Unerfüllter Kinderwunsch

Viele Paare in Deutschland bleiben ungewollt kinderlos. Die Häufigkeit wird zwischen sieben und neun Prozent angegeben, mit steigender Tendenz.

Die Gründe, warum es mit der Erfüllung des Kinderwunsches nicht funktioniert, können sehr vielfältig sein. Ein wichtiger Grund ist sicherlich der gesellschaftliche Wandel der letzten Jahrzehnte. Wir wissen, dass mit dem 30. Lebensjahr die Fruchtbarkeit der Frau bereits langsam abnimmt.

Unfruchtbarkeit ist jedoch nicht alleine eine Frauensache. Statistisch gesehen verteilen sich Fruchtbarkeitsstörungen zu etwa 40 Prozent auf die Frau, zu 40 Prozent auf den Mann und bei 20 Prozent der Paare werden sowohl bei der Frau als auch beim Mann Störungen gefunden. Aber nicht immer lässt sich die Ursache für eine Kinderlosigkeit herausfinden.

Diagnostik

  • Hormonanalyse und Hormontests
  • Zyklusmonitoring
  • Prüfung der Eileiter per Ultraschalluntersuchung oder OP (Echovist [Info], Chromoperturbation)
  • Spezielle Ultraschalldiagnostik (z.B. antraler Follikelcount, Fehlbildungen, Hydrosonografie)
  • Hysteroskopie (Gebärmutterspiegelung)
  • Laparoskopie (Bauchspiegelung)
  • Detaillierte und differenzierte Spermadiagnostik

Therapie

Verkehr zum Optimum

Bei dieser Behandlung wird die Follikelreifung mittels Ultraschalluntersuchungen überwacht. Parallel zur Ultraschalluntersuchung werden die Hormone Östradiol und LH im Blut untersucht. Erreicht der Follikel eine optimale Größe bei entsprechenden Hormonwerten, wird der Eisprung mittels einer Hormongabe ausgelöst. Am Tag der Auslösung und am Tag danach ist der beste Zeitpunkt für den Verkehr.

Stimulation der Ovarien mit Medikamenten

Liegt eine Follikelreifungsstörung vor, kann das Wachstum der Follikel mittels Medikamente angeregt werden.

Intrauterine Insemination (IUI)

Die intrauterine Insemination (IUI) wird bei reduzierter Spermaqualität und Störungen im Bereich der Zervix durchgeführt. Als Voraussetzung für die Durchführung der IUI muss zumindest ein Eileiter intakt sein.

Bei einer IUI wird der Zyklus der Patientin überwacht, gegebenenfalls erfolgt eine Stimulation der Ovarien. Wenn ein Follikel reif ist (Ultraschalluntersuchung und Bestimmung der Hormonwerte im Blut), kann die Ovulation ausgelöst werden, der Termin für die Insemination wird mit der Patientin abgesprochen. Am Morgen des nächsten oder übernächsten Tages gibt der Partner seine Spermaprobe ab. Das Sperma wird nach Standardmethoden aufbereitet, dabei werden gut bewegliche Spermien angereichert. Anschließend wird die aufbereitete Spermaprobe mit Hilfe eines Katheters direkt in die Gebärmutter übertragen.

In vitro-Fertilisation (IVF)

Die In vitro-Fertilisation (IVF) wird durchgeführt bei verschlossenen, nicht funktionsfähigen oder fehlenden Eileitern, Endometriose, eingeschränkter Spermienqualität, bei Versagen anderer Methoden und idiopathischer Sterilität. Die IVF ist die klassische Form der Befruchtung von Eizellen außerhalb des Körpers.

Zur Vorbereitung der IVF-Behandlung erfolgt meistens eine Vorbehandlung der Patientin zur „Downregulation“ der eigenen Hormonproduktion. Nach der nächsten Blutung erfolgt eine kontrollierte hormonelle Ovarstimulation, bei mehrere Follikel gebildet werden. Die Stimulation dauert zwischen 12 und 15 Tagen und wird mittels Ultraschall und Blutanalysen überwacht. Wenn die Follikel reif sind, wird die Ovulation ausgelöst. Die ultraschallkontrollierte Follikelpunktion erfolgt ca. 36 Stunden nach Auslösen und wird meistens in Allgemeinnarkose unter Ultraschallsicht von der Scheide aus durchgeführt. Die Punktion erfolgt ambulant und dauert nur wenige Minuten. Aus der Follikelflüssigkeit werden die Eizellen isoliert.

Eizellen und Spermien werden in einem Kulturgefäß zusammengebracht und im Brutschrank kultiviert.

Am Morgen des folgenden Tages wird unter dem Mikroskop untersucht, ob es zu einer Befruchtung der Eizellen gekommen ist. Von den befruchteten Eizellen dürfen maximal drei bis zum Embryotransfer kultiviert werden, „überzählige“ befruchtete Eizellen dürfen eingefroren (kryokonserviert oder vitrifiziert) werden. Nach zwei bis drei Tagen Kultivierung im Brutschrank werden die Embryonen mittels eines dünnen Katheters in die Gebärmutter der Patientin übertragen (Embryotransfer). Die Patientin bekommt ein weiteres Hormonpräparat, das die Einnistung des Embryos in die Gebärmutterschleimhaut unterstützt.

Frühestens 11 Tage nach dem Embryotransfer wird anhand des ß-hCG-Wertes im Blut geprüft, ob eine Schwangerschaft eingetreten ist.

ICSI (Mikroinjektion)

Die Mikroinjektion (intracytoplasmatische Spermieninjektion, „ICSI“) wird bei deutlich reduzierter Spermienqualität (Anzahl, Beweglichkeit oder Morphologie eingeschränkt) oder nach einer IVF-Behandlung ohne Befruchtung durchgeführt. Die ICSI ist eine Weiterentwicklung der IVF, sie unterscheidet sich von der „konventionellen“ IVF dadurch, dass mithilfe eines speziellen Mikroskops und spezieller Arbeitsmittel jeweils ein Spermium in eine Eizelle injiziert wird. Die übrigen Schritte der ICSI-Behandlung, beispielsweise die hormonelle Ovarstimulation oder die Follikelpunktion, sind dieselben wie bei der konventionellen IVF.

Bei besonderen Fragestellungen können Spermien mittels „MACS ART Annexin V“ (Trennung im Magnetfeld) isoliert werden. Mit dieser Methode werden noch nicht sichtbar geschädigte, aber bereits absterbende Spermien entfernt.

TESE/ICSI

Wenn im Ejakulat des Mannes keine Spermien (Azoospermie) vorhanden sind, kann versucht werden, durch eine Hodenbiopsie (testikuläre Spermienextraktion, „TESE“) Spermien zu gewinnen. In diesem Fall ist die Kombination mit der Mikroinjektion (ICSI) erforderlich, um eine Befruchtung von Eizellen zu erzielen. Die Hodenbiopsie wird von Urologen der Klinik für Urologie der Uniklinik RWTH Aachen in einer ambulanten Operation durchgeführt. Das Gewebe wird im Andrologielabor der Klinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin untersucht. Wenn Spermien nachweisbar sind, wird das Gewebe kryokonserviert und steht für die spätere ICSI-Behandlungen zur Verfügung.

Kryo-Transferzyklen

Bei einer IVF- oder ICSI-Behandlung werden häufig mehr Eizellen befruchtet, als für den Embryotransfer benötigt werden. Die „überzähligen“ befruchteten Eizellen können in einem komplizierten, ca. 100 min dauernden Verfahren kryokonserviert (tiefgefroren) und in flüssigem Stickstoff gelagert werden. Die Vitrifikation ist eine neue Methode zum Einfrieren und Lagern in flüssigem Stickstoff.

In „Kryo-Transferzyklen“ können befruchtete Eizellen im Spontanzyklus oder nach hormoneller Vorbereitung des Endometriums wieder verwendet werden. Eine erneute Stimulation und Follikelpunktion sind nicht notwendig. Der Transfer der aufgetauten Eizellen und der sich daraus entwickelnden Embryonen erfolgt wie ein Transfer nach Follikelpunktion.

Test zur endometrialen Rezeptivität bei Kinderwunsch

Die Einnistung eines Embryos in die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) ist der Beginn einer Schwangerschaft. Das Endometrium nimmt den frühen Embryo auf. Dieser Einnistungsvorgang erfolgt, wenn der Embryo geeignet und das Endometrium zur Aufnahme bereit (rezeptiv) ist. Die endometriale Rezeptivität wird in unserer Klinik als Teil der Diagnostik bei Kinderwunsch und Infertilität untersucht. Mit den Testergebnissen können wir bei Ihnen eine befundbasierte Anpassung der Kinderwunschbehandlung und Verbesserung der Schwangerschaftsrate erzielen.

Kryokonservierung von Spermien aus dem Ejakulat

Spermien aus dem Ejakulat werden in der aktuellen Kinderwunschbehandlung (ICSI) kryokonserviert, wenn im Ejakulat des Mannes nicht bei jeder Abgabe Spermien erwartet werden oder wenn die Spermien bei geringen Konzentrationen über mehrere Abgaben „gesammelt“ werden sollen. Spermien von Patienten mit aktuellem Kinderwunsch werden im Andrologielabor der Frauenklinik gelagert. Kryokonservierte Spermien werden am Tag der ICSI aufgetaut, für die ICSI werden bewegliche Spermien isoliert. Soweit bekannt, beeinträchtigt die Langzeitlagerung im flüssigen Stickstoff die Funktionsfähigkeit der Spermien nicht.

Kosten der Kinderwunschbehandlung

Die vom Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen beschlossenen Richtlinien bestimmen die medizinischen Einzelheiten zu Voraussetzungen, Art und Umfang der den gesetzlichen Erfordernissen des § 27a Abs. 1 SGB V entsprechenden ärztlichen Maßnamen zur Herbeiführung einer Schwangerschaft durch die künstliche Befruchtung. Eine Kostenübernahme seitens der Krankenkassen erfolgt nur, wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind. Für eine Kostenübernahme ist vorab eine schriftliche Kostenübernahmeerklärung (sog. Behandlungsplan) bei der Krankenkasse einzureichen. Im Anschluss daran kann die gesetzliche Krankenversicherung 50 Prozent der Behandlungs- und Medikamentenkosten für drei IVF/ICSI-Zyklen übernehmen. Eine Ausnahmeregelung für darüber hinausgehende Zyklen gibt es nicht.

Privat versicherte Paare haben Anspruch auf Kostenerstattung für drei bis vier Behandlungszyklen. Hierbei unterscheiden die meisten Versicherer nach einem sogenannten „Verursacherprinzip“; das heißt, dass der Kostenträger desjenigen Partners zuständig ist, bei dem die Ursache für die Kinderlosigkeit liegt.

Die möglichen Kosten im Einzelfall werden im Rahmen eines Beratungsgespräches ermittelt.

Der im Behandlungsplan errechnete Eigenanteil muss von den Paaren vor Beginn der Behandlung in der Hauskasse des Klinikums gegen Quittung eingezahlt werden. Nach Durchführung der Behandlung wird vom Geschäftsbereich Patientenmanagement der Uniklinik RWTH Aachen – Bereich Ambulante Abrechnung eine dezidierte Abrechnung erstellt. Es besteht die Möglichkeit, die Behandlungskosten eventuell später steuerlich geltend zu machen, wobei dies mit dem zuständigen Finanzamt bzw. Steuerberater möglichst schon vorab zu klären ist.

Neu ab dem 30. August 2019 ist eine finanzielle Entlastung für Paare bei den Behandlungskosten durch das Land NRW. Informationen finden Sie hier.