Forschung

Hier finden Sie Informationen über unsere derzeitigen Forschungsprojekte:

Vorhofflimmern ist die häufigste therapiebedürftige Herzrhythmusstörung in Deutschland. Nach Schätzungen leiden circa zwei Millionen Deutsche an Vorhofflimmern. Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass Patienten mit Vorhofflimmern ein vier - bis fünfmal höheres Risiko haben, einen Schlaganfall zu erleiden. Aus verschiedenen Studien geht hervor, dass dem Schlaganfall durch eine medikamentöse Behandlung des Vorhofflimmerns sehr effektiv vorgebeugt werden kann.

Das Problem ist, dass Patienten häufig das Vorhofflimmern nicht bemerken und darum oftmals erst nach einem erlittenen Schlaganfall eine Herzrhythmusstörung diagnostiziert wird. Darum ist es wichtig, auch asymptotisches Vorhofflimmern bei den Patienten zu erkennen, um einen Schlaganfall zu vermeiden.

Das Lehrgebiet Allgemeinmedizin hat in Kooperation mit der Klinik für Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin und der Klinik für Neurologie der Uniklinik RWTH Aachen ein interdisziplinäres Forschungsprojekt aufgestellt.

Dieses Forschungsprojekt hat untersucht, ob ein breites Screening (Pulsmessung) mittels eines Monitorgeräts (MyDiagnostics) bei älteren Menschen ab 65 Jahren hilfreich ist, um die Schlaganfallrate bei vorher unentdecktem Vorhofflimmern zu reduzieren.

Die Messung durch den MyDiagnostick dauert ungefähr eine Minute und läuft ähnlich ab wie beim Blutdruckmessen: Es wird der IST-Zustand des Herzrhythmus gemessen. Die gemessenen Werte könnten ein unentdecktes Vorhofflimmern zeigen. In den Apotheken wird keine Diagnose gestellt, sondern lediglich die Regelmäßigkeit des Herzschlages mit einem Monitorgerät (MyDiagnostick) geprüft. Bei einem positiven Ergebnis wird empfohlen, den Hausarzt aufzusuchen, um weitere medizinische Schritte sowie einen Behandlungsplan zu besprechen.

Nachdem im Mai 2016 eine zweiwöchige Pilotstudie in acht Aachener Apotheken durchgeführt wurde, die andeutete, dass durch ein breites Screening (Pulsmessung) mit Hilfe des MyDiagnostick eine Erstdiagnose bei Patienten mit Vorhofflimmern gestellt werden kann, wurde im Januar und Februar 2017 die Hauptstudie durchgeführt: In 90 Apotheken der Städteregion Aachen wurde insgesamt 4 Wochen lang bei 7.209 Patienten die Regelmäßigkeit des Herzschlag mit dem MyDiagnostick geprüft.

Die erhobenen Daten befinden sich momentan in der Auswertung und werden voraussichtlich im Laufe des Jahres 2020 veröffentlicht.

Eine Stärkung und größere Anerkennung des Fachgebietes der Allgemeinmedizin wird und wurde in den vergangen Jahren immer häufiger von unterschiedlichen Instanzen wie zum Beispiel dem Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin gefordert. Diese Stärkung und Anerkennung geht einher mit einer umfassenden allgemeinmedizinischen Lehre und Vernetzung der allgemeinmedizinischen Institute, Abteilungen und Lehrbereiche.

Im Jahr 2012 haben sich alle Institute, Abteilungen und Lehrgebiete für Allgemeinmedizin der Hochschulen in Nordrhein-Westfalen (NRW) zu einem Kompetenzverbund zusammengeschlossen. Der Kompetenzverbund umfasst die acht Hochschulstandorte Aachen, Bochum, Bonn, Düsseldorf, Essen/Duisburg, Köln, Münster und Witten/Herdecke. Ziel dieses Zusammenschlusses ist es, das Fachgebiet Allgemeinmedizin in NRW in all seinen Aufgabengebieten zu stärken. Hierzu gehören vor allem die allgemeinmedizinische Aus-, Weiter- und Fortbildung sowie der Bereich der Forschung. Um den Anforderungen einer solchen Aufgabe gerecht zu werden, hat jeder Hochschulstandort ein Schwerpunktthema übernommen, den es zu optimieren gilt.

StandortModerationsfunktion für den Schwerpunkt
AachenFortbildung
BochumLehre / Didaktik
BonnEntwicklung allgemeinmedizinischer Hochschulstandorte
DüsseldorfForschung
Duisburg/EssenPraktisches Jahr
KölnQualitätsstandards für Ausbildungspraxen
MünsterWeiterbildung
Witten/HerdeckeAllgemeinmedizin im europäischen Kontext

 

Für eine Stärkung des Fachgebiets der Allgemeinmedizin wurde zunächst der IST-Zustand an den Hochschulen in Bezug auf die obengenannten Schwerpunkthemen definiert um auf der Basis dieser Erkenntnisse mögliche Verbesserungen zu erzielen. Darum wurde ein Forschungsvorhaben mit dem Titel „Bestandsaufnahme und Maßnahmen zur Nachwuchsförderung der allgemeinmedizinischen Ausbildung an den Hochschulen Nordrhein-Westfalens“ mit allen acht Hochschulstandorten entwickelt. Dieses Forschungsvorhaben wurde gefördert durch das Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen.

Das Vorhaben bestand aus zwei Forschungsprojekten:

  1. Bestandsaufnahme mittels einer umfassenden Fragebogenerhebung zur Ermittlung der aktuellen Zahlen zur Aus-, Weiter- und Fortbildungssituation sowie Versorgungsforschung in NRW, auch im Vergleich zu anderen Bundesländern, innerhalb Institute, Abteilungen und Lehrbereiche für Allgemeinmedizin der acht Hochschulstandorte für Allgemeinmedizin in NRW durchgeführt.
  2. Bestandsaufnahme zu dem jeweiligen Schwerpunkthema. Der Standort Aachen führte eine empirische Studie im Bereich der Versorgungsforschung zur Evaluation der Fortbildungssituation für Allgemeinmediziner in Nordrhein-Westfalen an universitären Standorten, nicht-universitären Städten sowie ländlichen Regionen mittels einer quantitativen Datenerhebung durch eine Fragebogenumfrage durch.

Zusammenfassend lassen die Ergebnisse darauf schließen, dass Optimierungsbedarf hinsichtlich der Organisation und dem inhaltlichen Aufbau von Fortbildungsveranstaltungen besteht. Die fünf Handlungsempfehlungen hinsichtlich des Kompetenzverbundes umfassen eine verbesserte Kommunikation und einen kontinuierlichen Austausch zwischen den allgemeinmedizinischen Abteilungen hinsichtlich der Organisation und Konzeption von Fortbildungsveranstaltungen. Außerdem sollte jede Abteilung ein lokales Netzwerk hinsichtlich des aktuellen allgemeinmedizinischen Fortbildungsangebots in NRW aufbauen oder erweitern. Die Durchführung von gemeinsamen Fortbildungsvorträgen und Veranstaltungen zwischen Abteilungen mit lokaler Anbindung ist eine Möglichkeit, das allgemeinmedizinische Fortbildungsangebot gemeinsam zu erweitern. Für die Umsetzung dieser Empfehlungen, könnte die bereits zusammengeschlossene Sektion Fort- und Weiterbildung der allgemeinmedizinischen Abteilungen in NRW betraut werden.

Die Ergebnisse der zweiten Teilstudie zeigen, dass niedergelassene Allgemeinmediziner regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen, vor allem Qualitätszirkel und andere abendliche Veranstaltungen, besuchen. Allerdings sind Diskrepanzen bezüglich des Lerneffekts zu beobachten, die in Zukunft verbessert werden sollten um den durch die Einführung der Fortbildungsverpflichtungen gewünschten Effekt eines dauerhaft aktuellen Wissensstandes der Ärzte gewährleisten zu können.

Weiterhin zeigten die Ergebnisse dieser Studie, dass der praktische Bezug der Fortbildungsvorträge und Fortbildungsinhalte hinsichtlich der Allgemeinmedizin generell höher sein könnte. Um sowohl den Lerneffekt als auch den Praxisbezug zu erhöhen, wurden vier weitere Handlungsempfehlungen vom Lehrgebiet Allgemeinmedizin formuliert. Diese umfassen unter anderem vermehrte interaktive Kleingruppenarbeit und Interaktivität seitens der Referenten mit dem Auditorium sowie eine gesteigerte Integration von praktischen Übungen, die sich an theoretische Vorträge anschließen sowie die verstärkte Einbindung der Zielgruppe für eine bedarfs- und fachgerechte Konzeption der allgemeinmedizinischen Fortbildung.

Am Lehrgebiet Allgemeinmedizin des Universitätsklinik Aachen konnte ein Verbundprojekt zum Aufbau eines allgemeinmedizinischen Forschungspraxennetzes eingeworben werden. Der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) über 5 Jahre mit insgesamt 3,75 Mio. Euro geförderte Verbund besteht aus den allgemeinmedizinischen Instituten/Lehrbereichen der Universitäten Aachen, Bochum, Bonn, Düsseldorf (Verbundleitung), Essen, Köln, Münster und Witten. Beteiligt hier in Aachen sind Leiterin des Lehrgebiets, Frau Prof. Dr. Kuth und die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Frau Inés van der Arend und Frau Friederike Frank.

Ziel des Projekts mit Namen „hafo.nrw“ ist der nachhaltige Aufbau einer hausärztlichen Forschungsinfrastruktur in Nordrhein-Westfalen (NRW): Jeweils ein Tandem aus Arzt/Ärztin und Arzthelfer*in pro Praxis soll in der Versorgungs- und epidemiologischen Forschung trainiert werden – ein Teil auch in klinischer Forschung – und in Projekten eng mit den Universitäten zusammenarbeiten. Bundesweit werden 6 solcher Verbünde gefördert, die über eine zentrale Koordinierungsstelle miteinander vernetzt sind und zukünftig auch zusammenarbeiten sollen.

Etwa 90 % der medizinischen Versorgung findet im niedergelassenen Bereich statt, davon ein Großteil in Hausarztpraxen. Der Verbund hafo.nrw wird einen wichtigen Beitrag zu solider Forschung mit hoher methodischer Qualität in diesem wichtigen Sektor leisten und darüber die allgemeinmedizinische Forschung insgesamt langfristig stärken.
 

Ansprechpartnerin:
Inés van der Arend, M.Sc.
Tel.: 0241 80-88303
ivanderarendukaachende

Das Forschungsprojekt erprobt neue Ansätze um Menschen, die an Diabetes Mellitus Typ 2 und / oder koronarer Herzkrankheit leiden, beim Selbstmanagement ihrer Erkrankung zu unterstützen. Dazu werden die bestehenden strukturierten Behandlungsprogramme (Disease Management Programme, DMP) für chronisch Kranke mit Diabetes mellitus Typ 2 und koronarer Herzkrankheit durch ein neu entwickeltes, individuell zugeschnittenes Selbstmanagement Unterstützungsprogramm erweitert.

Das Programm besteht aus 4 Komponenten:

  1. Peer-Support Gruppen, die von Betroffenen geleitet werden. Die Teilnehmer der Gruppen werden mehrmals von professionellen (Sport-)Therapeuten angeleitet, sich ausreichend zu bewegen und ausgewogen zu ernähren und treffen sich dann 1 Mal pro Woche
  2. Eine Online Plattform, welche die Themenbereiche Sport/körperliche Aktivität, Ernährung und Motivation zur Verhaltensumstellung vermittelt und den Teilnehmern sowie Gruppenleitern Möglichkeit zum Austausch gibt.
  3. Ein bedarfsorientiertes Telefoncoaching zur motivationalen Unterstützung bei der nachhaltigen Veränderung des Gesundheitsverhaltens für ausgewählte Teilnehmer.
  4. Personalisierte Feedbackberichte zu den Laborwerten und weiteren klinischen Parametern, die mit dem Hausarzt besprochen werden.

Studienteilnehmer (Versicherte der AOK Rheinland / Hamburg und BARMER) werden durch Hausarztpraxen, die von den beteiligten Instituten für Allgemeinmedizin (Aachen, Bonn, Essen, Düsseldorf, Köln) rekrutiert wurden, für die Studienteilnahme geworben. Die Studienregion liegt im Gebiet der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. Insgesamt sollen ca. 1.700 Patienten eingeschlossen werden. Langfristig soll der Krankheitsverlauf bei den Betroffenen durch das verbesserte Selbstmanagement und Veränderungen im Ernährungs- und Bewegungsverhalten positiv beeinflusst werden. Hauptzielkriterium ist eine Verminderung der Krankenhauseinweisungen.

  • Laufzeit: November 2019 – Oktober 2023
  • Konsortialführung: Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie (IGKE) an der Universitätsklinik Köln (Prof. Dr. Stephanie Stock)
  • Fördernde Institution: Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA)

Link zur P-SUP Website: www.p-sup.de

Ansprechpartnerin:
Inés van der Arend, M.Sc.
Tel.: 0241 80-88303
ivanderarendukaachende