FAQ

“Optimierte Akutversorgung geriatrischer Patienten durch ein intersektorales telemedizinisches Kooperationsnetzwerk – rund um die Uhr”“Optimierte Akutversorgung geriatrischer Patienten durch ein intersektorales telemedizinisches Kooperationsnetzwerk – rund um die Uhr”

Aufgrund des „demographischen Wandels“ ändert sich die Zusammensetzung der Bevölkerung in Deutschland. Die Folge dieses Wandels ist, dass die Bevölkerung im Durchschnitt älter wird. Eine besondere Herausforderung ist die angemessene pflegerische und medizinische Versorgung von älteren Menschen in Seniorenresidenzen und Pflegeeinrichtungen. Die steigende Arbeitsbelastung für das Pflegepersonal und die Ärzte im ambulanten Bereich führt dazu, dass eine zeitnahe Versorgung der Patienten, z.B. in Form von Hausarztbesuchen, nicht immer zeitnah gewährleistet werden kann. Die Folge sind unnötige oder vorschnelle Krankenhauseinweisungen sowie Rettungsdienst- und Notarzteinsätze, obwohl es sich in vielen Fällen nicht um ein akutes oder gar lebensbedrohliches Ereignis handelt. Darüber hinaus besitzt der Arzt im Krankenhaus oftmals nicht die gleichen Informationen über die Pflegeheimbewohner wie der Hausarzt. Außerdem ist wissenschaftlich belegt, dass durch Krankenhauseinweisungen die Gefahr von Verwirrtheitszuständen bei Patienten steigen können.  

Ziel dieses Projektes ist es, nicht notwendige oder vorschnelle Krankenhauseinweisungen zu vermeiden und ein Verbleiben in der gewohnten Umgebung zu ermöglichen, soweit dies medizinisch vertretbar erscheint. Gleichzeitig hat das Projekt das Ziel, durch eine bessere Vernetzung der medizinischen Bereiche, den Einsatz von Tele-Sprechstunden und des Frühwarnsystems die medizinische Versorgung zu verbessern.   

Bei Auftreten einer medizinischen Fragestellung kontaktieren die teilnehmenden Pflegeheime zunächst die Arztrufzentrale NRW (116 117), welche nach einer medizinischen Ersteinschätzung die notwendige Hilfestellung organisiert. Neben dem Hausbesuch des Hausarztes ist nun auch eine “Telesprechstunde” mit Ihrem Hausarzt möglich, sofern dieser auch zur Teilnahme am Projekt gewonnen werden konnte. Gleiches gilt außerhalb der Praxisöffnungszeiten für den Arzt des Notdienstes der kassenärztlichen Vereinigung.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass das Pflegeheim eine “Telesprechstunde” mit dem Optimal@NRW-Notfallmediziner durchführen kann, welcher an der Uniklinik RWTH Aachen angesiedelt ist und rund um die Uhr zur Verfügung steht. Der Hausarzt erhält über das Optimal@NRW-Computersystem eine entsprechende Mitteilung, dass sein Patient telemedizinisch behandelt wurde, kann Einsicht nehmen und die weiteren Therapieschritte übernehmen und wie gewohnt durchführen. Nach erfolgter Telesprechstunde können zudem mobile Entlastende Versorgungsassistenten (EVA) das Personal vor Ort unterstützen und ärztlich übertragbare Leistungen erbringen. Somit soll eines der zentralen Projektziele, die Vermeidung unnötiger Krankenhauseinweisungen und eine verbesserte medizinische Versorgung, erreicht werden.

Eine Telesprechstunde, manchmal auch als Televisite bezeichnet, ist wie ein Besuch beim Arzt zu verstehen, nur dass Sie hierfür nicht zu Ihrem Arzt fahren müssen, sondern der Arzt hierbei zu Ihnen nach Hause kommt - jedoch per Computer und Videoschaltung (ähnlich wie Moderator im Studio und Korrespondenten am Ort des Geschehens dies in den TV-Nachrichten praktizieren). Um eine solche Telesprechstunde bei Ihnen durchführen zu können, wird Ihre Pflegekraft mit einem sog. Rollständer zu Ihnen kommen. Auf diesem Rollständer befindet sich ein Bildschirm über den der Bewohner den Arzt sehen und hören kann und eine Kamera, damit der Arzt auch den Bewohner sehen und hören kann. Die Kamera verfügt über eine Vergrößerungsfunktion (Zoom), mit der Ihr Arzt auch einmal “genauer” hinsehen kann. Der Rollständer ist ebenfalls mit medizinischen Geräten (zur Messung von Puls, Blutdruck, Sauerstoffsättigung, EKG, etc.) ausgestattet. Auch das Abhören der Lunge kann mit einem speziellen Abhör-Stethoskop erfolgen. Hierzu wird die Pflegekraft in Absprache mit dem Arzt die Abhörung beim Bewohner durchführen. Die Ton-Übertragung erfolgt wie das Videosignal elektronisch. Der Arzt hört das Geräusch so, als ob Sie persönlich abhören würde.
Erhobene Befunde sowie ärztliche Anordnungen können in einer zentralen elektronischen Patientenakte gespeichert werden und sind im Verlauf auch für die mitbehandelnden Ärzte, also v.a. auch den Hausarzt einsehbar, sofern dieser ebenfalls am Projekt teilnimmt.

ca. 25 Alten- und Pflegeeinrichtungen in der Stadt und Städteregion Aachen, im Kreis Heinsberg sowie im Kreis Düren.

  • die gesetzlichen Krankenkassen Barmer, DAK, IKK classic, TK (Konsortialpartner) sowie die AOK und BKK Landesverband Nordwerst (Kooperationspartner)
  • die Kassenärztliche Vereinigung (Konsortialpartner)
  • Universität Bielefeld (Fakultät für Gesundheitswissenschaften) (Konsortialpartner)
  • Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Kooperationspartner)
  • Ärztekammer Nordrhein (Kooperationspartner)
  • Region Aachen
  • Rettungsdienst der Stadt- und Städteregion Aachen, Kreis Heinsberg und Kreis Düren

Die Teilnahme an dem Projekt Optimal@NRW und medizinische Behandlung innerhalb des Projektes ist für jeden Bewohner kostenfrei. Auch der jeweiligen Krankenkasse entstehen durch das Projekt keine gesonderten Kosten. Sämtliche Kosten sind durch die zur Verfügung gestellten Projektmittel gedeckt.

Das Projekt Optimal@NRW wird durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses finanziert.

Optimal@NRW hat es sich zum Ziel gesetzt, allen Bewohnern der beteiligten Pflegeeinrichtungen die Möglichkeit zu geben, an dem Projekt teilzunehmen. Es spielt also keine Rolle, in welcher Versicherung der Bewohner krankenversichert ist. Bewohner eines Pflegeheimes, das nicht am Projekt Optimal@NRW beteiligt ist, können leider nicht teilnehmen. Unser Ziel ist es jedoch, die Idee von Optimal@NRW nach Beendigung der Projektlaufzeit allen Bewohnern von Alten- und Pflegeeinrichtungen zur Verfügung zu stellen.

Ihr Hausarzt ist weiter wie gehabt für Sie da. Optimal@NRW ermöglicht es allen Hausärzten, die Bewohner in den teilnehmenden Pflegeeinrichtungen versorgen, an dem Projekt teilzunehmen. Der Hausarzt hat die Wahl, Sie persönlich vor Ort zu besuchen oder Sie über das Optimal@NRW-Telesprechstunden-System zu versorgen. Außerdem kann er auf die mobile entlastende Versorgungsassistentin (EVA) zurückgreifen, um ärztlich übertragbare Maßnahmen schneller vor Ort bei Ihnen in Ihrer Pflegeeinrichtung durchführen zu lassen.

Sollten Sie dennoch einmal stationär im Krankenhaus behandelt werden müssen, so wird Optimal@NRW die Behandlung nicht verzögern. Ggf. kann Optimal@NRW dazu beitragen, dass Sie noch gezielter in das für Sie geeignete Krankenhaus eingewiesen werden können. Ebenfalls kann Optimal@NRW dazu genutzt werden, Sie frühzeitiger wieder in Ihre gewohnte Umgebung zu entlassen und die Nachbetreuung mittels Telekonsultation durchzuführen. Auch hier kann die EVA genutzt werden.

Sollten Sie Ihre Teilnahme an der Studie Optimal@NRW widerrufen wollen, bedauern wir dies natürlich sehr. Mit Ihrer Teilnahme leisten Sie einen wertvollen Beitrag, die medizinische Versorgung für Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen zu verbessern. Dennoch ist es für Sie immer und jederzeit möglich, Ihre Teilnahme ohne Angabe von Gründen zu widerrufen. Sie werden hierdurch natürlich nicht benachteiligt, sondern so behandelt wie vor Ihrer Teilnahme an der Studie.

Die Daten werden entsprechend des deutschen Datenschutzgesetzes behandelt und auf Servern, die in Deutschland bzw. der EU stehen, gesichert. Die Sicherung Ihrer persönlichen Daten, die im Rahmen der Studie wissenschaftlich ausgewertet werden, erfolgt ausschließlich in pseudonymisierter Form. Eine Rückverfolgbarkeit auf Sie persönlich ist somit kaum möglich. Dies ist ausschließlich mit der sog. Pseudonymisierungsliste zur “Entschlüsselung” möglich. Diese wird an einem gesicherten Ort getrennt von den anderen Daten beim verantwortlichen Prüfarzt der Studie verwahrt. Daten, die für spätere Veröffentlichungen verwendet werden sollen, werden vorab anonymisiert. Eine Rückverfolgbarkeit zu Ihnen ist danach nicht mehr möglich.

Die Telesprechstunden/Videokonferenzen werden lediglich in Echtzeit übertragen (“gestreamt”). Eine Speicherung/Aufzeichnung erfolgt nicht! Die Übertragung erfolgt in einer sog. “End-zu-End-Verschlüsselung” nach den aktuellsten Datenschutzbestimmungen als eine Art Live-Übertragung, ohne dass dabei Videodaten gespeichert werden.

Bei einem Notfall wird sofort der Rettungsdienst durch das Pflegeheim verständigt und der Bewohner wird wie gewohnt umgehend in die nächste Notfallaufnahme gebracht. Das Optimal@NRW Projekt verzögert diesen Ablauf nicht.

EVA steht für entlastende Versorgungsassistenz. EVAs sind medizinische Fachangestellte, die eine Fortbildung zur EVA gemacht haben. Im Rahmen dieser Fortbildung erlernen die medizinischen Fachangestellten Fähigkeiten, um später übertragbare Aufgaben ausführen zu können. Die EVA kann vom Optimal@NRW-Notfallmediziner, dem Hausarzt oder dem Arzt des Notdienstes der Kassenärztlichen Vereinigung zu Ihnen geschickt werden, um beispielsweise ein speziell verordnetes Medikament zu bringen oder einen Blasenkatheter zu legen oder zu wechseln. Zusätzlich können die EVAs die Pflegekräfte im Pflegeheim unterstützen.

Für das Frühwarnsystem wird täglich der Puls, Blutdruck und die Sauerstoffsättigung sowie die Körpertemperatur an einem tragbaren Gerät gemessen. Die Messungen dauern ca. 5 Minuten. Diese Daten werden gespeichert und von einem speziellen System ausgewertet. Sollte das System eine mögliche Verschlechterung des Gesundheitszustands erkennen, alarmiert das System automatisch die Pflegekraft und den Optimal@NRW-Notfallmediziner der Notaufnahme der Uniklinik RWTH Aachen. Die Ursache kann abgeklärt werden und dem Bewohner kann schnellstmöglich geholfen werden, bevor sich sein Gesundheitszustand tatsächlich verschlechtert.

Das Optimal@NRW Team ist unter der Telefonnummer +49 241 80 38899 und per E-Mail unter optimal-nrwukaachende für Sie erreichbar. Auch wenn Sie eine Frage haben, die wir Ihnen hier noch nicht beantwortet haben sollten, teilen Sie uns diese gerne mit. Wir nehmen Ihre Kritik und Vorschläge gerne auf und holen das schnellstmöglich nach.