Onkologie

Im Rahmen des Schwerpunktes urologische Onkologie werden in der Grundlagenforschung Aspekte zur molekularen Pathogenese und Prognose des Prostata- und Harnblasenkarzinoms sowie des testikulären Keimzelltumors untersucht. Im Rahmen der klinischen Forschung widmen wir uns der Untersuchung innovativer bildgebender Verfahren in der Staging- und Rezidivdiagnostik, der Etablierung von validen Prädiktoren eines Rezidivs nach kurativer Lokaltherapie mit der Entwicklung verlässlicher Nomogramme sowie neuer therapeutischer Verfahren bei lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Karzinomen.

Prostatakarzinom

Im Rahmen des Schwerpunktes Onkologie wird das Prostatakarzinom unter den Gesichtspunkten der lokalen Tumorausbreitung und der Metastasierung interdisziplinär mit dem Institut für Pathologie und der Klinik für Radiodiagnostik bearbeitet.

In Kooperation mit dem Institut für Pathologie wird eine urologische Tumorbank geführt, in welcher kontinuierlich Biomaterialien (Serum, Urin, Gewebe) für molekularbiologische Untersuchungen kryokonserviert werden.

In einem Forschungsansatz widmen wir uns der Suche nach prognostischen Markern des metastasierenden Prostatakarzinoms. Dabei werden abweichende Genexpressionsmuster und Proteomprofile gesucht und analysiert. Ein neuer Ansatz evaluiert das Expressions- und Mutationsmuster des ERG - Proteins und dessen Bedeutung in der Primärdiagnostik im Exprimaturin und Ejakulat.

Jüngst wurde eine interdisziplinäre RWTH-Arbeitsgruppe gegründet, die sich der Entwicklung und Evaluierung von Nanopartikel-Antikörper-Konjugaten für die molekulare MR-Bildgebung und die Nanotechnologie-unterstützte Immuntherapie des Prostatakarzinoms widmet.

Es wurde eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe zwischen den Kliniken für Urologie und Radiologie sowie dem Institut für Pathologie mit der Zielsetzung gegründet, das lokale Staging bei Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom (cT3-4) oder einem Lokalrezidiv nach Strahlentherapie durch den präoperativen Einsatz eines multiparametrischen MRT in Bezug auf die Vorhersage einer Kapsel- oder Samenblaseninvasion und einer lokoregionären lymphonodlären Mikrometastasierung zu verbessern. Die radiologischen Resultate werden mit den Großflächenschnitten des radikalen Prostatektomiepräparates verglichen, um eine Korrelation zwischen den radiologisch suspekten Arealen und den pathohistologisch betroffenen Arealen herstellen zu können. Einen ähnlichen Ansatz verfolgen wir derzeit mit der Evaluierung des transrektalen Histoscanning - Sonografieverfahrens, das bei der Primärdiagnose und der klinischen Situation der Re-Biopsie bei Verdacht auf Prostatakarzinom eingesetzt wird.

Es wird unter der Schirmherrschaft der Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie einer internationalen, prospektiv randomisierten klinischen Phase-III zum Stellenwert der limitierten versus der extendierten pelvinen Lymphadenektomie im Rahmen der radikalen Prostatektomie beim Prostatakarzinom mit intermediärem und hohem Progressionsrisiko durchgeführt, die die Klinik für Urologie weltweit leitet.

Von klinischer Seite werden derzeit große Datenbanken von Patienten nach radikaler Prostatektomie analysiert, um klinisch verwertbare Nomogramme zu entwickeln, die das Auftreten von Metastasen und das tumorspezifische Überleben nach radikaler Prostatektomie individuell vorhersagen können. Zielsetzung ist es, Vorhersageparameter zu identifizieren, die eine frühzeitige adjuvante Therapie ermöglichen und damit die Prognose verbessern.

Weitere Forschungsansätze betreffen die Wertigkeit zirkulierender Tumorzellen, zirkulierender mitochondrialer freier DNA und des TRMPSS:ERG Fusionsproteins im Serum von Patienten mit Prostatakarzinom in der Prädiktion eines Rezidivs.

Die molekulare Grundlage der Strahlenresistenz von Prostatakarzinomen, die nach einer Strahlentherapie ein Lokalrezidiv entwickeln, wird auf klinischer, immunhistochemischer und molekularer Ebene analysiert. Hier besteht eine enge Kooperation mit der Klinik für Urologie des Memorial Sloan Kettering Cancer Instituts in New York.

Das kastrationsresistente Prostatakarzinom stellt einen weiteren Aspekt der urologischen Forschung dar. Hier analysieren wir derzeit den Stellenwert verschiedener Markersysteme im Gewebe und im Serum von Patienten unter systemischer zytotoxischer Therapie, um den Stellenwert verschiedener Polymorphismen auf die Ausbildung einer intrinsischen oder extrinsischen Docetaxelresistenz zu evaluieren. Es bestehen enge Kooperationen mit dem MSKCC, New York und der Duke University, Durham, USA.

Separat hiervon ist die prospektive Erhebung der Lebensqualität der Patienten, unterteilt nach der jeweiligen Therapieform zu sehen. Im Wesentlichen wird die operative Versorgung (Radikale Prostatektomie) der der Radioonkologie (Seed-Implantation) gegenübergestellt. Die Kollektive der HDR-Brachytherapie und der sogenannten "HiFu" sind hiervon abgesetzt zu betrachten, da sie sich von den beiden erstgenannten in wesentlichen wichtigen Parametern unterscheiden. Die entsprechenden Daten werden jedoch analog zum zuvor beschriebenen erhoben.

Testikuläre Keimzelltumoren

Die Klinik für Urologie ist eines der nationalen Zweitmeinungszentren der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Hodentumoren der Deutschen Krebsgesellschaft und widmet sich neben der klinischen Forschung auch der Grundlagenforschung zur Verbesserung der Therapieoptionen weit fortgeschrittener Keimzelltumoren.

Aktuell wurde eine interdisziplinäre Europäische Forschergruppe gegründet, die sich zur Aufgabe gestellt hat, die molekularbiologischen Ursachen der Metastasierung und der Entwicklung der Chemoresistenz zu untersuchen. Es existiert eine Datenbank von aktuell 430 Patienten, die nach der Chemotherapie eine retroperitoneale Residualtumorresektion erhielten, die um Patienten aus dem europäischen Ausland aktualisiert wird. Die Fragen der Chemoresistenz werden mit Methoden der Immunhistochemie, der Proteomforschung, der qRT-PCR, MALDI Imaging und 2d-DIGE bearbeitet. Es wird ein Testverfahren zum Nachweis zirkulierender Tumorzellen sowie zirkulierender zellfreier DNA entwickelt. Ein erster Forschungsantrag zur Einwerbung von EU - Drittmitteln ist in Vorbereitung.

Harnblasenkarzinom

Die Photodynamische Diagnostik (PDD) mit 5-Aminolävulinsäure (5-ALA) hat die Diagnose von Präkanzerosen und frühen Tumorstadien des Harnblasenkarzinoms wesentlich verbessert. Eine im Anschluss mögliche Photodynamische Therapie (PDT) stellt einen wesentlichen Schritt dar, um langfristig eine Organerhaltung zu ermöglichen; sie setzt jedoch den Ausschluss invasiven Wachstums voraus.

Bezüglich der Grundlagenforschung beschäftigen wir uns mit molekularen Prognosefaktoren der Progression nach radikaler Zystektomie, nach adjuvanter und induktiver Chemotherapie des metastasierten Urothelkarzinoms. Im Rahmen dieser Forschungsprojekte können wir auf die in der Biomaterialienbank asservierten Proben von Gewebe, Serum und Urin zurückgreifen.

Der Themenschwerpunkt optimierte Drug Delivery basierte intravesikale Therapie des nicht-muskelinvasiven Harnblasenkarzinoms wird mit Methoden der Pharmakokinetik, in vitro in Zellkulturmodellen, wie auch im eigens etablierten Nacktmausmodell untersucht. Zytotoxische Effekte werden hierbei in vivo u.a. mittels Biolumineszenz untersucht. Enge Zusammenarbeiten bestehen mit dem Institut für Anatomie und Zellbiologie, mit dem DWI Leibniz-Institut für Interaktive Materialien, dem Institut für Versuchstierkunde und dem Institut für Pathologie.