Fertilitätsprotektion

Chemo- oder Strahlentherapie können zu einer dauerhaften Sterilität führen. Für die Fertilitätsprotektion vor einer keimzellschädigenden Therapie bieten wir die folgenden Methoden an:

  • Gabe von Hormonen zur Ruhigstellung der Ovarien
  • In vitro-Fertilisation mit Kryokonservierung von befruchteten Eizellen
  • hormonelle Stimulation mit Follikelpunktion und Kryokonservierung von unbefruchteten Eizellen
  • Entnahme und Kryokonservierung von Eierstockgewebe (Ovargewebe)
  • Kryokonservierung von Spermien aus dem Ejakulat
  • Kryokonservierung von Hodengewebe

Weiterführende Informationen finden Sie in der Broschüre „Kinderwunsch und Krebs“ aus der Reihe „Blaue Ratgeber“ der Deutschen Krebshilfe. Sie können die Broschüre auf der Website der Krebshilfe bestellen oder direkt als PDF herunterladen.

Fertiprotekt, das Netzwerk für fertilitätsprotektive Maßnahmen bei Chemo- und Strahlentherapie, bietet weitere Informationen unter www.fertiprotekt.de.

In dringenden Notfällen, das heißt wenn der onkologische Therapiebeginn zeitnah erfolgen muss, können wir Ihnen umgehend einen Termin geben. Bitte rufen Sie uns unter 0241 80-88971 oder 0241 80-89560 an.

Seit dem 10. Mai 2019 besteht ein gesetzlicher Anspruch auf eine Kostenübernahme der Behandlung durch die Krankenkassen.

Therapie

Gabe von Hormonen zur Ruhigstellung der Ovarien

Die Gabe von „Gonadotropin releasing Hormon“-Analoga (GnRH-Analoga) vor einer Chemotherapie führt zu einer Unterdrückung der Hormone aus der Hirnanhangdrüse, die für die Reifung von Eizellen erforderlich sind. Die monatliche Reifung von Eizellen wird blockiert und die Patientin wird vorübergehend künstlich in die Wechseljahre versetzt. Diese Hormonblockade ist wieder rückgängig zu machen. Nach Ende der Tumorbehandlung wird dann die GnRH-Gabe beendet. Das Ausmaß der Funktionsstörung der Eierstöcke durch eine Chemotherapie ist variabel. Eine Erholung kann innerhalb der ersten zwei Jahre nach Abschluss der onkologischen Therapie erfolgen.

Dieser Therapieansatz basiert auf der Vorstellung, dass die Eierstöcke in einer Art Ruhezustand möglicherweise weniger stark von den Medikamenten der Chemotherapie (Zellgifte) angegriffen werden. Ob und wie wirksam dieser Schutz für Eizellen funktioniert, ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Die hormonelle Blockade der Eierstockfunktion ist in vielen Fällen jedoch eine unkomplizierte und unschädliche Maßnahme vor einer Chemotherapie. Die Wirksamkeit der Chemotherapie wird in den meisten Situationen nicht beeinflusst.

In vitro-Fertilisation mit Kryokonservierung von befruchteten Eizellen

Wenn eine Patientin, die sich einer Chemo- oder Strahlentherapie unterziehen muss, einen konkreten Kinderwunsch und zur Erfüllung des Kinderwunsches einen festen Partner hat, kann die künstliche Befruchtung (In vitro-Fertilisation, IVF) durchgeführt werden. Voraussetzung ist allerdings, dass vor der onkologischen Therapie genügend Zeit (mindestens 14 Tage) für eine hormonelle Stimulation und die Follikelpunktion zur Verfügung steht. In jedem Fall werden jedoch die nach IVF entstandenen befruchteten Eizellen eingefroren (kryokonserviert). Sie stehen nach Ende der Tumortherapie für die Kinderwunschbehandlung des Paares zur Verfügung. Bei einer Rückverpflanzung der Embryonen (Embryonentransfer) müssen beide Partner diesem Vorgang zustimmen. Im Falle zum Beispiel einer Trennung kann nicht einer der Partner alleine über die befruchteten Eizellen verfügen.

Hormonelle Stimulation mit Follikelpunktion und Kryokonservierung von unbefruchteten Eizellen

Die Kryokonservierung von unbefruchteten Eizellen ist ein neues Verfahren, das in erster Linie bei Patientinnen angewendet wird, die sich einer Chemo- oder Strahlentherapie unterziehen müssen und deren Kinderwunsch nicht konkret ist. Falls genügend Zeit (mindestens 14 Tage) vor der Chemo- oder Strahlentherapie zur Verfügung steht, kann eine hormonelle Stimulation der Eierstöcke zur anschließenden Follikelpunktion und Eizellentnahme stattfinden. Dieser Behandlungsschritt entspricht dem Vorgehen in der konventionellen Kinderwunschbehandlung (s. IVF). Nach der Follikelpunktion werden die gewonnenen Eizellen unbefruchtet eingefroren (kryokonserviert). Die Eizellen stehen für eine spätere Kinderwunschbehandlung zur Verfügung. Hierfür müssen sie aufgetaut und in vitro (üblicherweise mittels ICSI) befruchtet werden. Die Befruchtungsrate ist allerdings deutlich niedriger als bei frisch verwendeten Eizellen.

Entnahme und Kryokonservierung von Eierstockgewebe (Ovargewebe)

Der Eierstock trägt viele tausend Eizellen, die im laufe des Lebens „verbraucht“ werden. Einige davon reifen letztlich zu befruchtungsfähigen Eizellen im regelmäßigen Monatszyklus heran.

Mit der Entnahme und dem Einfrieren von Eierstockgewebe außerhalb des Körpers kann man versuchen, mehrere dieser vielen Eizellen vor dem schädigenden Einfluss einer Krebstherapie zu sichern. Die Eizellen sind zu diesem Zeitpunkt noch unreif und nicht befruchtungsfähig.

Vorteile dieser Methode

  • Die Entnahme des Eierstockgewebes ist wenig aufwändig und mit einer Bauchspiegelung erreichbar.
  • Eine Vorbehandlung ist nicht nötig. Die Zeitverzögerung bis zum manchmal sehr schnell notwendigen Beginn einer Krebstherapie ist also sehr kurz.
  • Die Zahl der gewonnenen Eizellen ist sehr hoch.

Nachteile der Methode

  • Die Eizellen sind unreif und nicht befruchtungsfähig.
  • Eine Methode zur Reifung der Eizellen außerhalb des Körpers, sodass die In vitro-Fertilisation durchgeführt werden kann, ist für den Menschen noch nicht entwickelt.
  • Die Rückverpflanzung des Eierstockgewebes nach Stabilisierung des Heilungserfolgs der Krebserkrankung führt nicht zuverlässig zu dem gewünschten Ergebnis, weil das Eierstockgewebe möglicherweise gar nicht oder nur für kurze Zeit biologisch aktiv ist.
  • Tumorzellen (Mikrometastasen) können mit dem Eierstockgewebe in den Körper zurückverpflanzt werden. Ein zuverlässiger Ausschluss solcher Mikrometastasen ist nicht möglich.

Dieses Verfahren stellt bisher kein Standardverfahren bei der Fertilitätsprotektion dar. Auch wenn einige Kinder nach der Transplantation von Ovargewebe geboren wurden, befindet sich diese Behandlungsmethode noch in der Erprobung.

Kryokonservierung von Spermien aus dem Ejakulat

Die Kryokonservierung von Spermien wird vor allem vor einer Chemo- oder Strahlentherapie empfohlen. Diese Therapien gehen in der Regel mit einer vorübergehenden oder dauerhaften Beeinträchtigung der Spermienbildung einher, im Extremfall kommt die Spermienbildung dauerhaft zum Erliegen. Bei einer Langzeitlagerung werden die Spermaproben in der Cryo-Bank der Firma Air Liquide Medical GmbH (www.kryobank.de) eingelagert. Die Spermien werden bei Bedarf für die Kinderwunschbehandlung abgerufen und im Labor der Klinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin gelagert.

Kryokonservierung von Hodengewebe

Vor einer onkologischen Therapie können Hodenbiopsate eingefroren und zu einem späteren Zeitpunkt für die TESE/ICSI aufgetaut werden. Dieses ist nicht das Standardverfahren vor einer onkologischen Therapie, kann im Einzelfall jedoch erforderlich sein. Hodengewebe wird, wie auch Spermien aus Ejakulaten, bei Patienten ohne aktuellen Kinderwunsch in der Cryo-Bank der Firma Air Liquide Medical GmbH (www.kryobank.de) eingelagert.

Verantwortliche

Univ.-Prof. Dr. med. Joseph Neulen
OA Dr. med. Benjamin Rösing
Dr. med. Bartlomiej Berger
Dr. med. Fariba Biazar
Dr. rer. nat. Ute Weißenborn