Telematik in der Intensivmedizin

Der demographische Wandel führt in Zukunft zu einer erhöhten Anzahl zu behandelnder älterer und chronisch kranker Menschen und einer Notwendigkeit strukturschwache ländliche Gebiete medizinisch zu versorgen und teure medizinische Innovationen zu finanzieren. Diese Herausforderungen können nur mit Hilfe von flächendeckenden Telematik- und Telemedizinanwendungen bewältigt werden. Sie ermöglichen eine bessere und effizientere Versorgung und einen breiteren Zugang zu medizinischer Expertise insbesondere auch in ländlichen Regionen. Das erfolgreiche Projekt Telematik in der Intensivmedizin (TIM), das deutschlandweit erste geschlechtergerechte telemedizinische Projekt in der Intensivmedizin, wurde aus Mitteln des EFRE/NRW Ziel2 Medizin und Gender Programms gefördert und wurde zu Beginn, wie auch im weiteren Verlauf mehrfach ausgezeichnet. 

Auszeichnung als „Bestes digitales Projekt in Deutschland im Bereich Gesundheit“ von der Initiative Intelligente Vernetzung des BMWi

Sieger Karl Storz Telemedizinpreis 2014

Siegerprojekt im Wettbewerb „IuK & Gender Med.NRW“

Finalist des 12. eGovernment-Wettbewerbs in der Kategorie „Bester Lösungsbeitrag für ein gesellschaftliches Problem“

Das Projekt TIM birgt enormes Potential, um mit seinem nationalen Alleinstellungsmerkmal einen exzellenten Beitrag für den High-Tech Cluster Telemedizin in Nordrhein-Westfalen zu leisten.

In der Tele-Intensivmedizin-Zentrale von telemed.AC werden Patientinnen und Patienten auf Wunsch rund um die Uhr zusätzlich telemetrisch überwacht. Ein Team aus erfahrenen Intensivpflegekräften, Fachärztinnen und Fachärzten sowie Oberärztinnen und Oberärzten steht Ihnen kontinuierlich zur Verfügung, um Sie zu unterstützen.

Erste Erfahrungen

Die ersten Erfahrungen aus dem Projekt TIM sind aus technischer und medizinscher Sicht ermutigend. Eine sichere und qualitativ hochwertige, zuverlässige audiovisuelle Datenübertragung gewährleistet die teleintensivmedizinischen Visiten durch verzögerungsfreie und hochauflösende Bilder. Patientinnen und Patienten, beteiligte Ärztinnen und Ärzte kommen realistisch und zum Greifen nah zur Darstellung. Durch die Übertragung von Werten und Kurven intensivmedizinscher Überwachungsmonitore und von Beatmungsgeräten stehen diese in detailgetreuer Auflösung zur gemeinsamen Betrachtung zur Verfügung.

Ebenso von größter Bedeutung ist es, die Beteiligung und Einschätzung von Patientinnen und Patienten und ihren Angehörigen aufzunehmen. Wir machten die Erfahrung, dass Patientinnen und Patienten ebenso wie deren Angehörige Tele-Intensivmedizin als wertvolles Angebot und sinnvolle Ergänzung für ihre Sicherheit und Behandlungsqualität wahrnehmen. Bereits jetzt wird von den Patientinnen und Patienten einhellig die Aufrechterhaltung des Tele-Intensivmedizinischen Angebots in den regionalen Häusern befürwortet.

Die Anpassungsfähigkeit der zertifizierten IT-Infrastruktur „Fallakte-Plus“ zeigt, dass mit der Auswahl dieser Plattform nicht nur eine datenschutztechnisch sichere Lösung, sondern auch eine zukunftssichere Telematik-Infrastruktur für die Tele-Intensivmedizin in NRW realisierbar ist, die die Grundbedarfe der Tele-Intensivmedizin abbildet.

Ziel des Projektes

Ziel des Projekts ist die Etablierung einer innovativen telemedizinischen Plattform unter Nutzung der Basisinfrastruktur elektronische Fallakte (eFA), um die hochspezialisierte, qualitativ exzellente universitäre Intensivmedizin in die Fläche zu bringen. Auf diese Weise soll die Qualität in den ländlichen Einrichtungen verbessert werden, um zusätzliche Leben zu retten und das Bedürfnis der Patientinnen und Patienten nach einer optimalen Behandlung und Versorgung erfüllen zu können. Diese Lösung muss ferner auch in anderen medizinischen Anwendungsbereichen nutzbar sein, um Aussicht auf Verbreitung zu haben.

Zudem wird auf der Intensivstation der Uniklinik RWTH Aachen ein telemedizinisches und automatisiertes Frühwarnsystem zur Erkennung einer Sepsis evaluiert. Ein wichtiges Projektziel ist die Analyse und Optimierung geschlechtsspezifischer Unterschiede im Umgang mit der IT-Bedienoberfläche.
Außerdem ist ein Ziel des Projektes TIM ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln, dass in die Regelversorgung übergeht. Dadurch werden dezentrale Arbeitsplätze gesichert und neue Arbeitsplätze in Telemedizinzentren geschaffen. Durch die Kooperation von Intensivmedizinern und Intensivmedizinerinnen sowie Technologiepartnern und Technologiepartnerinnen wird die bestehende Lücke zwischen der Telemedizin in der Forschung und der klinischen Praxis geschlossen.

Akzeptanz des Projektes

Die Akzeptanz der Patientinnen und Patienten sowie der Angehörigen war während des gesamten Projektes sehr hoch.

TIM in Zahlen

Im Januar 2014 konnte der Produktivbetrieb des Projektes gestartet werden. Einige Daten der vorläufigen Auswertungen werden hier präsentiert.

TIM-Produktivbetrieb
Jan-Dez 2014
Gesamtanzahl
Jan-Dez 2014
Anzahl Patientinnen und Patienten 1123
Intensivmedizinische Televisiten 2423
Diagnostische Empfehlungen 437
Therapeutische Empfehlungen 680
Sepsis-detektionen 134

  • Förderer: EFRE/NRW Ziel2 Medizin und Gender
  • Projektumfang: 2,1 Millionen € über 3 Jahre
  • Projektpartner: Uniklinik RWTH Aachen, Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care, Franziskushospital Aachen, St. Elisabeth Krankenhaus Jülich, Cisco GmbH, T-Systems GmbH
  • Projektleiter: Univ.-Prof. Dr. med. Gernot Marx, Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care

Unsere Vision

In Zukunft können in der Tele-Intensivmedizin-Zentrale von telemed.AC Patientinnen und Patienten auf Wunsch rund um die Uhr zusätzlich telemetrisch überwacht werden. Ein Team aus erfahrenen Intensivpflegekräften, Fachärztinnen und Fachärzten sowie Oberärztinnen und Oberärzten wird Ihnen kontinuierlich zur Verfügung stehen, um Sie zu unterstützen. Nicht nur bei seltenen Krankheitsbildern bieten wir Ihnen Behandlungsinformationen auf dem aktuell verfügbaren höchsten Evidenzniveau, sondern auch mithilfe automatischer Datenbankanalysen der Vitaldaten sowie klinischen Informationen bieten wir eine zusätzliche kontinuierliche Überwachung von Grenzwerten für Vitalparameter und Laborwerte. Hierzu definieren wir gemeinsam mit Ihnen und den teilnehmenden Kliniken Grenzwerte und legen gemeinsam die notwendigen Kommunikationsschritte sowie Art und Umfang der Telekonsultation fest. Bei Bedarf kann jederzeit aus Ihren Behandlungsräumen, gleich ob Intensivstation, Schockraum oder Überwachungsstation, eine Videokonferenz initiiert sowie Bilddateien auch in Echtzeit übertragen werden. In Zukunft werden wir Sie auf Wunsch auch bei der Einführung klinischer Protokolle und Behandlungspfade unterstützen.Auf Basis einer zertifizierten IT-Infrastruktur, der Fallakte-Plus, bieten wir außerdem 24 Stunden täglich einen intensivmedizinischen Konsil-Dienst zum kollegialen Austausch im Sinne einer Zweitmeinung an. Darüber hinaus koordinieren wir Kommunikation und Zusammenarbeit mit unseren operativen Partnerinnen und Partnern. So wird durch die enge Kooperation aller beteiligten Kliniken und Rettungsdienste im TraumaNetzwerk® Regio Aachen eine lückenlose Unterstützung der Versorgung Schwerstverletzter von der Unfallstelle, über die Erstversorgung und weiterführende Intensivtherapie bis zur Rehabilitation unterstützt.Interessierten Kliniken bieten wir die Möglichkeit regelmäßiger teleintensivmedizinischer Visiten und Fallbesprechungen.Telemedizin rückt im Hinblick auf die Verabschiedung des neuen eHealth Gesetzes, das voraussichtlich 2016 in Kraft treten wird, weiter in den Fokus. Ziel ist es, die Chancen der Digitalisierung für die Gesundheitsversorgung zu nutzen und schneller nutzbringende Anwendungen zu ermöglichen. Auf diese Weise soll der Übergang erfolgreicher Pilotprojekte in die allgemeine Gesundheitsversorgung besser gelingen.

Ansprechpartner
Univ.-Prof. Dr. med. Gernot Marx, FRCA
Tel.: 0241 80-80444
Fax: 0241 80-3380444
telemedac@ukaachen.de