Erstmals künstliche Hornhauttransplantation an der Uniklinik RWTH Aachen

Am 24. April 2024 hat die Klinik für Augenheilkunde der Uniklinik RWTH Aachen als vierte Klinik in Deutschland erfolgreich einen künstlichen Hornhautersatz (Keratoprothese) implantiert. Das künstliche Gewebe EndoArt© (Artificial Endothelial Layer) ähnelt sehr dem menschlichen und ermöglicht eine Transplantation der Endothelschicht und somit eine effiziente Behandlung von Hornhautödemen, ohne auf eine menschliche Hornhautspenden zu warten. Im Unterschied zu menschlichem Spendermaterial kann EndoArt© auch nicht abgestoßen werden.

Die Hornhaut im Auge erfüllt einige wichtige Funktionen. Sie schützt nicht nur das Augeninnere vor äußeren Einflüssen, sondern ist lichtdurchlässig und bündelt mit der Augenlinse das Licht und projiziert es auf die Netzhaut. Dadurch wird ein scharfes Bild ermöglicht. Dafür ist eine klare, gesunde Hornhaut sehr wichtig. Insgesamt besteht die Hornhaut aus fünf unterschiedlichen Teilschichten: Die äußerste Schicht, die Epithelschicht, darunter liegt die Bowman-Lamelle. Die dritte und dickste Schicht ist das Stroma, es besteht aus festem kollagenem Bindegewebe. Die vierte Schicht, die sogenannte Descemet-Membran befestigt das Endothel am Stroma. Die innerste Schicht ist die Endothelzellschicht. Sie pumpt kontinuierlich das Wasser aus der Hornhaut, um diese klar zu halten. Ist die Endothelschicht einmal beschädigt, kann sie sich nicht von allein regenerieren. Eine Heilung ist heutzutage zwar möglich, allerdings nur mithilfe eines Hornhautersatzes. Bis vor Kurzem war dafür immer eine menschliche Hornhautspende notwendig. Diese Spenden sind jedoch aufwendig und Patientinnen und Patienten, die eine Transplantation benötigen, müssen auf ein geeignetes Transplantat warten.

Künstlicher Hornhautersatz erweitert die Behandlungsmöglichkeiten bei Patientinnen und Patienten

Dem Team der Klinik für Augenheilkunde der Uniklinik RWTH Aachen ist es nun unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. med. Matthias Fuest als vierter Standort in Deutschland gelungen, eine künstliche Endothelschicht der Hornhaut zu transplantieren. Das EndoArt© (Artificial Endothelial Layer) besteht zu 100 Prozent aus synthetischem Material und ersetzt die Endothelschicht. Durch eine minimalinvasive Methode ist der Eingriff schmerzfrei und gut verträglich, sodass nach einer gelungenen Transplantation die Schmerzen wieder verschwinden und sich das Sehvermögen verbessert. Auch das Abstoßungsrisiko des künstlichen Gewebes ist gering – ein weiterer Vorteil gegenüber der menschlichen Gewebespende. „Es ist großartig, dass wir hier an unserem Standort ein Teil dieser noch jungen Entwicklung sein dürfen und das Verfahren mit etablieren dürfen. Das gibt zukünftig vielen Menschen die Möglichkeit einer Behandlung, bei denen die Ausgangssituation für ein menschliches Transplant, z.B. auf Grund von Entzündungen im Auge oder Voroperationen schlecht sind, die Möglichkeit einer deutlichen Sehverbesserung“, erklärt Univ.-Prof. Dr. med. Matthias Fuest, Inhaber des Lehrstuhls für Erkrankungen des vorderen Augenabschnittes.

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