Medikamentenstudien

Die Lungenbeteiligung bei Alpha1-Antitrypsinmangel ist heute gut zu therapieren. Durch eine intravenöse Substitutionstherapie (die sogenannte Augmentationstherapie) wird das fehlende Alpha1-Antitrypsin dem Körper zugegeben und die Funktion des Proteins in der Lunge kann wie gewohnt ausgeführt werden.

Die Leber bleibt jedoch von dieser Art der Therapie weitgehend unbeeinflusst. In ihr akkumuliert weiterhin das durch die Mutation im SERPINA1-Gen fehlgefaltete Z-AAT. Ziel der Medikamentenstudien ist es die Leberbeteiligung bei AATM ebenfalls therapeutisch zu adressieren. Eine besonders erfolgsversprechende Therapie scheinen nach ersten klinischen Ergebnissen die siRNA (small interfering RNA)-Therapie zu sein. Diese greifen bereits in die Produktion des fehlgefalteten Z-AAT ein und versuchen diese zu verhindern. Durch die sistierte Bildung des lebertoxischen Proteins soll die Leber entlastet werden und erhält somit auch Zeit sich zu regenerieren. Die siRNA Therapie zielt nicht auf das Erbgut (DNA) ab, sondern nur auf ihre kurzlebigen Kopien (die mRNAs). 

Eine laufende siRNA Studie der Firmen Arrowhead/Takeda Pharmaceuticals lieferte bereits positive Ergebnisse an ersten Patienten. Der Wirkstoff Fazirsiran (eine siRNA) wird dabei subkutan (unter die Haut) gespritzt, ähnlich wie zum Beispiel Insulin beim Diabetes.

Die positiven Ergebnisse der beiden Phase-2-Studien AROAAT2001 und AROAAT2002 sind bereits publiziert (Strnad et al, NEJM 2022; Clark et al, Gastroenterology 2024). Aktuell läuft die Phase 3-Studie TAK999-3001 für Patienten mit dem Genotyp Pi*ZZ. Hier sind wir das weltweit koordinierende Zentrum und rekrutieren weiterhin aktiv Patienten.

Seit Kurzem steht in Deutschland zudem eine Medikamentenstudie zur Verfügung, die das Potenzial hat, sowohl die Leber- als auch Lungenbeteiligung beim Alpha1-Antitrypsin-Mangel (AATM) zu behandeln. In der Phase 1b/2a „RestorAATion-2“-Studie der Firma Wave Life Sciences wird die Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit von „WVE-006“ getestet. Bei WVE-006 handelt es sich um ein RNA-Editing-Oligonukleotid, welches in der RNA (Kopie der DNA) das Basenpaar, welches für die Z-Mutation beim AATM verantwortlich ist, in die Ursprungsform verwandelt. Somit soll funktionsfähiges, „gesundes“ Alpha1-Antitrypsin (AAT) gebildet werden, sodass sowohl die Leber, als auch die Lungen von der Behandlung profitieren sollten. WVE-006 ist dabei der erste Vertreter eine gänzlich neuen Medikamentenklasse, der erfolgreich beim Menschen eingesetzt wurde. Bei dieser Studie hat Aachen als das einzige deutsche Zentrum Patienten rekrutiert.

Die Ein- und Ausschlusskriterien aller Studien unterscheiden sich und bei jedem Probanden bedarf es einer sorgfältigen Prüfung dieser Kriterien. Kontaktieren Sie uns gerne bei Interesse.

Aktuelle Studien schließen jedoch nur Probanden des schweren AAT-Mangels, dem Genotyp Pi*ZZ ein.