MGA-Themenabend am 19.5.2026: „Wenn Einsamkeit krank macht…"

Die Medizinische Gesellschaft Aachen (MGA) hatte zu einem Abend mit dem Thema „Wenn Einsamkeit krank macht und was wir dagegen tun können“ eingeladen. Mehr als 50 Teilnehmende erlebten im Hörsaal 1 des Uniklinikums Aachen ein spannendes Miteinander, moderiert vom MGA-Vorstand Dr. med. Ivo Grebe, Campus-Praxis der Uniklinik Aachen sowie Vertreter der Ärztekammer Nordrhein, Kreisstelle Aachen.

Prof. Bölting, Professor für Sozialwissenschaften, Wohn-und Raumsoziologie an der EBZ Business School in Bochum, beschrieb Einsamkeit als eine wachsende soziale Herausforderung, die nicht nur ältere Menschen betraf, sondern eng mit gesellschaftlichen, räumlichen und sozialen Strukturen in Stadt und Quartier verknüpft war. Er zeigte, dass Stadtplanung und Wohnungswirtschaft gezielt gegen Isolation wirken konnten, indem öffentliche Räume, Gemeinschaftsorte, neue Wohnformen und „Infrastrukturen des Gemeinsamen“ geschaffen wurden, die Begegnung, Teilhabe und soziale Vernetzung förderten. Sein Fazit war, dass Einsamkeit nicht allein individuell lösbar sei, sondern kommunale, quartiersbezogene und koproduktive Ansätze brauche, die Räume schufen, Gemeinschaft aktiv moderierten und soziale Innovation unterstützten.

Ute Offermann-Wilden , Koordinatorin der Senioren- und Quartiersarbeit der Malteser in Aachen-Richterich, stellte dar, dass Quartiersarbeit im Alter ein zentraler Schlüssel gegen Einsamkeit ist, indem soziale Kontakte, Teilhabe und ein möglichst selbstständiges Leben im eigenen Zuhause gefördert sowie Angehörige entlastet werden. Sie zeigte anhand der Malteser-Arbeit in Richterich, dass durch ehrenamtlich mitgetragene Beratungs-, Demenz- und Quartiersangebote – etwa Besuchsdienste, Café Malta, digitale Formate, Kulturbegleitung, Mobilitäts- und Freizeitangebote – vielfältige niedrigschwellige Begegnungsräume entstanden sind, die soziale Isolation reduzieren. Ihr Fazit war, dass wirksame Quartiersarbeit von verlässlichen Strukturen, Ehrenamt, Vernetzung und kontinuierlich weiterentwickelten alltagsnahen Angeboten lebt.

Prof. Dr. Roman Rolke, Direktor der Palliativmedizin am Uniklinikum und Vorsitzender der Medizinischen Gesellschaft Aachen, beschrieb Einsamkeit als mehr als bloßes Alleinsein und spannte den Bogen von Wohlbefinden, sozialer Verbundenheit und philosophischen Deutungen bis zur Frage, was Menschen in existenziellen Grenzsituationen am Lebensende trägt. Er führte das Konzept der „Letztverlässlichkeit“ als eine Form existenzieller Verlässlichkeit ein, die nicht auf Heilung oder Kontrolle zielt, sondern auf Bleiben, Beziehung und die erfahrbare Gewissheit, in schwerer Krankheit und im Sterben nicht verlassen zu werden. Sein Fazit war, dass Palliativmedizin die Unplanbarkeit des Lebensendes akzeptieren müsse und Letztverlässlichkeit auf Haltungs-, Beziehungs- und Strukturebene konkret gelebt werde – durch Präsenz, verlässliche Begleitung und Fürsorge auch dort, wo keine kurative Lösung mehr möglich sei.

v.l.: Prof. Dr. Torsten Bölting, Ute Offermann-Wilden, Prof. Dr. Roman Rolke und Dr. Ivo Grebe freuen sich über einen gelungenen Themenabend.

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