DGIM und Kongress
Die DGIM wurde 1882 in Wiesbaden gegründet und zählt mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften Europas. Ihr jährlicher Internistenkongress gehört zu den bedeutendsten Fachtagungen im deutschsprachigen Raum. Der Kongress 2026 stand unter dem Motto „Paradigmenwechsel“ und zog knapp 9.000 Teilnehmende an.
Young Investigator Award
Der YIA richtet sich an Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern unter 35 Jahren. Aus allen Einreichungen werden die zehn besten Abstracts für eine Wettbewerbssitzung ausgewählt; eine Jury prämiert die drei besten Beiträge im Rahmen der feierlichen Kongresseröffnung im Kurhaus Wiesbaden.
Die Studie: PDE5-Inhibitoren bei Primärer Myelofibrose
Die Primäre Myelofibrose (PMF) ist eine seltene myeloproliferative Neoplasie mit fortschreitender Knochenmarkfibrose, Anämie und Splenomegalie. Aktuelle Therapien – darunter JAK-Inhibitoren – lindern Symptome, besitzen jedoch kaum antifibrotische Wirkung.
Unter der Leitung von Dr. Adam Benabid und Prof. Rebekka Schneider-Kramann identifizierte das Institut für Zell- und Tumorbiologie PDE5A als hochreguliertes Enzym in den ECM-produzierenden Adipo-CAR-Stromazellen von PMF-Patientinnen und -patienten, dessen Expression sich nach allogener Stammzelltransplantation normalisiert. Mittels scRNA-seq, MSC-Sphäroid-Modellen und einem TPO-Überexpressionsmodell (Maus) wurden die antifibrotischen Effekte von Sildenafil umfassend untersucht.
Wichtigste Ergebnisse
- Sildenafil und PDE5A-siRNA reduzierten COL1A1- und FAP-Expression in Fibrose-stimulierten MSC-Sphäroiden signifikant.
- Bulk-RNA-seq zeigte eine breite Normalisierung der Kollagen- und ECM-Produktion.
- Im PMF-Mausmodell: signifikant reduziertes Milzgewicht, verminderte Leukozytenzahl und Fibrosegrade sowie verbesserte Hämoglobinwerte.
Da Sildenafil bereits klinisch zugelassen ist, bieten diese Befunde erhebliches translationelles Potenzial – mit Aussicht auf eine baldige klinische Studie. PDE5A kann zudem als früher Remissionsmarker nach Stammzelltransplantation dienen.
