Forschungsgruppe Werner

Die AG Neurorehabilitation erforscht die neuronalen Grundlagen von Funktionsverlust durch neurologische Erkrankungen als auch die Grundlagen des Funktionsgewinns durch rehabilitative Maßnahmen. Klinische Schwerpunkte stellen hierbei die neurogenen Sprachstörungen (Aphasien) und Schluckstörungen (Dysphagien) dar. Besonders interessiert uns vor diesem Hintergrund, wie moderne Technologien in Diagnostik und Therapie angewendet werden können. Wir bedienen uns dabei der funktionellen MRT, Methoden der Informationstechnologie wie der Künstlichen Intelligenz sowie elektrophysiologischen Mess- und Stimulationsverfahren. Intern kooperieren wir mit verschiedenen AGs in Neurologie und Psychiatrie sowie im Rahmen der interdisziplinären Altersmedizin (Univ.-Prof. Dr. med. Ferdinand Binkofski / Klinische Kognitionsforschung), PD Dr. med. Gerald Braun / Medizinische Klinik II, apl.-Prof. Dr. Stefan Heim / Neuroanatomie der Sprache, Univ.-Prof. Dr. med. Kathrin Reetz / Bildgebung bei Neurodegenerativen Erkrankungen).

Leitung

Priv.-Doz. Dr. med. Cornelius J. Werner

Sektion Interdisziplinäre Geriatrie
Facharzt für Neurologie, Geriatrie & Rehabilitationswesen
Tel.: 0241 80-89601
Fax: 0241 80-82582
cwernerukaachende

Doktorandinnen und Doktoranden:

Markus Boss (Dr. med.)

Charlotte Küppers (Dr. med.)

Charlotte Lion, MSc. (Dr. rer. medic.)

Nina Scholtes, MSc. (Dr. rer. medic.)

Beate Schumann-Werner (Dr. rer. medic.)


Master-Studentinnen und -studenten:

Johanna Becker, B.Sc.

Annalena Döpp, B.Sc.

Sinika Peuster, B.Sc.

Sarah Schawohl, B.Sc.

Sarah Thissen, B.Sc.

Derzeit vergeben wir eine medizinische Promotion. Weitere Informationen finden Sie hier.

Unsere Publikationen finden Sie hier.

Forschungsprojekte

Aphasische Störungen nach Schlaganfall stellen eine schwere Beeinträchtigung für die Betroffenen und deren soziales Umfeld dar. Intensive störungsspezifische logopädische Therapie stellt die evidenzbasiert wirksame Therapie dar. Diese ist sehr ressourcenintensiv und in Deutschland nicht bedarfsdeckend verfügbar.

In mehreren Projekten untersuchen wir, welche klinischen und (f)MRT-bildgebenden Prädiktoren den Therapieerfolg für intensive Aphasietherapie vorhersagen, wie sich Stress auf sprachliche Leistungen auswirkt, wie sich die Lebensqualität unter der Therapie entwickelt und welche Effekte eine Wiederholung der Therapie hat. Daneben erforschen wir, ob sich mithilfe automatisierter Spracherkennung Teile der Aphasiediagnostik automatisieren lassen. Wir nehmen regelmäßig an multizentrischen Therapiestudien teil. Aktuell untersuchen wir den Einfluss der transkraniellen Gleichstromstimulation des Gehirns auf die erzielbaren Therapieeffekte.

Nahezu 100 Prozent der Patienten mit der Huntington-Erkrankung (HD) entwickeln im Verlauf ihrer Erkrankung eine Schluckstörung (Dysphagie). Trotz der hohen Prävalenz gibt es bisher nur wenige Studien, die sich mit Schluckstörungen bei dieser neurodegenerativen Erkrankung befassen. Entsprechend fehlt es an evidenzbasierten Empfehlungen zu diagnostischen und therapeutischen Ansätzen. Auch bei der Parkinson-Erkrankung zeigt sich eine hohe Prävalenz von neurogenen Dysphagien schon in frühen Krankheitsstadien.

Ziel dieser prospektiven Beobachtungsstudien ist es, klinische Prädiktoren für dysphagiologische Symptome erstmals anhand größerer Patientengruppen zu identifizieren und die zugrunde liegende Pathophysiologie zu ermitteln. Dies erfolgt anhand der als Goldstandard der instrumentellen Dysphagiediagnostik geltenden fiberendoskopischen Schluckuntersuchung (FEES). Neben dem Vergleich mit motorischen und kognitiven Funktionen werden zudem neuronale Imaging-Marker mittels struktureller und funktioneller Magnetresonanztomographie erhoben. Die Projekte sind in der Durchführungssphase und werden in Kooperation mit der AG Reetz durchgeführt.

Obwohl im klinischen Alltag Störungen der oralen Phase des Schluckens häufig sind, ist zu den neuronalen Korrelaten der räumlichen Verarbeitung von Objekten, die eine essentielle Voraussetzung für einen physiologischen Schluckakt ist, kaum etwas bekannt. In diesem Projekt klären wir mittels fMRT und noninvasiver Hirnstimulation die neuronale Repräsentation der enoralen Stereognosie beim Gesunden auf und erforschen, wie sich Läsionen dieser kortikalen Areale auf die orale Verarbeitung von Bolusmaterial auswirken. Das fMRT-Projekt, das in Kooperation mit Prof. Binkofski durchgeführt wurde, befindet sich in der Publikationsphase, weitere Projekte sind in Vorbereitung.

Aspirationen sind die kritischen Ereignisse der Dysphagie, die in Verbindung mit anderen pathophysiologisch wirksamen Faktoren u.a. zu Aspirationspneumonien führen. Stille Aspirationen sind in der Neurologie und Geriatrie häufig, aber klinisch nicht zu detektieren. Die FEES und die Videofluoroskopie des Schluckens (VFSS), die auch stille Aspirationen aufdecken können, stehen andererseits nicht flächendeckend zur Verfügung und sind invasiv. bzw. mit einer Strahlenbelastung verbunden. In diesem Projekt sollen neue und nichtinvasive Detektionsmethoden von Aspirationsereignissen etabliert und anhand der FEES validiert werden. Dies könnte unmittelbaren Einfluss auf die Versorgung von Risikopopulationen haben. Das Projekt gliedert sich in mehrere Arbeiten und befindet sich in der Planungs- bzw. frühen Durchführungsphase.

„Circulus vitiosus“ in der Altersmedizin. Wir untersuchen, ob Alter per se zu dysphagischen Störungen führt (Presbyphagie), oder ob altersassoziierte Erkrankungen hierfür verantwortlich zu machen sind.

Dysphagie nach Schlaganfall als eine der relevanten Alterserkrankungen ist mit teils schweren Komplikationen, verlängerter Liegedauer und reduzierter Lebensqualität assoziiert. Die mechanische Thrombektomie ist ein relativ neues Therapieverfahren in der Akutbehandlung des ischämischen Schlaganfalls. Über die Prävalenz, Prädiktoren und Ausprägung der neurogenen Dysphagie nach Thrombektomie ist nichts bekannt. Dies wird in einem unserer Projekte untersucht.

In diesem Projekt wird anhand automatisiert zugänglicher Scores, welche alterstypische Multimorbidität erfassen, die Prävalenz geriatrischer Patienten an mehreren teilnehmenden Kliniken der Uniklinik RWTH Aachen erhoben. Zudem untersuchen wir die Prävalenz ungünstiger klinischer Endpunkte (nosokomiale Pneumonien, Stürze, Krankenhaus-Mortalität) in dieser Kohorte und vergleichen sie mit nicht-geriatrischen Patienten sowohl im Quer- als auch im Längsschnitt. Dieses Projekt wurde im Jahr 2019 mit dem „DGG-Preis zur Förderung interdisziplinärer Altersforschung“ ausgezeichnet und befindet sich in der Publikationsphase.