Tumorerkrankungen

Tumore (von lat. tumor, -oris = Geschwulst, Schwellung) im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich werden wie alle Geschwülste in gutartige und bösartige Tumore eingeteilt. Ausgehen können diese Tumore von allen Strukturen des Kopf-/Halsbereichs wie Haut, Schleimhaut, Knochen, Fettgewebe, Unterhautbindegewebe, Speicheldrüsen und Nerven.

Gutartige Tumore zeigen ein verdrängendes Wachstums und eine Kapselbildung. Durch schonendes Herauslösen aus der Umgebung kann man sie relativ komplikationslos entfernen, somit können in der Regel wichtigen anatomische Strukturen wie Nerven und Gefäße erhalten werden. Betroffenen Patienten haben so im Regelfall keine lang anhaltenden ästhetischen oder funktionellen Einschränkungen zu erwarten. Eine Ausnahme bilden nur sehr ausgedehnte gutartige Geschwülste, wie z. B. das pleomorphe Adenom. Dieser häufig vorkommende, meist gutartige Speicheldrüsentumor zeigt sich vor allem im Bereich der Ohrspeicheldrüse. Pleomorphe Adenome wachsen langsam und bleiben lange asymptomatisch, es besteht jedoch das Risiko zur Bildung eines malignen Tumors innerhalb des pleomorphen Adenoms. Eine frühe Erkennung und entsprechend zeitnahe Entfernung gutartiger Tumore ist also sehr wichtig.

Im Gegensatz zu den gutartigen verdrängen bösartige Tumore die Nachbarstrukturen nicht, sondern wachsen zerstörend ohne Rücksicht auf anatomische Grenzen und können im weiteren Verlauf auf dem Blut- oder Lymphwege Tochtergeschwülste (Metastasen) setzen. Zu den häufigsten bösartigen Tumoren des Kopf-/Halsbereichs gehört das Plattenepithelkarzinom, das von der äußeren Haut bzw. Schleimhaut ausgeht. Natürlich ist auch bei diesen bösartigen Geschwülsten die chirurgische Entfernung (Resektion) nach wie vor das Mittel der Wahl (siehe auch Dermatochirurgie). Bei Tumoren, die in die abfließenden Lymphknoten streuen können, wird prophylaktisch (bei nachgewiesenen Metastasen therapeutisch) eine Entfernung der Lymphknotenstationen durchgeführt (z. B. Neck dissection). Zusätzlich kann bei besonders weit fortgeschrittenen Tumorstadien oder aggressiv wachsenden Tumorarten neben der Operation auch eine Bestrahlung des Tumors und der Filterstationen im Lymphabflussgebiet des Halses, in Kooperation mit der Klinik für Strahlentherapie erwogen werden.

Bösartige Tumoren werden im Gegensatz zu den gutartigen "im Gesunden", sprich mit einem tumorspezifischen Sicherheitsabstand, entfernt, um der Bildung von Metastasen und Rezidiven vorzubeugen. So können besonders im Gesichtsbereich funktionell und ästhetisch bedeutsame Defekte entstehen, deren möglichst unauffällige Versorgung durch plastisch-rekonstruktive Maßnahmen erzielt wird.

In unserer Klinik legen wir besonders viel Wert auf eine fachübergreifende Behandlung von Patienten mit Tumorerkrankungen, demnach werden Therapiekonzepte in abteilungsübergreifenden Tumorkonferenzen mit Kollegen aus der Dermatologie, Onkologie, Inneren Medizin und bei Bedarf auch der Kinderklinik entwickelt. Weiterhin tragen wir, zusammen mit den Sozialdienstmitarbeitern des Klinikums, Sorge für die Wiedereingliederung von Patienten in den Alltag nach dem Klinikaufenthalt, z. B. in Form einer nachfolgenden Anschlussheilbehandlung ("Reha").