Implantation eines Zungenschrittmachers

Atemaussetzer und -störungen können sich negativ auf das gesamte Herz- und Kreislaufsystem auswirken. Bei einer mittel- bis schwergradigen obstruktiven Schlafapnoe behandelt man normalerweise mittels CPAP-Therapie (CPAP=continuous positive airway pressure), doch nicht alle Patientinnen und Patienten kommen mit der Atemmaske zurecht. Ein Zungenschrittmacher kann hier eine Alternative darstellen: Er verhindert ein Zurückfallen der Zunge und infolgedessen die Atemaussetzer im Schlaf.

Schlafapnoe bezeichnet eine Atmungsstörung, die während des Schlafes auftritt. Es existieren zwei Formen: Die häufigste Form ist die obstruktive Schlafapnoe. Während des Schlafes erschlafft die Zungenmuskulatur sowie das umliegende Gewebe. Das Zurückfallen der Zunge bewirkt einen Verschluss der oberen Atemwege und infolgedessen setzt die Atmung für einen längeren Zeitraum aus. Es kann, aufgrund des Sauerstoffmangels, zu häufigem nächtlichen Aufwachen führen.

Bei der zentralen Schlafapnoe führt eine Störung im zentralen Nervensystem dazu, dass die Atemmuskulatur der Brust und des Zwerchfells nicht richtig arbeiten kann. Ursachen können beispielsweise ein Schlaganfall oder eine Herzschwäche sein. Um die Schlafapnoe zu verbessern, muss die Grunderkrankung behandelt werden.

Mischformen aus obstruktiver und zentraler Schlafapnoe kommen sehr selten vor.

Die Standardbehandlung erfolgt mittels CPAP-Therapie (CPAP=continuous positive airway pressure), das heißt die Patienten müssen nachts eine eng sitzende Atemmaske tragen. Diese erzeugt einen dauerhaften Überdruck im Rachen, um Atemaussetzer zu vermeiden. Häufig klagen die Anwendenden über Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Mundtrockenheit. Da die Maske häufig als irritierend oder unangenehm empfunden wird, tragen viele Patienten die Maske nicht konsequent, was den Therapieerfolg deutlich reduziert. Da etwa 40 Prozent der Patienten die Therapie nicht vertragen, braucht es Alternativen.

Bei einer leichten bis schweren obstruktiven Schlafapnoe kann eine Änderung des Lebensstils hilfreich sein. Wenn Betroffene Gewicht verlieren, sich sportlich betätigen und/oder ihre Schlafposition ändern, können die Beschwerden abklingen. Auch das Tragen einer Zahnschiene, wie beispielsweise einer Unterkiefer-Protrusionsschiene, kann hilfreich sein, da diese dafür sorgt, dass der Unterkiefer vorverlagert wird und die Atemwege frei gehalten werden. In seltenen Fällen kann auch eine Operation helfen.

Ein Zungenschrittmacher, den man auch Zungennervstimulator oder Hypoglossusstimulator nennt, besteht aus einem Schrittmacher, der auf Höhe der Brust eingesetzt wird. Er wird über eine kleine Fernbedienung gesteuert. Er setzt sich aus drei Komponenten zusammen, dazu zählen ein Generator, ein Atemsensor und eine Stimulationselektrode. Der Patient oder die Patientin kann den Zungenschrittmacher selbstständig abends vor dem Zubettgehen einschalten und am Morgen nach dem Erwachen abschalten.

Ein Zungenschrittmacher ist für Patientinnen und Patienten geeignet, bei denen weder die CPAP-Überdruckmaske noch andere alternative Therapien möglich oder erfolgreich waren.  Es muss sich um eine mittlere bis schwere Schlafapnoe handeln.

Der Zungenschrittmacher ist nicht für Personen geeignet, die stark übergewichtig sind und einen BMI über 35 haben. Er darf ebenfalls nicht eingesetzt werden bei Personen, die unter schweren neuromuskulären Erkrankungen oder anderen Schlaferkrankungen, wie beispielsweise Narkolepsie, leiden.

Der Zungenschrittmacher misst Ihr Atemmuster im Schlaf. Auf der Grundlage des individuellen Atemrhythmus stimuliert das System mittels eines leichten Stromimpuls bestimmte Muskeln in der Zunge und im Rachen, beispielsweise den Zungennerv (Nervus hypoglossus). Die Zunge bewegt sich somit beim Einatmen etwas nach vorne und macht dort Platz, wo die Atemwege sich sonst verengen. Somit kann der oder die Schlafende ungehindert atmen und es kommt nicht mehr zu Atemaussetzern. Das System wird so eingestellt, dass die Patienten und Patientinnen den Zungenschrittmacher nicht während des Schlafes bemerken.

 

Der Zungenschrittmacher wurde zur Behandlung von Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe, bei der Schnarchen ein häufiges Symptom ist, entwickelt. Es zeigt sich eine deutliche Reduktion des nächtlichen Schnarchens. Rund 90 Prozent der Bettpartner berichten, dass die Partnerinnen und Partner durch den Zungenschrittmacher gar nicht mehr oder nur leicht schnarchen.

Den Behandlungsablauf kann man in vier Phasen einteilen:

  1. Zunächst ist es wichtig, eine Voruntersuchung vornehmen zu lassen. Der Arzt oder die Ärztin überprüft die Eignung des Patienten oder der Patientin für einen Zungenschrittmacher. In Abhängigkeit von bereits durchgeführten Voruntersuchungen kann eine erneute Schlafmessung im Schlaflabor sowie eine Schlafendoskopie notwendig sein.
     
  2. Sollten die Untersuchungen erfolgreich sein, so erfolgt in der zweiten Phase die Implantation. Der Zungenschrittmacher wird während eines kurzen stationären Aufenthalts von ungefähr fünf Tagen eingesetzt. Der Eingrifft erfolgt unter Vollnarkose. Es handelt sich um einen minimal-invasiven Eingriff. Das bedeutet, dass drei kleine Schnitte an Hals und Brustkorb vorgenommen werden. Der Zungenschrittmacher kann nach etwa vier Wochen benutzt werden, da er erst dann vollständig eingeheilt ist.
     
  3. Im dritten Schritt, der Aktivierung, erfolgt die individuelle Therapieanpassung. Der Patient oder die Patientin kann den Zungenschrittmacher über eine Fernbedienung selbstständig ein- und ausschalten sowie die Stimulation anpassen. Nach etwa vier Wochen wird das Gerät bei Bedarf unter ärztlicher Aufsicht nachjustiert.
     
  4. Die vierte Phase, die Nachsorge, erfolgt einmal jährlich bei dem behandelnden Schlafmediziner und HNO-Arzt. Bei der Kontrolle werden Batteriestatus und die Therapie, falls notwendig, angepasst.

In der Uniklinik RWTH Aachen kommt der Zungenschrittmacher der Firma Inspire zum Einsatz.

Weitere Informationen finden Sie in diesem Youtube-Video der Firma Inspire.

Die Abheilungsphase beträgt etwa einen Monat. Anschließend können Sie uneingeschränkt Ihren alltäglichen Aktivitäten nachgehen. Sie sollten sich aber einschränken bei Tätigkeiten, die extreme und abrupte Bewegungen der Arme beinhalten. Gefährlich werden könnte es bei Sportarten wie Boxen oder Kampfsport.

Die Batterien des Systems halten etwa 8 bis 11 Jahre. Wenn diese leer sind, muss die Batterie in einer kurzen Operation ausgetauscht werden.

Kontakt

Ihr Ansprechpartner
Priv.-Doz. Dr. med. Miguel Goncalves, Oberarzt

Terminvereinbarung
Gina Leuchtenberg
Tel.: 0241 80-85080
Fax: 0241 80-82523
gleuchtenberukaachende