Augmented Reality in der Aufklärung zur Kieferoperation: Monitor bleibt vorerst die praktikablere Lösung

Vor einer geplanten Kieferumstellungsoperation müssen Patientinnen und Patienten verstehen, was gemacht wird – und welche Folgen und Risiken damit verbunden sind. 3D-Modelle können dabei helfen die Anatomie und geplante Veränderungen zu erklären. Ein Team des University Medical Centre Groningen, University Medical Centre Utrecht und der Uniklinik RWTH Aachen hat geprüft, ob Augmented Reality (AR) im Vergleich zu einer 3D-Darstellung auf einem konventionellen Bildschirm zusätzlichen Nutzen bringt. Ergebnis: Die Erklärung am Bildschirm wurde besser bewertet, beim Wissen gab es keinen Unterschied.

Hintergrund und Problemstellung:
Korrektive Kieferchirurgie (orthognathe Chirurgie) ist meist eine geplante Operation. Patientinnen und Patienten entscheiden gemeinsam mit dem Behandlungsteam über Vorgehen und Ziele. Dafür braucht es eine verständliche Aufklärung: Was wird am Ober- oder Unterkiefer verändert, wie sieht der Plan aus und welche Risiken gibt es? AR verspricht, 3D-Modelle „im Raum“ erlebbar zu machen – ob das die Aufklärung verbessert, ist bisher nicht gut belegt.

Was wurde erforscht?
In einer multizentrischen, randomisierten Pilotstudie wurden 60 Patientinnen und Patienten in drei Universitätskliniken in Deutschland und den Niederlanden eingeschlossen. Nach dem regulären Erstgespräch erhielten alle eine zusätzliche, standardisierte Erklärung mit 3D-Modellen (maximal 20 Minuten). Der Unterschied lag nur in der Darstellung: entweder auf einem normalen Monitor oder über eine AR-Brille (HoloLens 2). Gezeigt wurden Knochenstrukturen, der geplante Eingriff, mögliche Risiken (zum Beispiel eine Reizung oder Verletzung eines Kiefernervs) und die erwarteten Veränderungen im Gesicht.

Was wurde herausgefunden?
Die Zufriedenheit mit der Aufklärung war in der Gruppe die am 3D-Modell auf dem Bildschirm aufgeklärt wurde höher als in der Gruppe mit Augmented Reality. In dem standardisierten Zufriedenheitsfragebogen lagen die geschätzten Mittelwerte bei 8,44 Punkten (Bildschirm) und 7,69 Punkten (AR). Beim Wissenserwerb unterschieden sich die Gruppen nicht: Beide beantworteten die Verständnisfragen ähnlich. Frauen bewerteten die Erklärung auf dem Bildschirm deutlich besser, bei Männern zeigte sich kein Unterschied. Fast alle Teilnehmenden würden anderen Patientinnen und Patienten eine zusätzliche Aufklärung mit 3D-Modellen empfehlen – unabhängig von der Darstellung auf einem Bildschirm oder mit Augmented Reality. 

Was bedeutet das?
Für Patientinnen und Patienten und Teams in der Kieferchirurgie heißt das: 3D-Modelle sind als Ergänzung zur Aufklärung hilfreich, aber AR bietet in der aktuellen Form keinen klaren Vorteil gegenüber dem Monitor. Der Monitor ist einfacher in den Ablauf integrierbar und wurde in dieser Studie als angenehmer erlebt. Für die Versorgung ist das ein wichtiger Hinweis, digitale Lösungen konsequent nach ihrem tatsächlichen Nutzen zu prüfen.

„Wir wollten wissen, ob Darstellung der 3D Modelle mit Augmented Reality die Aufklärung vor einer Kieferoperation spürbar verbessert. In unserer Pilotstudie war das nicht der Fall – die Erklärung am Monitor wurde insgesamt besser bewertet, ohne dass Augmented Reality mehr Wissen vermittelte“, sagt Dr. Dr. Behrus Hinrichs‑Puladi. „Das zeigt, wo wir bei digitaler Patienteninformation ansetzen müssen: Bedienbarkeit, Bildqualität und ein reibungsloser Einsatz in der Sprechstunde.“

Die Studie wurde hier veröffentlicht: Sander Tabernée Heijtmeijer, Noa Nicolai, Nard Janssen et al., Behrus Hinrichs‑Puladi: Shared decision making using augmented reality a multicentre pilot randomised controlled trial in orthognathic surgery. npj Digital Medicine, 2026. DOI: https://doi.org/10.1038/s41746-026-02688-1

KI-generiert (copilot auf der Basis von Originalfotografien)

Für Presserückfragen wenden Sie sich bitte an:

Uniklinik RWTH Aachen
Stabsstelle Unternehmenskommunikation
Dr. Mathias Brandstädter
Tel. 0241 80-89893
kommunikationukaachende