fortgeschrittenen Lebererkrankungen.

Aktuell werden in Deutschland an spezialisierten Kliniken jährlich fast 900 Lebertransplantationen durchgeführt. Etwa 2.200 Patienten stehen auf der Warteliste. Die Erfolge sind bemerkenswert. Abhängig von der Indikation werden Patienten- und Transplantatüberlebensraten von 90 Prozent nach einem Jahr und von 80 Prozent nach fünf Jahren erreicht. Die bis Mitte der 1990er Jahre gefürchtete akute Abstoßungsreaktion ist seit Einführung der immunsuppressiven Therapie mit Medikamenten wie Cyclosporin A und Tacrolimus in den meisten Fällen gut beherrschbar. Die Patienten können nach einer erfolgreichen Lebertransplantation wieder ein weitgehend uneingeschränktes, normales Leben führen. Die Probleme der Lebertransplantation verschieben sich zunehmend auf die Langzeitnebenwirkungen der Medikamente und auf den immer eklatanter werdenden Organmangel.

Wann ist eine Transplantation erforderlich?

Die häufigsten Erkrankungen, bei denen eine Lebertransplantation angezeigt ist, sind die alkoholtoxische Leberzirrhose, das hepatozelluläre Karzinom und die chronische Virushepatitis C. Seltener machen cholestatische Lebererkrankungen wie die primär sklerosierende Cholangitis (PSC), die primär biliäre Zirrhose (PBC), die Autoimmunhepatitis (AIH) oder die Gallengangsatresie sowie Stoffwechselerkrankungen wie Morbus Wilson, Alpha-1 Antitrypsin Mangel, Hämochromatose oder auch akutes Leberversagen mit unterschiedlicher Genese eine Transplantation erforderlich. Für das hepatozelluläre Karzinom in Zirrhose ist eine Lebertransplantation die einzige kurative Therapie, die auf lange Sicht gute Erfolge erzielt. Sind die konservativen Therapien ausgereizt und die Lebererkrankung befindet sich im Endstadium, ist die Lebertransplantation prinzipiell die beste Lösung.

Operationsrisiken im Voraus erkennen

Vor der Transplantation durchläuft jeder Patient ein umfangreiches Evaluationsprogramm, durch das wir versuchen, möglichst alle Kontraindikationen aufzudecken und damit das Operationsrisiko so niedrig wie möglich zu halten. Diese Untersuchungen dienen darüber hinaus der genauen operativ-technischen Planung der Transplantation. Meist reicht ein fünftägiger stationärer Aufenthalt in der Uniklinik aus, um alle hierzu notwendigen Untersuchungen durchzuführen.

Warten auf ein Spenderorgan

Alle Organe werden zentral über Eurotransplant in den Niederlanden nach einem einheitlichen Wartezeit- und Punktesystem verteilt. Je nach Gesundheitszustand kommt es vor, dass Patienten bis zu einem Jahr auf ein geeignetes Spenderorgan warten. Die Vergabe der Spenderlebern folgt hierbei nach dem sogenannten MELD-Score (labMELD-Score Rechner), wobei es bei einigen Patienten, die durch den labMELD-Score nicht gerecht in der Vergabe der Organe abgebildet werden würden (wie zum Beispiel Patienten mit immer wiederkehrenden Gallengangsinfektionen bei Autoimmunkrankheit (PSC)), auch extra-Punkte für Wartezeit gibt (sogenannte matchMELD-Score).

Im Falle des akuten Leberversagens bei Patienten, deren Leber zuvor gesund war, gibt es die Möglichkeit, sehr schnell ein Organ zugeteilt zu bekommen. In der Regel erhalten diese schwer kranken Patienten, nach Prüfung eines Sonderantrages bei Eurotransplant (HU- (=high urgency) Antrag) innerhalb von 24 bis 72 Stunden ein passendes Spenderorgan.

Aufgrund des Organmangels ist in ausgewählten Fällen eine Leberlebendspende eines Angehörigen eine mögliche Alternative. Hierbei wird einem gesunden Erwachsenen der rechte Teil seiner Leber entnommen und dem Kranken verpflanzt. Bei Kindern oder kleineren Empfängern können auch der linke Leberlappen oder die links lateralen Lebersegmente (Seg. II/III) zur Transplantation ausreichend sein.

Die Wartezeit auf eine Lebertransplantation lag bei unseren Patienten im Mittel bei 180 Tagen, sofern ein Organ nach matchMELD vergeben wurde. Bei der Vergabe nach dem labMELD warteten unsre Patienten im Mittel 110 Tage, wobei Patienten mit einem labMELD <20 170 Tage und Patienten mit labMELD >20 nur etwa 30 Tage warten mussten.

Die Operation

Die Lebertransplantation findet fast ausschließlich orthotop statt, das heißt, die neue Leber wird an jene Stelle transplantiert, an der zuvor die eigene Leber lag. Nach dem Öffnen der Bauchhöhle wird das erkrankte Organ entnommen. Die Spenderleber wird an die Körperhohlvene, die Pfortader und die Leberarterie angenäht. Sobald das Blut wieder durch die Gefäße fließt, nimmt das gesunde Organ seine Funktion wieder auf. Ein Nachweis hierfür ist die prompte Produktion von Galle. Zuletzt wird der Gallengang an den Empfängergang angeschlossen und die Bauchhöhle wieder vernäht. Ab diesem Moment muss die immunsuppressive Therapie beginnen.

Komplikationen

Nicht jede Transplantation verläuft problemlos. Auch wenn sie inzwischen an vielen Kliniken routinemäßig durchgeführt wird, ist sie eine aufwendige und umfangreiche Operation. Dementsprechend können Komplikationen eintreten, die in seltenen Fällen sogar mit dem Tode des Patienten enden. Neben den allgemeinen Komplikationen jeder großen Operation – Blutung, Nachblutung, Thrombose, Embolie oder Infektion – gibt es spezifische Komplikationen der Lebertransplantation. So kommt es sehr selten vor, dass das Transplantat im Anschluss an die Operation seine Funktion nicht aufnimmt oder vom Körper abgestoßen wird. Später kann es zu Nebenwirkungen der Medikamente oder einer Rückkehr der Grunderkrankung kommen.

Nach der Operation

Nach erfolgreicher Transplantation bleiben die Patienten etwa drei Wochen in unserer Klinik. In dieser Zeit wird die Transplantatfunktion überwacht und die immunsuppressive Therapie individuell eingestellt. Sowohl Abstoßungen als auch Infektionen können wir heute gut behandeln. Es sind eher die Langzeitnebenwirkungen der Medikamente wie Niereninsuffizienz oder Diabetes mellitus bzw. darunter entstehende Infektionen oder das Wiederauftreten der Grunderkrankung, auf die sich die Transplantationsnachsorge hauptsächlich konzentriert. Alle Patienten bleiben lebenslang an unser Transplantationszentrum angeschlossen. In enger Zusammenarbeit mit niedergelassenen Kollegen stellen wir eine lückenlose Nachbetreuung sicher. Fast alle Patienten sind nach der Transplantation wieder voll belastbar und können ein normales Leben führen. Hierbei arbeiten wir Hand in Hand mit der Klinik für Gastroenterologie, Stoffwechselerkrankungen und Internistische Intensivmedizin (Med. Klinik III) zusammen. Aufgrund der mittlerweile jahrelangen guten Zusammenarbeit sind die Wege kurz und der interdisziplinäre persönliche Austausch Teil des normalen Tagesgeschäfts.

Wenn Sie Fragen zur Lebertransplantation haben, können Sie sich gerne bei uns beraten lassen. Über unsere Chirurgische Poliklinik (Tel.: 0241 80-89332) bzw. unsere Transplantationsambulanz können Sie entsprechend Termine vereinbaren.

Sprechstunde

Freitags von 13:00 – 16:00 Uhr

Ansprechpartner

Chirurgische Leitung des Lebertransplantationsprogramms:
Prof. Dr. med. Sven A. Lang
Dr. med. Andreas Kroh

Weitere lebertransplantierende Chirurgen:
Priv.-Doz. Dr. med. Florian Ulmer (Stellvertretender Klinikdirektor)