Lipödemchirurgie
Das Lipödem ist eine schmerzhafte Fettverteilungsstörung, die fast ausschließlich Frauen betrifft. Typisch ist eine symmetrische Vermehrung des Unterhautfettgewebes an den Beinen, manchmal auch an den Armen. Die betroffenen Regionen sind im Verhältnis zum Rumpf stärker ausgeprägt, während Hände und Füße ausgespart bleiben. Druck- und Berührungsschmerzen sowie ein Spannungsgefühl können Bewegung, Arbeit und Freizeit erheblich beeinträchtigen.
In unserer Spezialsprechstunde an der Klinik für Plastische Chirurgie, Hand- und Verbrennungschirurgie der Uniklinik RWTH Aachen bieten wir die operative Behandlung des Lipödems durch Liposuktion, also eine Fettabsaugung, an. Dabei wird vermehrtes Fettgewebe abgesaugt, um Beschwerden zu lindern und Bewegung zu erleichtern. Ob der Eingriff für Sie sinnvoll ist, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, des Untersuchungsbefundes und der bisherigen Behandlung.
Vom Befund zur Behandlung
Für die Diagnose sind das Gespräch und die körperliche Untersuchung entscheidend. Eine auffällige Fettverteilung allein bedeutet noch kein Lipödem; ohne die dazugehörigen Schmerzen spricht man von einer Lipohypertrophie. Auch Adipositas und Lymphödem müssen davon unterschieden werden und können zusätzlich vorliegen. Bei unklaren Schwellungen beziehen wir weitere Fachbereiche wie die Dermatologie oder Gefäßmedizin ein.
Eine angepasste Kompressionsversorgung und regelmäßige Bewegung können die Beschwerden lindern. Eine Liposuktion kommt infrage, wenn eine in den letzten sechs Monaten kontinuierlich durchgeführte, ärztlich verordnete konservative Behandlung die Beschwerden nicht ausreichend gelindert hat. Ausschlaggebend sind die Belastung im Alltag und die gesundheitlichen Voraussetzungen, nicht allein das äußere Erscheinungsbild oder ein bestimmtes Stadium. Die Liposuktion behandelt die Beschwerden des Lipödems; eine allgemeine Gewichtsabnahme oder die Behandlung einer begleitenden Adipositas ersetzt sie nicht.
Liposuktion beim Lipödem
Über kleine Hautzugänge wird das Fettgewebe mit feinen Kanülen abgesaugt. Dafür stehen in unserer Klinik die vibrationsassistierte Liposuktion mit MicroAire und die wasserstrahlassistierte Liposuktion mit dem body-jet evo von Human Med zur Verfügung. Beim MicroAire-System unterstützt eine motorisch bewegte Kanüle die Absaugung; beim body-jet evo löst ein Wasserstrahl das Fettgewebe. Welches Verfahren wir einsetzen, hängt vom Gewebe und vom Umfang des Eingriffs ab. Besonderes Augenmerk gilt dem Schutz der Lymphbahnen.
Größere Behandlungsareale behandeln wir häufig in mehreren Operationen. In der Sprechstunde besprechen wir, welche Regionen behandelt werden, welche Narkose vorgesehen ist und mit welcher Erholungszeit Sie rechnen sollten. Auch die Beschaffenheit der Haut spielt eine Rolle: Bleiben nach der Fettabsaugung ausgeprägte Hautüberschüsse zurück, lässt sich in einem weiteren Schritt eine Straffung erwägen.
Vor Ihrer Entscheidung erläutern wir Ihnen auch die Risiken, darunter Nachblutungen, Infektionen, Gefühlsveränderungen, Konturunregelmäßigkeiten und Thrombosen.
Nach der Operation
In den ersten Wochen sind Schwellungen und Blutergüsse zu erwarten. Kompression, Bewegung und die vereinbarten Kontrollen begleiten die Heilung. Wann Sie wieder arbeiten oder Sport treiben können, hängt vom Umfang der Operation und vom Verlauf ab; dazu erhalten Sie konkrete Empfehlungen.
Wie stark die Beschwerden zurückgehen und welche konservativen Maßnahmen weiterhin nötig sind, ist unterschiedlich.
Beratung und Terminvereinbarung
Ihre ärztlichen Ansprechpartner sind Dr. med. Tim Leypold, MHBA, Funktionsoberarzt, und Dr. med. Lara Lingens, Leitende Oberärztin.
Einen Termin vereinbaren Sie unter 0241 80-89477. Vorhandene Arztbriefe und Angaben zur bisherigen Kompressionsversorgung helfen uns, die Beratung auf Ihre Situation abzustimmen. Wenn Sie eine weitere Anreise planen, sprechen Sie dies bei der Anmeldung an. Unsere Broschüre „Lipödemchirurgie“ erläutert die Vorbereitung und Nachbehandlung ausführlicher.
G-BA Methodenbeschluss | G-BA Qualitätssicherung
S2k-Leitlinie Lipödem | LIPLEG-Studie 2026
