Chirurgie der Bauchspeicheldrüse

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist ein Drüsenorgan im Oberbauch. Sie bildet die Verdauungsenzyme, die nötig sind, um die Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette der Nahrung im Darm in ihre Grundbestandteile aufzuspalten. Erst in dieser Form kann die Nahrung über die Darmschleimhaut aufgenommen werden. Diese Enzyme werden in den Zwölffingerdarm abgegeben. Außerdem werden in der Bauchspeicheldrüse Hormone gebildet, die direkt an das Blut überführt werden und vor allem für die Regulation des Blutzuckerspiegels und für Verdauungsprozesse verantwortlich sind. Die Chirurgie der Bauchspeicheldrüse umfasst die operative Behandlung gutartiger wie bösartiger Veränderungen.

Gutartige Pankreaserkrankungen und ihre Behandlung

Unter den gutartigen Pankreaserkrankungen ist die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) der häufigste Grund für eine Operation. Die meist durch Alkohol, Medikamente oder andere Erkrankungen ausgelöste Entzündung der Pankreas verläuft oft schubweise oder verschlechtert sich kontinuierlich. Neben den selteneren Eingriffen bei einer akuten Pankreatitis ist vor allem bei Pseudozysten und chronischen Schmerzen häufig eine Operation erforderlich.

Bösartige Pankreaserkrankungen und Ihre Behandlung

Bei bösartigen Erkrankungen wie dem Pankreaskarzinom ist die langfristige Heilung nur durch eine komplette chirurgische Entfernung des tumortragenden Organanteils möglich. Auch bei feingeweblich ungeklärten, neu aufgetretenen Raumforderungen in der Bauchspeicheldrüse führt an der direkten Untersuchung des chirurgisch freigelegten Organs (Exploration) und der primären Entfernung oft kein Weg vorbei. Erst danach kann festgestellt werden, ob eine bösartige Veränderung vorliegt.

Sehr häufig liegen Tumore im Kopfbereich der Bauchspeicheldrüse. Dann werden neben dem Pankreaskopf auch der Zwölffingerdarm, eventuell der untere Teil des Magens sowie die Gallenblase entfernt. Die restliche Bauchspeicheldrüse wird mit dem Magen oder, wie auch die Gallenwege, mit dem Dünndarm verbunden. Dadurch kann der Patient nach der Operation wieder normale Nahrung zu sich nehmen. Liegt der Tumor im Korpus- oder Schwanzbereich der Bauchspeicheldrüse, können wir diesen inklusive der Milz separat entfernen. In der Regel muss der Patient bei einem solchen Eingriff mit einem stationären Aufenthalt von zwei Wochen rechnen. Seine Lebensgewohnheiten sind ist nach dieser Art Operation prinzipiell aber nicht eingeschränkt.

Mehr Erfolg durch interdisziplinäre Zusammenarbeit

Bislang war beim Befall größerer Blutgefäße die komplette chirurgische Entfernung eines Tumors ausgeschlossen. Heute gelingt es unter partieller Gefäßresektion häufig selbst in diesen Fällen, den Tumor vollständig zu entfernen. Wir arbeiten hier eng mit den Kollegen der Klinik für Radiologie zusammen. So ist es uns möglich, die vom Tumor befallenden Gefäße noch vor der eigentlichen Operation zu verschließen. Eine weitere Verbesserung der Prognose wird aktuell mit neuen adjuvanten Chemotherapien in großen Studien überprüft, an denen auch die Chirurgische Klinik teilnimmt.

Chirurgie als palliative Behandlung

In manchen Situationen, beispielsweise beim metastasierten Pankreaskarzinom, können wir nicht mehr kurativ operieren. Die Erkrankung ist nicht mehr heilbar. Dennoch hat auch dann ein chirurgischer Eingriff, zum Beispiel die operative Verbindung von Magen und Dünndarm (Gastroenterostomie) bei einer Verengung des Magenausgangs, einen hohen Stellenwert. Diese Operation kann helfen, Symptome wie Schmerzen zu mildern und die Lebensqualität des Patienten deutlich zu verbessern.