Lymphödemchirurgie

Ein geschwollener Arm oder ein geschwollenes Bein kann alltägliche Bewegungen erschweren, etwa beim Anziehen, Gehen oder Arbeiten. Häufig kommen Schwere- und Spannungsgefühle hinzu. Beim Lymphödem entsteht die Schwellung, weil Flüssigkeit nicht ausreichend aus dem Gewebe abtransportiert wird. Im Verlauf können sich Haut und Unterhaut verhärten; auch wiederkehrende Hautinfektionen sind möglich.

In der Klinik für Plastische Chirurgie, Hand- und Verbrennungschirurgie der Uniklinik RWTH Aachen behandeln wir Lymphödeme mit mikrochirurgischen Verfahren. Dazu gehören Verbindungen zwischen Lymphgefäßen und kleinen Venen sowie die Übertragung körpereigener Lymphknoten. Wir beraten Sie dazu, ob ein solcher Eingriff Ihre Beschwerden lindern und die bisherige Behandlung sinnvoll ergänzen kann.

Untersuchung und Operationsplanung

Ein Lymphödem kann auf einer Entwicklungsstörung des Lymphsystems beruhen oder nach einer Schädigung entstehen, beispielsweise durch eine Lymphknotenentfernung oder Bestrahlung im Rahmen einer Krebsbehandlung. Für die Operationsplanung sind die Ursache und der bisherige Verlauf ebenso wichtig wie der Zustand des Gewebes. Deshalb besprechen wir mit Ihnen, wann die Schwellung begonnen hat, welche Beschwerden Sie besonders belasten und wie die bisherigen Behandlungen wirken.

Kompression, Bewegung, Hautpflege und bei Bedarf manuelle Lymphdrainage bleiben wichtige Bestandteile der Versorgung. Vorhandene Befunde aus Ihrer lymphologischen Behandlung helfen uns bei der Einschätzung. Für weiterführende Untersuchungen arbeiten wir mit der Gefäßmedizin, Radiologie und Nuklearmedizin der Uniklinik zusammen.

Zur Darstellung der Lymphbahnen nutzen wir die Fluoreszenzlymphografie. Dabei macht ein Farbstoff oberflächliche Lymphgefäße mithilfe einer speziellen Kamera sichtbar. So erkennen wir, ob und wo verwendbare Gefäße verlaufen. Das unterstützt die Wahl des Operationsverfahrens und die Orientierung während des Eingriffs.

Mikrochirurgische Behandlung

Bei lymphovenösen Anastomosen, kurz LVA, verbinden wir funktionierende Lymphgefäße unter dem Operationsmikroskop mit sehr kleinen Venen. Damit entsteht ein zusätzlicher Weg, über den Lymphflüssigkeit abfließen soll. Entscheidend ist, ob geeignete Lymphgefäße vorhanden sind. Die sichtbare Schwellung oder die Dauer der Erkrankung allein reichen für diese Beurteilung nicht aus.

Eine weitere Möglichkeit ist der vaskularisierte Lymphknotentransfer, auch Lymphknotentransplantation genannt. Dabei entnehmen wir körpereigene Lymphknoten mit umgebendem Gewebe und den zugehörigen Blutgefäßen. Am Empfängerort wird das Gewebe mikrochirurgisch an die Blutversorgung angeschlossen, um dort den Lymphabfluss zu unterstützen. Dieses Verfahren kann auch infrage kommen, wenn für eine LVA keine geeigneten Lymphbahnen zur Verfügung stehen. Die Entnahmeregion wählen wir sorgfältig aus, da dort ebenfalls eine Lymphabflussstörung entstehen kann.

Ergebnis und Nachsorge

Eine Operation kann die Schwellung und das Schweregefühl verringern und dadurch den Alltag erleichtern. Veränderungen entwickeln sich häufig über mehrere Monate. Wie stark die Beschwerden zurückgehen, ist unterschiedlich; auch eine ausbleibende Besserung ist möglich. Kompression und weitere konservative Maßnahmen werden an den Verlauf angepasst und können weiterhin notwendig sein.

Vor Ihrer Entscheidung besprechen wir den erwartbaren Nutzen und die Risiken des vorgesehenen Eingriffs. Dazu gehören unter anderem Wundheilungsstörungen, Infektionen und ein Funktionsverlust der neu geschaffenen Gefäßverbindungen. Bei einem Lymphknotentransfer kann das übertragene Gewebe teilweise oder vollständig verloren gehen.

Nach der Operation kontrollieren wir die Wunden und die Entwicklung der Schwellung. Sie erhalten Hinweise zur weiteren Behandlung und zur Rückkehr zu Arbeit und Sport. Wenn Sie weiter entfernt wohnen, klären wir frühzeitig, welche Kontrollen in Aachen erforderlich sind und wie sich die Nachsorge organisieren lässt.

Beratung und Terminvereinbarung

Ihre ärztliche Ansprechpartnerin ist Dr. med. Lara Lingens, Leitende Oberärztin.

Termine vereinbaren Sie unter 0241 80-89477. Bitte bringen Sie vorhandene Arztbriefe, Operationsberichte und Untersuchungsbefunde mit. Weitere Informationen zur Vorbereitung, zu den Eingriffen und zur Nachsorge finden Sie in unserer Broschüre „Lymphödemchirurgie“.

Wenn Sie eine weitere Anreise planen, sprechen Sie dies bitte bei der Anmeldung an. Für eine Beratung können Sie auch unsere Videosprechstunde nutzen.

Sprechzeiten und Anmeldung

ISL-Konsensus 2023  |  Metaanalyse zu LVA und Lymphknotentransfer

Aktuelle Übersicht zur Mikrochirurgie beim Beinlymphödem