Einfluss systemischer Erkrankungen auf Mechanismen des parodontalen Remodellings

Die Gewebe des Zahnhalteapparates befinden sich in einem kontinuierlichen Prozess der Erneuerung und Anpassung. Dieses sogenannte parodontale Remodelling ist essenziell für die Erhaltung der Mundgesundheit, die Stabilität der Zähne sowie die Regeneration von Hart- und Weichgeweben. 

Während bakterielle Beläge, mechanische Belastungen und Traumata seit Langem als wichtige Einflussfaktoren bekannt sind, zeigen aktuelle Forschungsergebnisse, dass auch systemische Erkrankungen einen entscheidenden Einfluss auf diese Prozesse haben. Erkrankungen wie chronische Niereninsuffizienz, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen, Lebererkrankungen oder hämatologische Erkrankungen können die biologischen Mechanismen des parodontalen Remodellings nachhaltig verändern und so zum Abbau von Zahnhaltegewebe und Kieferknochen beitragen. 

Der Sonderforschungsbereich SFB1739 untersucht die molekularen und zellulären Mechanismen, über die systemische Erkrankungen die Wechselwirkungen zwischen Weichgewebe und Alveolarknochen beeinflussen. Ziel ist es, die bislang weitgehend unbekannten Signalwege und Mediatoren dieser Organ-zu-Parodont-Crosstalk-Achse zu identifizieren und ihre Bedeutung für Gesundheit und Krankheit zu verstehen. 

Durch die enge Zusammenarbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Zahnmedizin, Humanmedizin und Grundlagenforschung entsteht eine einzigartige Forschungsplattform, die klinische Beobachtungen mit modernen experimentellen und technologischen Ansätzen verbindet. Langfristig sollen die gewonnenen Erkenntnisse die Grundlage für neue diagnostische Verfahren und innovative Therapieansätze schaffen, um die Mundgesundheit von Patientinnen und Patienten mit systemischen Erkrankungen nachhaltig zu verbessern. 

Verstehen
Modulieren
Translatieren

Der SFB1739 wird von der RWTH Aachen University und der Uniklinik RWTH Aachen getragen und ist Teil des international sichtbaren Forschungsschwerpunkts „Organ Crosstalk“. 

Die Ziele des SFB1739

Der Sonderforschungsbereich SFB1739 verfolgt das langfristige Ziel, die Wechselwirkungen zwischen systemischen Erkrankungen und dem parodontalen Remodelling zu entschlüsseln und dieses Wissen in neue diagnostische und therapeutische Ansätze zu überführen. Die Forschungsstrategie des Konsortiums folgt dabei drei aufeinander aufbauenden Schritten:

Verstehen 

In der ersten Förderphase untersucht SFB1739 die molekularen und zellulären Mechanismen, durch die systemische Erkrankungen die Regeneration, Homöostase und Stabilität des Zahnhalteapparates beeinflussen. Ziel ist es, neue Mediatoren, Signalwege und biologische Prozesse zu identifizieren, die dem gestörten parodontalen Remodelling zugrunde liegen. 

Modulieren 

Auf Basis dieser Erkenntnisse werden in der zweiten Förderphase die identifizierten Mechanismen gezielt beeinflusst. Durch experimentelle Ansätze sollen krankheitsrelevante Signalwege, Zellfunktionen und Gewebeprozesse modifiziert werden, um neue Möglichkeiten zur Prävention und Behandlung parodontaler Gewebeschäden zu entwickeln. 

Translatieren 

In der dritten Förderphase sollen die gewonnenen Erkenntnisse in die klinische Anwendung überführt werden. Ziel ist die Entwicklung innovativer diagnostischer Verfahren, Biomarker und Therapiestrategien, die eine personalisierte Behandlung von Patientinnen und Patienten mit systemisch bedingten Störungen des parodontalen Remodellings ermöglichen. 

Aktuelles aus dem SFB1739 Weichgewebe-Knochen-Crosstalk

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