Mundschleimhautveränderungen

Die Mundschleimhaut ist einer Vielzahl von Einflüssen ausgesetzt, die zu einer Veränderung der Oberflächenbeschaffenheit und der Farbgebung führen können. Hinter diesen Erhebungen verbergen sich harmlose Erkrankungen, aber auch Präkanzerosen (Krebsvorstufen) oder gar bösartige Neubildungen. Etwa 5 Prozent aller Tumore kommen im Kopf-Halsbereich vor, ein Teil davon in der Mundhöhle. Wenn sich die Mundschleimhaut farblich verändert, kann dies ein Zeichen für eine ungünstige, eventuell auch bösartige Entwicklung sein. Da nahezu alle Areale der Mundhöhle für die Diagnostik und Therapie relativ leicht zugänglich sind, bieten sich einem Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen oder Zahnarzt günstige Voraussetzungen zur Früherkennung und Diagnostik.

Jede sichtbare Veränderung der Haut und der Mundschleimhaut sowie tastbare Konsistenzveränderungen des Gewebes müssen dann als tumorverdächtig gelten, solange ein eindeutig gutartiger Befund nicht erhoben werden kann. Bleibende entzündliche Veränderungen, die mit flachen Einziehungen einhergehen, sind im Mundschleimhautbereich tumorverdächtig, wenn sie nicht innerhalb von ein bis zwei Wochen nach Behandlungsbeginn abheilen. Eine entsprechende Therapie kann daher nur durch die gute Mitarbeit des Patienten und einen frühzeitigen Besuch beim Arzt gewährleistet werden. Eine solche fachärztliche Untersuchung hat natürlich auch den Sinn, völlig harmlose Veränderungen der Mundschleimhaut, die niemals bösartig werden, zu erkennen. Wie auch bei anderen Krebsarten sind die Heilungschancen für Tumore im Mund- und Kieferbereich umso besser, je früher ein Tumor erkannt wird.

Risikofaktoren
An erster Stelle ist hier das Rauchen, der Alkoholkonsum und die schlechte Mundhygiene zu nennen. Verhornungsstörungen der Schleimhaut treten bei Rauchern sechsmal häufiger als bei Nichtrauchern auf. Auch Viren sind für die Entwicklung von Karzinomen im Mundbereich verantwortlich. Chronisch-mechanische Irritationen, hervorgerufen durch scharfe Zahnkanten und Prothesenränder, sowie chronische Entzündungszustände sind ebenfalls wichtige Risikofaktoren.

Weiße Schleimhautveränderungen
Bereits kleinste Schleimhautveränderungen im Mundbereich, die sich nicht innerhalb von ein bis zwei Wochen zurückbilden, sollten durch den Hauszahnarzt oder beauftragten Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen diagnostisch abgeklärt werden. Besondere Aufmerksamkeit ist dabei auf weißliche Veränderungen zu legen. Diese können durch infektiöse Erkrankungen wie Masern, Soor (Pilzerkrankung) hervorgerufen sein. Veränderte Talgdrüsen, Nikotin-Stomatitis, Leukoplakie, Lichen planus oder Carcinoma in situ sind ebenfalls als Ursache in Betracht zu ziehen und erreichen bisweilen bereits Krebsvorstufencharakter.

Krebsvorstufen (Präkanzerosen)
Eine Präkanzerose ist eine Gewebeveränderung, die mit einem erhöhten Entartungsrisiko einhergeht. Zu den Präkanzerosen der Mundschleimhaut zählen unter anderem die Leukoplakie.

Leukoplakie
Leukoplakien werden nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als "weiße, nicht abwischbare, keiner definierten Krankheit zuzuordnende Schleimhautareale" definiert. Sie gelten im Bereich der Mundhöhle als prämaligne Veränderungen und unterliegen je nach Entwicklungsgrad einem erhöhten Risiko, später in einem bösartigen Tumor überzugehen. Die Rate der bösartigen Entartung wird in der Literatur sehr unterschiedlich angegeben, sie bedarf einer fachärztlichen Abklärung. Die Leukoplakie hat verschiedene klinische Erscheinungsformen. Eine Abklärung der Leukoplakie durch eine Biopsie ist differentialdiagnostisch unabdingbar.

Mundkrebs
Jedes Jahr werden 5.100 neue Fälle von Mundkrebs in Deutschland gemeldet. Männer erkranken dreimal häufiger als Frauen, und das Risiko für Raucher an Mundkrebs zu erkranken ist sechsmal höher als für Nichtraucher. Besonders in Kombination mit Alkohol steigt der Risikofaktor drastisch.
Risikofaktoren: Rauchen, Alkoholkonsum, schlechte Mundhygiene, Betelnuss kauen, Giftstoffe und Viren; Mangel an den Vitaminen A, C, Carotin, Riboflavin und den Spurenelementen Zink, Selen und Eisen.
Sowohl gutartige als auch bösartige Krebsgeschwülste können an der Zunge wachsen. Meist entstehen diese Wucherungen im
4.-5. Lebensjahrzehnt, wobei Frauen 1,5-fach so häufig an Zungenkrebs erkranken wie Männer.

Lokalisation: Mundhöhle, Zunge, vor allem am Zungenrand, Mundboden, Wange, Ober- und Unterlippe, Gaumen und Tonsillen (Mandeln)
Aussehen: erbsen- bis bohnengroßer, derber Knoten von blasser Farbe
Therapie: chirurgische Entfernung
Prognose: bei frühzeitiger Erkennung und Therapie in den meisten Fällen günstig

Es gibt sehr unterschiedliche Varianten von Mundkrebs und daraus folgernd unterschiedliche Behandlungsmethoden und Prognosen. Bei der chirurgischen Behandlung geht es um eine möglichst vollständige Entfernung des Tumors und eine plastische Wiederherstellung der Weichteile.

Vorsorge

  1. Regelmäßige Untersuchung beim Hausarzt und Hauszahnarzt. Krebsfrüherkennung in der Mundhöhle muss im Rahmen der zahnärztlichen Routineuntersuchung erfolgen. Durch rechtzeitiges Erkennen lässt sich eine umfangreiche und belastende Therapie häufig vermeiden. Die meisten Veränderungen der Mundschleimhaut, die bis hin zur Entwicklung eines Tumors führen, lassen sich durch eine Untersuchung der Mundhöhle frühzeitig diagnostizieren.
  2. Verantwortungsbewusster Umgang mit Genussmitteln. Hier ist in erster Linie der Konsum von Tabakprodukten und alkoholischen Getränken oder Speisen zu nennen. Tabak ist gesundheitsschädlich, Ursache einer Suchtbildung und vieler vermeidbarer Krankheiten. Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum haben eine eindeutig negative Auswirkung auf die Mundgesundheit.
  3. Mundhygiene - Eine zielgerichtete, effiziente und regelmäßige Mundhygiene mit handelsüblichen Produkten ist wichtig für eine erfolgreiche Primärprävention.
  4. Ernährung - Vollwert - und Frischkost sollten Hauptbestandteile der Ernährung sein.