Nieren- und Harnleitersteine

Die Klinik für Urologie bietet alle Verfahren der modernen endoskopischen Steinsanierung in den ableitenden Harnwegen an. Dies umfasst die starre, semirigide und flexible Harnleiter- und Nierenspiegelung (Ureterorenoskopie, URS) in Kombination mit pneumatischen und ultraschallgestützten Lithoklasten oder modernen Holmium – Lasersystemen zur Desintegration und Entfernung von Steinen im Harnleiter und kleineren Steinen in der Niere.

Für größere Steine in der Niere stehen die  extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL) und perkutane Steinentfernung (Perkutane Nephrolitholapaxie, PCNL) zur Verfügung. Für die ESWL steht in unserer Klinik ein hochmodernes Gerät der neuesten Generation zur Verfügung, das sich durch punktgenaue, softwaregestützte und automatisierte Steinortung mittels Sonographie oder Röntgen auszeichnet. Bei diesem Gerät kann die Stoßwellenenergie in unterschiedlicher Fokusgröße dem Stein angepasst dosiert werden. Diese berührungslose Therapie erfolgt ohne Anästhesie.

Die perkutane Steinbehandlung stellt einen Schwerpunkt der Klinik dar. In Abhängigkeit der Größe und Lokalisation des zu behandelnden Steines kann zwischen verschiedenen minimalinvasiven perkutanen Zugangswegen gewählt werden, um das operative Trauma so klein wie möglich zu halten. Zur Wahl stehen die Micro – PCNL (11 Ch), die Super – Mini – PCNL (14 Ch), die Mini - PCNL (18 Ch) und für große Steine die Maxi – PCNL (26 Ch).

Unser nach neuestem Stand der Technik ausgestatteter OP bietet zudem sämtliche Möglichkeiten der Patientenlagerung, sodass insbesondere die perkutanen Techniken in der für den Patienten am wenigsten belastenden Lagerung (Bauch-, Rücken-, Steinschnitt- und Flankenlagerung) durchgeführt werden können. Für komplexe Steinleiden besteht zudem die Möglichkeit der simultanen Anwendung endoskopischer und perkutaner Operationstechniken.

Die PCNL in Rückenlage (Valdivia Position) ist ein erst wenige Jahre altes Verfahren um die Behandlung für Patienten angenehmer zu  machen. Die Rückenlage erlaubt zudem den gleichzeitigen Zugang über die Blase und die Niere. Diese Technologie wird in Deutschland nur vereinzelt angeboten.

In unserem Zentrallabor werden alle entfernten Steine hinsichtlich ihrer Zusammensetzung analysiert. Die Prophylaxe und Metaphylaxe für Patienten mit rezidivierenden Steinleiden gehören in Kombination mit der interdisziplinären Behandlung von Stoffwechselerkrankungen und Ernährungsberatung ebenfalls zum Leistungsspektrum der Sektion.

Historischer Hintergrund

Steine in den ableitenden Harnwegen stellten bereits im Mittelalter ein weit verbreitetes Krankheitsbild dar. Heute wird das Vorkommen (Inzidenz) mit 500 Fällen auf 100.000 Einwohner angegeben. Bereits im 17. Jahrhundert spezialisierten sich sogenannte Steinschneider auf die operative Entfernung von Blasensteinen. In der Reichstadt Aachen war Jaques Beaulieu um 1698 tätig und entfernte Blasensteine bereits durch kleine Schnittoperationen, was ihn über die Grenzen von Stadt und Region bekannt machte.

Diese ersten Steinoperationen waren die Vorläufer der modernen Steintherapie an der Uniklinik RWTH Aachen. Allerdings fanden diese Eingriffe ohne Narkose statt und waren aufgrund der fehlenden technischen Ausstattung (sterile Instrumente etc.) mit einer erheblichen Rate an bleibenden Folgeschäden und Todesfällen vergesellschaftet. Insbesondere im 20. Jahrhundert wurde die technische Ausstattung in der gesamten operativen Medizin rasant verbessert, sodass 1912 die erste endoskopische Untersuchung der Harnblase von H.H. Young beschrieben wurde. Bis zur Verfeinerung der endoskopischen Technik und der Entwicklung des ersten Ureterorenoskopes durch die  Firma Wolf im Jahr  1979  sollten allerdings weitere 67 Jahre vergehen. Die technische Weiterentwicklung von Endoskopen zur Steintherapie im ableitenden Harntrakt schreitet bis heute voran.