Hitzefolgen im Blick: RKI erweitert Notaufnahmesurveillance auf Basis der AKTIN-Infrastruktur um einen Hitzeindikator

Extreme Hitze wird zu einer wachsenden Belastung für die Gesundheit. Um ihre Folgen zeitnah beobachten zu können, hat das Robert Koch-Institut seine Überwachung der Notaufnahmen um einen neuen Hitzeindikator erweitert. Dieser macht ab sofort sichtbar, wie viele Menschen sich wegen hitzeassoziierter Beschwerden in Notaufnahmen vorstellen. Konzipiert wurde der Hitzeindikator in dem Forschungsprojekt KlimaNot, ein vom Innovationsfonds gefördertes Konsortium unter der Leitung des Instituts für Public Health in der Akutmedizin (IPHAM) des Universitätsklinikum Magdeburg, an dem auch das Institut für Medizinische Informatik und die Klinik für Altersmedizin der Uniklinik RWTH Aachen beteiligt sind.

Hintergrund und Problemstellung
Hitzewellen treten häufiger auf und können die Gesundheit erheblich gefährden. Damit Gesundheitsbehörden rechtzeitig reagieren können, braucht es aktuelle Informationen darüber, wie stark die Bevölkerung tatsächlich betroffen ist. Die Notaufnahme Surveillance des RKI, also die fortlaufende Beobachtung von Notaufnahmedaten, war bisher vorwiegend auf Infektionskrankheiten ausgerichtet. Gesundheitliche Folgen extremer Hitze wurden darin nicht eigens abgebildet.

Was ist neu?
Der neue Indikator „Hitzeassoziierte Notaufnahmevorstellungen" ergänzt die bestehende Überwachung, die bereits die Syndrome „Grippeähnliche Erkrankungen", „Akute respiratorische Erkrankungen", „Schwere akute respiratorische Infektionen", „Coronavirus" und „Gastrointestinale Infektionen" umfasst.

In dem Dashboard der Notaufnahmesurveillance kann man jetzt die aktuellen Daten einsehen.

Wie funktioniert die Erfassung?
Datengrundlage ist die Plattform für Akut-, Intensiv- und Notfallmedizin, Teil des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM). Über die AKTIN-Infrastruktur übermitteln freiwillig teilnehmende Notaufnahmen täglich Routinedaten aus der Versorgung an das RKI. Seit 2020 lassen sich damit Trends in der Notfallversorgung erkennen. Für die Auswertung eines Syndroms werden nur Notaufnahmen berücksichtigt, deren Daten zu den relevanten Variablen zu mindestens 80 Prozent vollständig sind. Die Zahl der einbezogenen Notaufnahmen kann daher je Syndrom und Erfassungszeitraum schwanken.

Was bedeutet das?
Mit dem Hitzeindikator lassen sich gesundheitliche Folgen extremer Hitze künftig zeitnah und bundesweit beobachten. Da ausschließlich ohnehin anfallende Routinedaten genutzt werden, entsteht für die teilnehmenden Notaufnahmen kein zusätzlicher Dokumentationsaufwand. Die Daten können dazu beitragen, Risiken besser einzuschätzen und Maßnahmen des Gesundheitsschutzes gezielter auszurichten, so die Einschätzung der Universitätsmedizin Magdeburg. Zugleich zeigt die Erweiterung, wie sich eine einmal aufgebaute Forschungs- und Versorgungsinfrastruktur wie AKTIN für neue Fragestellungen des öffentlichen Gesundheitswesens nutzen lässt: von der Pandemiebeobachtung bis zu den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 14.07.2026: „Hitzeindikator: Routinedaten aus Notaufnahmen ermöglichen Beobachtung gesundheitlicher Folgen extremer Hitze". 

Link zur Notaufnahmesurveilance des RKI: https://public.data.rki.de/t/public/views/Notaufnahmesurveillance/DashboardSyndrome

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