Leistungsspektrum - Sektion Wirbelsäulenchirurgie

1. Wirbelsäulenverletzungen (Traumatologie):

Halswirbelsäule:

Verletzungen der Halswirbelsäule können von einfachen Zerrungen (Schleudertrauma) bis hin zu hoch instabilen Verletzungen mit drohenden oder bereits bestehenden neurologischen Ausfällen reichen. Aufgrund des großen Durchmessers des Rückenmarks in diesem Bereich sind neurologische Ausfälle im Sinne von Lähmungen oder Gefühlsstörungen bei Verletzungen in diesem Wirbelsäulenbereich am häufigsten.

Im Rahmen der operativen Therapie bieten wir alle gängigen Verfahren der operativen Stabilisierung an. In typischer Weise werden Wirbelkörperbrüche im Bereich der Halswirbelsäule von vorne (ventral) stabilisiert. Hierbei wird meist ein Zugang seitlich am Hals gewählt, über den die instabile Wirbelsäule durch Platten, Schrauben und Knochentransplantate stabilisiert wird. Teilweise ist auch eine Versorgung von hinten (dorsal) bzw. ein kombiniertes Vorgehen notwendig.

Brustwirbelsäule:

Die Brustwirbelsäule ist durch den knöchernen Brustkorb gut geschützt. Verletzungen an der Brustwirbelsäule sind daher meist mit Unfällen mit einer sehr großen Kraftübertragung (Verkehrsunfälle oder Stürze aus großer Höhe) assoziiert.

Typisches Vorgehen bei diesen Verletzungen ist die Stabilisierung von hinten (dorsal). Hierbei wird ein innerer Spanner eingebracht, der den gebrochenen Wirbelkörper mit dem Ziel der Entlastung überbrückt. Dies erfolgt in unserer Klinik standardmäßig über ein minimalinvasives Verfahren. Je nach Ausmaß der Wirbelkörper- und Bandscheibenverletzung muss ein Wirbelkörperersatz von vorne im weiteren Verlauf erfolgen. Hierbei kommen in der Regel Knochenspäne aus dem Beckenkamm oder sog. CAGEs (Wirbelkörperplatzhalter) zum Einsatz. Routinemäßig bieten wir diese Operationen in minimalinvasiver Schlüssellochtechnik an.

Liegen schmerzhafte Wirbelkörperbrüche, insbesondere bei osteoporotischem Knochen, vor, die keine direkte Verbindung zum Rückenmarkskanal haben, können unter bestimmten Voraussetzungen auch minimalinvasive Stabilisierungsverfahren wie die Kyphoplastie (Wirbelkörperaufrichtung und Auffüllung mit Knochenzement) oder Vertebroplastie (Wirbelkörperauffüllung mit Knochenzement) durchgeführt werden.

Lendenwirbelsäule:

Knöcherne Verletzungen an der Wirbelsäule treten in diesem Bereich am häufigsten auf, da die Wirbelsäule am Übergang von der Brust- zur Lendenwirbelsäule biomechanisch den größten Belastungen ausgesetzt wird. Glücklicherweise hat das Rückenmark hier bereits einen geringen Durchmesser als im Bereich der Hals- und Brustwirbelsäule, weshalb neurologische Ausfälle in diesem Wirbelsäulenabschnitt vergleichsweise seltener auftreten.

Ähnlich wie im Bereich der Brustwirbelsäule werden Verletzungen der Lendenwirbelsäule meist zuerst von hinten stabilisiert. Ergänzende ventrale Stabilisierungen können ggf. durch den Brustkorb in oben beschriebener Technik oder durch einen kleinen Schnitt am Rumpf erfolgen.

2. Osteoporotische Wirbelfrakturen:

Osteoporose bezeichnet einen pathologischen Knochenschwund. Es findet sich ein Verlust von Knochenmasse gegenüber der alters- und geschlechtsspezifischen Norm. Das verbliebene Knochengewebe bleibt aber in seiner Zusammensetzung normal.

Es gibt eine Vielzahl von Ursachen für eine Osteoporose. Grundsätzlich unterscheidet man eine primäre Osteoporose bei der in der Regel die Ursache unbekannt ist von einer sekundären Osteoporose welche aufgrund verschiedenster Krankheitsbilder entstehen kann.

Durch den Abbau der Knochenmasse kommt es an mechanisch besonders stark beanspruchten Abschnitten des Skelettsystems, wie der Wirbelsäule, zu Verformungen und spontanen Brüchen. Typische Symptome sind Rückenschmerzen, wobei sich im Rahmen der radiologischen Diagnostik sichtbare Verformungen der einzelnen Wirbel (Keil-, Platt- oder Fischwirbel) bis hin zu spontanen Wirbelkörperbrüchen zeigen.

Je nach Beschwerdesymptomatik und radiologischen Befund kann eine nichtoperative Stabilisierung durch Korsette oder Mieder bis hin zu einer minimalinvasiven Stabilisierung erfolgen. Neben der mechanischen Stabilisierung muss aber auch eine medikamentöse Therapie der Osteoporose im Rahmen unserer interdisziplinären Zusammenarbeit mit den Geriatern erfolgen.

3. Wirbelsäulenverletzungen bei Morbus Bechterew:

Entzündungsprozess der Kreuzdarmbeinfuge und der Wirbelgelenke. Ähnlich wie beim Rheuma spielt eine erbliche Komponente eine wesentliche Rolle bei der Krankheitsausbildung. Männer sind häufiger betroffen als Frauen und bei Frauen ist der Krankheitsverlauf meist milder. Die ersten Symptome treten meist zwischen der zweiten und vierten Lebensdekade in Erscheinung. Durch eine Verknöcherung der um die Wirbel liegenden Bindegewebe kommt es zu einer zunehmenden Einsteifung der Wirbelsäule, wodurch diese ihre physiologische Verformbarkeit verliert und insbesondere im Halswirbelsäulenbereich sehr anfällig für hochinstabile Wirbelkörperbrüche ist. Bei Bechterew Patienten mit Wirbelkörperbrüchen ist daher immer eine operative Versorgung anzustreben.

4. Tumorerkrankungen der Wirbelsäule:

Wie im gesamten Körper unterscheidet man auch an der Wirbelsäule primäre von sekundären sowie gutartige und bösartige Tumoren. Primäre Tumore sind selten, wesentlich häufiger findet man Metastasen von bösartigen Tumoren deren Ursprung an einer anderen Körperstelle lokalisiert ist. Ein Tumor der sich häufig an der Wirbelsäule manifestiert ist das Plasmozytom. Metastasen finden sich unter anderem bei Brust-, Prostata oder Schilddrüsenkarzinomen.

Hinweise für einen bösartigen Prozess sind:

  • ungewöhnliche Frakturlokalisation
  • lokaler Rüttel- und Druckschmerz
  • Hinweise für einen Primärtumor

Neben dem Bruch des Wirbels selbst können Symptome des Rückenmarks und der austretenden Nervenwurzeln auftreten. Das Behandlungskonzept bei Tumorerkrankungen der Wirbelsäule ist hochkomplex und wird im Rahmen einer im UKA stattfindenden interdisziplinären Tumorkonferenz festgelegt. Neben der minimalinvasiven Gewinnung von Gewebeproben führen wir hierbei die Stabilisierung des befallenen Wirbelkörpers durch.

 

5. Entzündungen der Wirbelsäule:

Entzündungen der Wirbelkörper (Spondylitis) bzw. der Bandscheibe (Spondylodiszitis) treten meistens als Folge einer, häufig nicht bewusst wahrgenommenen, Blutvergiftung auf und machen sich durch Rückenschmerzen, Fieber und Abgeschlagenheit bemerkbar. In der frühen Phase ist die Abgrenzung zu einem bösartigen Knochentumor notwendig.

Die Behandlung der Spondylitis bzw. Spondylodiszitis reicht je nach Ausmaß von einer intravenösen Antibiotikatherapie und Schonung bis hin zu einer operativen Ausräumung und Stabilisierung.