Innovative Diagnose- und Behandlungsverfahren

Die Behandlung urologischer Erkrankungen beschränkt sich nicht, wie häufig angenommen, nur auf die männlichen Geschlechtsorgane und die Prostata. Viele urologische Erkrankungen können Frauen und Männer gleichermaßen betreffen. Organe wie die Niere, Nebenniere und Blase sind ein Beispiel. Steinerkrankungen oder Entzündungen können hier bei Männern und Frauen auftreten.
Innerhalb des Feldes der Onkologie sind Prostata-Karzinome eine der häufigsten Krankheitsbilder. Eine Vergrößerung der Prostata tritt vor allem im höheren Alter häufig auf. Dies muss aber nicht direkt eine Krebserkrankung bedeuten. In vielen Fällen ist eine Prostata-Vergrößerung gutartig und leicht behandelbar. Auf den folgenden Seiten haben wir Ihnen einige Informationen zu den häufigsten Erkrankungen zusammengestellt.
Sollten Sie Symptome bei sich selbst feststellen oder Fragen zu diesem Thema haben, kontaktieren Sie bitte Ihren behandelnden Arzt oder vereinbaren Sie einen Termin für eine unserer Sprechstunden oder kommen Sie in unsere allgemeine urologische Ambulanz.

Sektion Robotische Urologie

Robotisch assistierte Chirurgie ist eine Weiterentwicklung der traditionellen Laparoskopie (Schlüssellochtechnik), die sich in der Urologie in den letzten 25 Jahren fest etabliert hat. Bei den neuen robotischen Operationsverfahren (auch roboter-assistierte laparoskopische Chirurgie genannt) werden, genau wie bei der traditionellen Laparoskopie, eine Kamera mit Lichtquelle und miniaturisierte Instrumente über kleine Hautschnitte in die Bauchhöhle eingebracht. Bewegt werden diese von außen, elektronisch gesteuert von den vier Armen des „Roboters", der jede Bewegung des Chirurgen exakt umsetzt. Dieser sitzt hierzu an einer Konsole mit dreidimensionaler, vergrößerter Sicht auf das Operationsfeld und bedient mit jeder Hand eine Art Joystick. Die Instrumente ermöglichen eine Bewegung in sieben Freiheitsgraden und die Maschine filtert jegliches Handzittern heraus. Der Operationsroboter agiert dabei als verlängerter Arm des Chirurgen und macht nur, was dieser ihm vorgibt. Genau genommen wird deswegen eine roboter-assistierte Operation gar nicht durch einen Roboter durchgeführte, da alle Steuerbefehle direkt vom Chirurgen kommen und die Maschine keinerlei eigenständige Bewegungen durchführen kann. Ein chirurgischer Assistent und die OP-Pflege stehen während des ganzen Eingriffs direkt am Patienten und helfen während des Eingriffes von dort.

Das System wurde ursprünglich von der US-Armee entwickelt (DARPA), um Operationen über große Entfernungen durchführen zu können, zum Beispiel in Kriegsgebieten. Bei dieser sogenannten Telechirurgie befindet sich der Operateur in einiger Entfernung an der Steuerkonsole während der Patient vor Ort versorgt wird. In der Anfangsphase wurden dann tatsächlich Operationen durchgeführt, bei denen der Patient auf der einen und der Chirurg auf der anderen Seite des Atlantiks zu finden waren. Das ist aber mittlerweile nicht mehr Standard und es befinden sich Chirurg und Patient zusammen mit Anästhesist, chirurgischem Assistent und OP-Pflege als Team in einem Raum. Der am weitesten verbreitete Operationsroboter ist der da Vinci® von der amerikanischen Firma Intuitive Surgical, den wir auch in der Uniklinik RWTH Aachen einsetzen. Die sogenannte da Vinci-Methode hatte sich zunächst bei der radikalen Prostatektomie (kompletten Entfernung der Prostata) bei Prostatakrebs sehr bewährt. Mittlerweile wird der da Vinci in der Urologie unter anderem zur radikalen Zystektomie (komplette Entfernung der Harnblase) bei Blasenkrebs und zur partiellen und kompletten Nephrektomie (Nierenentfernung) bei Nierenkrebs sehr erfolgreich eingesetzt. Zusätzlich kann er seine Vorteile bei rekonstruktiven Eingriffen wie zum Beispiel der Nierenbeckenplastik – bei Verengung des Harnleiters unmittelbar an der Niere – ausspielen. Durch ihre minimalinvasive Technik verursacht die da Vinci®-Methode ein deutlich geringeres Operationstrauma als traditionelle, offene Chirurgie. Dies führt zu geringerer Patientenbelastung, weniger Schmerzen und damit zu schnellerer Erholung. Die Krankenhausverweildauer und die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit werden dadurch beträchtlich verkürzt, was für jeden Patienten im Einzelnen aber natürlich auch volkswirtschaftlich von großer Bedeutung ist. Keinen Zweifel gibt es auch daran, dass der Blutverlust und die Häufigkeit von Bluttransfusionen mit der Roboterchirurgie bei allen Eingriffen zurückgegangen sind. Da die da Vinci®-Methode nicht für alle Krankheitsbilder und für alle Patienten geeignet ist, muss die Frage, ob ein solcher Eingriff überhaupt vorteilhaft durchgeführt werden kann, in jedem einzelnen Fall besprochen werden. Da das Team der Klinik für Urologie an der Uniklinik RWTH Aachen langjährige Erfahrung mit allen Operationstechniken (offen, laparoskopisch und da Vinci®) hat, können wir unsere Patienten demensprechend umfassend beraten und Ihnen die jeweils beste Methode anbieten.

Die Fusionsbiopsie der Prostata - Punktgenaue und präzise Prostatadiagnostik

Als erste Klinik der Region verfügen wir über die Möglichkeit, eine kombinierte MRT/Ultraschall Fusionsbiopsie der Prostata durchzuführen. Bei diesem Verfahren werden die visuellen Informationen der hochauflösenden Magnetresonanztomographie genutzt, um suspekte Bereiche in der Prostata zu identifizieren. In einem zweiten Schritt werden aus diesen Arealen ultraschallgesteuert gezielt Biopsien entnommen, um damit eine definitive Diagnose zu bekommen.
Bei Verdacht auf das Vorliegen eines Prostatakrebses zum Beispiel bei erhöhtem PSA-Wert oder nach Feststellung einer Verhärtung der Prostata beim Abtasten, wird nach heutigem Standard in der Regel eine ultraschallgesteuerte Gewebsentnahme (Biopsie) der Prostata durchgeführt. Diese minimal-invasive Maßnahme ist leider notwendig, da bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Kernspintomografie (MRT) alleine nur unzureichend die vermutete Diagnose eines Prostatakrebses sichern oder widerlegen können. Bei Vorliegen eines Prostatakrebses sind unter anderem die Anzahl der befallenen Gewebeproben als Maß, wieviel Krebs in der Prostata vorhanden ist, und die Feststellung der biologischen Aggressivität des Krebses (Gleason-Grad), von entscheidender Bedeutung. Auch sind häufig verschiedene Areal der Prostata mit unterschiedlich aggressivem Krebs befallen, die alle identifiziert werden sollten. Nur mehreren Gewebsprobe kann der behandelnde Urologe also die Vielzahl von Informationen ableiten, die für die weitere Behandlungsplanung von größter Bedeutung sind.

Oftmals brauchen Männer mit einem weniger gefährlichen Prostatakrebs (mit einem niedrigen Gleason-Grad und wenig betroffenem Gewebe/Arealen) überhaupt keine Therapie, sondern ausschließlich eine sorgfältige Überwachung. Patienten mit aggressiven Varianten und/oder ausgedehntem Befall der Prostata sollten jedoch so früh wie möglich identifiziert werden, um durch eine Therapie die Heilung herbeizuführen. Aus diesen Überlegungen wird erkennbar, dass die zuverlässige und repräsentative Entnahme von Gewebsproben (Biopsien) aus der Prostata für den weiteren Behandlungsverlauf und damit für den Patienten von entscheidender Bedeutung ist.

Die traditionelle ultraschallgesteuerte Biopsie der Prostata durch den Enddarm entnimmt Gewebsproben in einem festgelegten Schema, bei dem das Organ häufig in 12 verschiedene Bereiche aufgeteilt wird, damit kein Areal der Prostata unterrepräsentiert ist. Leider ermöglicht der Ultraschall jedoch kaum besonders verdächtige Bereiche zu identifizieren, um gezielt Proben zu entnehmen – dazu ist diese Technik einfach nicht geeignet.

Eine genauere Darstellung des Prostatagewebes und eine zuverlässigere Beurteilung als mit Ultraschall bietet die Kernspintomografie (MRT). Allerdings kann mit dieser Technik nur sehr aufwändig gleichzeitig eine Biopsie durchgeführt werden. Die visuelle Darstellung von verdächtigen Bezirken und deren Ausdehnung ist aber ein erster wichtiger Schritt für eine umfassende Diagnose, da die sorgfältige Beurteilung der Tomografiebilder nach heutigem Wissensstand in vielen Fällen das Erkennen von besonders auffälligen Zonen der Prostata ermöglicht. Diese Bilder können dann über ein aufwendiges technisches Verfahren mit den Echtzeitbildern unseres Ultraschalls digital überlagert werden, was eine genaue räumliche Zuordnung erlaubt. In einem weiteren Schritt erfolgt in Lokalbetäubung eine gezielte Punktion der verdächtigen Bezirke. Zusätzlich entnehmen wir Gewebsproben nach unserem festgelegten Standardschema. Mit dieser Kombination können wir sicher sein, systematisch alle Areale der Prostata und zusätzlich die vorher in der Kernspintomografie (MRT) identifizierten auffälligen Bereiche punktgenau überprüft zu haben. Jeder einzelne Entnahmeort wird dabei genau dokumentiert, um später eine räumliche Zuordnung zu gewährleisten. Die Befunde werden in unserer interdisziplinären Tumorkonferenz zusammen mit Pathologen, Radiologen, Strahlentherapeuten und Onkologen besprochen. Je nach Größe, Lage und Aggressivität des Tumors sowie Begleiterkrankungen und persönlichen Vorstellungen des Patienten, können wir eine individuelle Therapieempfehlung abgegeben.

Für die Fusionsbiopsie reicht in den meisten Fällen – wie beim Zahnarzt – eine lokale Betäubung aus, lediglich in außergewöhnlichen Fällen sowie auf besonderen Wunsch des Patienten kann die Biopsie auch in einer kurzen Allgemeinnarkose vorgenommen werden. Für die Biopsie brauchen Sie nicht nüchtern zu sein