CareConnect: Digitale Unterstützung für den Pflegealltag

Wie digitale Technik Pflegekräfte in Altenpflegeeinrichtungen entlasten kann, zeigt das Modellprojekt CareConnect. Unter der Leitung von Prof. Dr. med. Jörg C. Brokmann, Leiter des Zentrums für klinische Akut- und Notfallmedizin an der Uniklinik RWTH Aachen, und gefördert vom GKV‑Spitzenverband, erprobte das Projekt, wie Pflegeeinrichtungen mithilfe von Telemedizin einfache ärztliche Unterstützung erhalten können, ohne dass die Bewohnerinnen und Bewohner die Einrichtung verlassen müssen. 

Gemeinsam mit den Aachener Pflegeeinrichtungen Haus Hörn und SKM Rothe Erde fanden über mehrere Monate hinweg digitale Sprechstunden und Beratungen statt. Pflegekräfte konnten medizinische Fragen selbst anstoßen und sich beispielsweise zu Wunden, Infekten, Medikamenten oder zahnmedizinischen Themen fachlich beraten lassen. Insgesamt wurden 152 Fälle bei 69 teilnehmenden Bewohnerinnen und Bewohnern digital begleitet. In über 80 Prozent der Fälle ließ sich das Anliegen klären, ohne dass ein Arztbesuch vor Ort oder ein Krankenhausaufenthalt notwendig war. Dass die digitale Befundung dabei höchsten medizinischen Standards entspricht, belegt die Begleitforschung: In der Zahnmedizin war die Dringlichkeitseinschätzung in 100 Prozent der Fälle korrekt. Die Erfahrungen aus CareConnect zeigen, dass telemedizinische Unterstützung funktioniert und von allen Beteiligten gut angenommen wird. Dass dieses Modell auch über die Projektlaufzeit tragfähig ist, beweist die aktuelle Entwicklung in der Praxis: Beide Seniorenzentren führen die Telepflege bereits im Regelbetrieb fort, ermöglicht durch wegweisende Selektivverträge mit Krankenkassen. Pflegekräfte berichteten zudem, dass sie sich durch die schnellen fachlichen Rückmeldungen sicherer fühlten und Entscheidungen leichter treffen konnten. Gleichzeitig ersparte die telemedizinische Unterstützung vielen Bewohnerinnen und Bewohnern belastende Transporte.Nach der elfmonatigen Interventionsphase lassen sich aus den Projekterfahrungen klare Empfehlungen ableiten: Damit digitale Pflegeangebote dauerhaft im Alltag genutzt werden können, brauchen Pflegeeinrichtungen eine stabile Internetverbindung sowie interoperable technische Systeme, die ohne zeitfressende Doppeldokumentation direkt mit der vorhandenen Pflegesoftware kommunizieren und praxisnahe Schulungen für Pflegekräfte. Zudem muss die Telepflege als präventive Leistung nach § 5 SGB XI anerkannt und strukturell finanziert werden, damit sie kein Privileg einzelner Modellprojekte bleibt, sondern flächendeckend zur Entlastung beitragen kann.

CareConnect zeigt beispielhaft, wie Telepflege zu einem festen Bestandteil der Arbeit in Pflegeeinrichtungen werden kann, um das Personal zu entlasten und gleichzeitig die Versorgung vor Ort zu verbessern. CareConnect verdeutlicht eindrucksvoll, wie mit dem gezielten Einsatz praxisnaher Technik und dem hohen Engagement der Pflegekräfte ein signifikanter Mehrwert für die Versorgung geschaffen werden kann, der weit über den ursprünglichen Förderrahmen hinausreicht.

Fallbeispiel: Zahnmedizinische Versorgung (Herr A.)

Durch die zahnärztliche digitale Konsultation und intraorale Scans, durchgeführt durch eine Pflegefachkraft vor Ort, konnten die Zahnprobleme des Bewohners ohne belastende Fahrten in die Praxis diagnostiziert werden. Nach der Behandlung konnte eine Zahnprothese angepasst werden, mit der der Bewohner wieder feste Nahrung zu sich nehmen kann. Dies empfindet der Bewohner als bedeutende Steigerung seiner Lebensqualität. 

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