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Zweitmeinungszentrum

Ist die Operation nötig? Immer mehr Patienten lassen einen zweiten Arzt über ihre Befunde schauen.

Vier Augen sehen mehr als zwei: Wenn sich Patienten bei einer Diagnose oder Therapie-Empfehlung unsicher sind, können sie eine zweite ärztliche Meinung einholen. Dieser Anspruch ist seit kurzem sogar rechtlich gestärkt – und wird auch rege genutzt. Die Klinik für Orthopädie an der Uniklinik RWTH Aachen war eine der ersten Kliniken in NRW, die in 2013 ein Zweitmeinungszentrum 2013 gegründet haben. In den letzten Jahren haben wir einen starken Anstieg der Anfragen verzeichnet. Circa 80 Prozent aller Anfragen betreffen hierbei die Endoprothetik und Wirbelsäulenchirurgie.

In der Regel wünschen die Patienten eine zweite Meinung zur Frage, ob eine Operation wirklich erforderlich ist. Des Weiteren werden Fragen zu speziellen Therapieformen gestellt, z.B. der Knorpeltherapie, der maßgeschneiderten Individual-Knieprothese oder zu einem Prothesenwechsel. „Außerdem sehen wir Patienten in unseren Zweitmeinungsgesprächen, die hinterfragen, ob bei ihnen ein Behandlungsfehler erfolgte. Sie wollen dazu eine zweite Meinung hören“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Markus Tingart, Direktor der Klinik für Orthopädie an der Uniklinik RWTH Aachen.

Zweitmeinung kann von OP abraten

In der Orthopädie werden in der Regel rund 75 Prozent der Fälle bestätigt, nur in jedem 4. Fall können wir uns nicht der Empfehlung des ersten Arztes anschließen. Dies können Patienten sein, denen von einem auswärtigen Arzt zu einer zeitnahen Knie- oder Hüftprothese geraten wurde. Im „Zweitmeinungsgespräch“ in der Klinik für Orthopädie am UKA stellte sich jedoch heraus, dass noch nicht alle Gelenk-erhaltenden Therapieoptionen ausgeschöpft wurden. „Häufig sind die Patienten verunsichert und wissen nicht, wie sie sich entscheiden sollen. Wir können dann in ausführlichen Gesprächen die Situation erklären“ berichtet Univ.-Prof. Tingart. Das helfe, Vertrauen bei den Patienten zurück zu gewinnen. Die Verunsicherung komme nicht selten von einer ungenauen Medienberichterstattung, die darauf hinweist, dass in Deutschland zu viel operiert wird.

Laut Sozialgesetzbuch hat jeder Patient das Recht, sich eine zweite Meinung von einem Arzt einzuholen. Die Kosten dafür werden von der Krankenkasse getragen. Insbesondere bei Eingriffen wie künstlichen Knie- und Hüftgelenken sowie bei Operationen an der Wirbelsäule machen viele Patienten von diesem Recht Gebrauch. So entsteht bei den Patienten eine höhere Sicherheit. Wenn zwei Ärzte das gleiche sagen, ist schon viel „gewonnen“.

Termin innerhalb von zwei Wochen möglich

Das Zweitmeinungszentrum an der Uniklinik RWTH Aachen ist kein Institut mit eigenen Räumen, sondern es versteht sich als übergreifendes Angebot aller Kliniken an der Uniklinik. Patienten mit orthopädischen Fragestellungen erhalten am einfachsten über unsere zentrale orthopädische Terminvergabe (Tel.: 0241 80-89589) oder unsere Homepage. Innerhalb von zwei bis drei Wochen können wir über 90 Prozent aller Terminwünsche realisieren. Sie werden von unseren jeweiligen Spezialisten untersucht und umfassend beraten.

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