Nachgefragt beim Vorstand

Herr Prof. Ittel, die Uniklinik bekommt einen neuen Zentral-OP und einen angeschlossene Erweiterungsbau der Intensivabteilung. Warum gerade diese Investition?

Prof. Thomas Ittel: Ganz simpel: Der jetzige OP ist fast 40 Jahre alt und kann mittlerweile in punkto Ausstattung und Größe nicht mehr lange mit den medizinischen Innovationen und den Anforderungen an ein modernes OP-Management mithalten. Er ist baulich, aber auch im Blick auf die strukturelle Anbindung schlicht modernisierungsbedürftig. Dass wir jetzt die Landesmittel dafür bekommen, ist für unser Haus ein Glücksfall, aber auch für die Region. Mit 6.700 Beschäftigten ist unser Haus ein zentraler Faktor für Wachstum und Beschäftigung in der Region.

Können Sie die Entwicklung der letzten Jahre beschreiben?

Prof. Thomas Ittel: Unser Haus ist in den letzten zehn Jahren um rund 30 Prozent gewachsen, wir behandeln mittlerweile rund 250.000 Patienten im Jahr, die zudem immer komplexer erkrankt sind. Nehmen Sie den Benchmark des Verbands der Unikliniken Deutschlands: Er vergleicht auf Basis valider Daten seit mehr als zehn Jahren die Leistungsdaten der Uniklinika, also eine Art Gradmesser für die Entwicklungsfähigkeit der einzelnen Häuser. Vor einigen Jahren war Aachen weit von einer Top Ten-Platzierung entfernt. Beim Vergleich des Fallschweregrades (CMI) der behandelten Erkrankungen belegte unser Haus von bundesweit 34 Unikliniken im Jahr 2008 Platz 19. Das hat sich in den letzten Jahren spürbar gewandelt: Mittlerweile hat unser Haus als Ergebnis seiner strategischen Leistungsentwicklung im CMI-Ranking mit dem dritten Platz eine Spitzenposition erreicht. Kein anderes Krankenhaus in NRW behandelt komplexere Erkrankungen und wenn man 1.980 Krankenhäuser in Deutschland zugrunde legt, dann liegt unsere Uniklinik in der Fallschwere vor 1.977 anderen Häusern.

Herr Asché, trifft diese Leistungsentwicklung auf alle Unikliniken zu?

Peter Asché: Nein, eindeutig nicht, nur knapp eine Handvoll der Unikliniken haben ein positives Jahresergebnis – darunter auch Aachen, und das schon seit einigen Jahren. Zum Teil erwarten andere Unikliniken Fehlbeträge im zweistelligen Millionenbereich. Demgegenüber haben wir Grund zur Freude: Insgesamt haben wir unsere Leistung im letzten Jahr um gut vier Prozent gesteigert und vor allem bei der Behandlung komplexer Fälle – beispielsweise in der Intensivmedizin und im Weaning – zugelegt. Strukturelle Maßnahmen und Neuverhandlungen, z. B. im Energiebereich, haben zudem zu Kostensenkungen beigetragen.

Warum ist die Finanzlage für viele Unikliniken so dramatisch?

Peter Asché: Die Spitzenmedizin an den Universitäten ist leider chronisch unterfinanziert. Der 2. Extremkostenbericht des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) zei t, dass Unikliniken und Maximalversorger im Bereich der Extremkostenfälle nach wie vor deutlich schlechter finanziert sind als kleinere Krankenhäuser. Während Universitätsklinika und Maximalversorger überproportional viele unterfinanzierte Fälle haben, haben die anderen Krankenhäuser überdurchschnittlich viele überfinanzierte Fälle. Im Vergleich zu anderen Kliniken ist der Anteil an besonders aufwendigen und teuren Behandlungen an Universitätsklinika höher. Insofern hat das Modernisierungsprogramm eine besondere Bedeutung: Wir werden hier mit dem Land gemeinsam die Strukturen des Hauses für die nächsten Jahre entwickeln und unser Haus zukunftssicher modernisieren.

In welchen Schritten verläuft die Modernisierung?

Peter Asché: Wir werden zunächst mit einem Parkhaus beginnen, um die Entwicklungsfläche vor unserem Haus nutzen zu können. Dann widmen wir uns dem Vorplatz und der baulichen Umsetzung des Verkehrskonzepts. Im Anschluss werden wir das Baufeld freimachen. Vorher werden wir noch gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der Stadt und der StädteRegion den Bebauungsplan ausstellen und eine Bürgerbeteiligung durchführen.

Welche Rolle spielen der neue Zentral-OP und die Modernisierungsmaßnahmen für Ihre Planungen insgesamt?

Prof. Thomas Ittel: Das ist für uns entscheidend. Wir möchten Medizin made in Aachen wieder bundesweit zu einem bekannten Gütesiegel machen, aber auch die regionale Versorgung stärken. Dafür ist ein leistungsstarker OP eine erfolgskritische Bedingung. Das ist für unser Haus und die Region eine große Chance und Herausforderung gleichermaßen.