Der Einfluss von Lärm auf den Patienten auf Intensivstationen - Evaluation von Methoden zur aktiven Lärmreduktion

Intensivstationen zeichnen sich durch einen hohen Einsatz an technischem Equipment und häufigen pflegerischen sowie ärztlichen Maßnahmen aus. Dadurch kommt es nicht nur bei den jeweilig betroffenen Patienten, sondern vor allem auch bei den unmittelbar benachbarten zu einer erheblichen Störung durch Lärm und Licht. Aus Studien ist bekannt, dass Schlafstörungen einerseits zur Chronifizierung neigen und andererseits kardiopulmonale Komplikationen begünstigt werden können. Der Einfluss von Lärm auf den subjektiv bewerteten Schlaf ist hinreichend belegt; sein Einflusses auf objektiv messbare Stressparameter wie Herzfrequenzvariabilität, Blutdruck, Herzfunktion (cardiac output), Cortisol- und α-Amylase-Spiegel in Korrelation zur Befragung des Patienten konnte bisher nicht gezeigt werden. Dieses Projekt verfolgt im Wesentlichen drei Ziele.

Ziele

Zunächst soll die aktuelle Situation auf den Intensiv- und Monitoringstationen unserer Klinik untersucht werden; in Langzeitmessungen werden örtliche und zeitliche Lärmprofile erstellt, es schließt sich eine genaue psychoakustische Analyse an. Bereits während dieser ersten Phase ist neben der Aufnahme der Geräusche auch eine Erhebung der genannten Stressparameter geplant. Ziel dieser Phase ist die Erforschung möglicher Einflüsse von Lärm auf objektiv messbare Stressparameter, sowie ihre Korrelation mit den Ergebnissen aus etablierten Fragebögen. Durch die Berechnung diverser psychoakustischer Größen erwarten wir eine wesentlich höhere Korrelation mit messbaren Stresssymptomen als unter alleiniger Auswertung des Schallpegels. Nach der Erhebung des Ist-Zustandes auf den Operativen Intensivstationen (OIM) erfolgt in der zweiten Phase die Testung verschiedener Systeme zur passiven und aktiven Lärmreduktion. Dabei handelt es um teilweise bereits kommerziell erhältliche Produkte, die adaptiert, weiterentwickelt und auf klinische Praktikabilität geprüft werden müssen. Messparameter zur Prüfung ihrer klinischen Tauglichkeit sind die genannten physiologischen und biochemischen Parameter, sowie die Fragebögen STAI (State Trait Anxiety Inventar) und HADS (Hospital Anxiety and Depression Scale).

Kooperationspartner der Arbeitsgruppe

  • Institut für Technische Akustik der RWTH Aachen (ITA; Direktor: Univ.- Prof. Dr. rer. nat. Michael Vorländer)

Forschungsteam

Förderung

  • April 2010 bis März 2011 (Pathfinder, Exploratory Research Space, RWTH-Exzellenzinitiative)

Veröffentlichungen

  1. Kaliciak K, Czaplik M, Follmann A, Kirfel S, Scharrer R, Vorländer M, Rossaint R. Psychoakustische Analyse des Lärms auf der Intensivstation. Deutscher Anästhesiekongress (DAC) 2011, Hamburg
  2. Guski M, Scharrer R, Czaplik M, Rossaint R, Vorländer M. Lärmmessungen auf der Intensivstation. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Akustik 2011, Düsseldorf. Vortrag + Abstrakt.
  3. Kirfel S, Follmann A, Kaliciak J, Rossaint R, Czaplik M. Noise reduction on intensive care units. European Society of Intensive Care Medicine, ESICM Lives, Lisbon, 13.-17.10.2012
  4. Follmann A, Kirfel S, Kaliciak J, Rossaint R, Czaplik M. Klinische Evaluation einer Lärmreduktion auf der Intensivstation. Hauptstadtkongress für Anästhesiologie und Intensivtherapie, 13.-15. September, 2012, Berlin.

Sektionsleiter Anästhesiologische Medizintechnik und Informationstechnologie