Laufende, drittmittelgeförderte Forschungsprojekte
Nachstehend finden Sie ausführlichere Informationen zu unseren laufenden und drittmittelgeförderten Forschungsprojekten:
Ab Januar 2026 wird die Projektarbeit zum Forschungsprojekt „Stigmatisierung bei Menschen mit (ausgeprägten) Einschränkungen des Sehvermögens (VISION – ANTI-STIGMA)" an unserem Institut aufgenommen. Das Projekt wird von der Rühling-Stiftung finanziert und von Nadezhda Durdova (Wissenschaftliche Mitarbeiterin) und Ana Cortés (Wissenschaftliche Hilfskraft) unter der Leitung von Prof. Dominik Groß am Institut für Geschichte Theorie und Ethik der Medizin bearbeitet.
Kurzbeschreibung des Forschungspojekts:
Ausgangspunkt des Forschungsvorhabens „Stigmatisierung bei Menschen mit (ausgeprägten) Einschränkungen des Sehvermögens (VISION – ANTI-STIGMA)“ ist die Feststellung, dass blinde und sehbehinderte Menschen diversen Formen der Stigmatisierung ausgesetzt sind. Letztere haben wiederum vielfältige negative Rückwirkungen auf die soziale Teilhabe, das Selbstbild und die Selbstwirksamkeit der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel des Projekts, das Ausmaß und die konkreten Ausprägungen der Stigmatisierung von Menschen mit (ausgeprägten) Einschränkungen des Sehvermögens zu analysieren und langfristig als Dauerthema im gesellschaftlichen Diskurs und Gesundheitswesen zu verankern. Zu diesem Zweck sollten die unterschiedlichen Formen der Stigmatisierung – (1) öffentliche Stigmatisierung, (2) Selbststigmatisierung, (3) Courtesy Stigma und (4) strukturelle Stigmatisierung – differenziert erforscht und beschrieben werden.
Assoziierte Partner:
- GIPS – Gehandicapten Informatie Project Scholen, Kerkrade
- Blinden- und Sehbehindertenverein der Städteregion Aachen e. V. 1907
Patientengeschirr, Katgut, Blutspenderehrennadel: Zusammen mit anderen Objekten der Medizinhistorischen Sammlung des GTE-Instituts führen sie die Studierenden weg vom gewohnten Pfad des Lernens hin zu einer Sichtweise auf die Medizin, die am medizinischen Objekt ansetzt. Dieses Konzept für ein forschungsorientiertes Lehrmodul im Qualifikationsprofil des Medizinstudiengangs wird seit dem WiSe 2017/18 von Susanne Morisch unter Leitung von Dominik Groß, Mathias Schmidt und Walter Bruchhausen erarbeitet. Gefördert wird das Projekt von der RWTH Aachen. Ziel des Projekts ist die langfristige Etablierung eines interdisziplinären Forschungsmoduls.
Für Medizinstudierende bietet die forschende Beschäftigung mit medizinischen Instrumenten und ihren historischen Vorgängern bisher kaum genutzte Chancen. Die Objekte sind jene einstmals ausrangierten medizinischen Instrumente, die in der Sammlung „wiederauferstanden“ sind und nun der Lehre zugeführt werden. Für die Lehrveranstaltung werden einige von ihnen ausgewählt, die über ihre historische Bedeutung auf aktuelle Fragestellungen der Medizin hinausweisen.
Jeder Studierende sucht sich zu Beginn der Lehrveranstaltung ein solches Objekt, von dem aus er in vielfältige Themengebiete vordringt, für die das Objekt den Anstoß gibt. Beispielsweise findet sich in der Sammlung ein Herzschrittmacher von „Medtronic“, dessen Gründer Earl Bakken den ersten batteriebetriebenen Herzschrittmacher entwickelte. Verfolgt man die historische Entwicklung des Herzschrittmachers, stößt man nicht nur auf die hochspannende technologische Komponente, auf Fragen nach Funktionsweise und Entwicklungen, sondern auch auf den deutschen Skandal um die Herzschrittmacherentnahme aus Leichen, der ein Schlaglicht auf die ethische und juristische Dimension von medizinischen Gerätschaften wirft. Einige Objekte führen die Studierenden zu hochaktuellen Themen wie der Krankenhaushygiene oder regen zur Reflexion der Arzt-Patienten-Beziehung an, während wieder andere auf teils kuriose, teils tragische Irrtümer in der Medizingeschichte verweisen.
Welcher Art auch die Verflechtungen der jeweiligen Objekte sind, ihnen allen ist gemein, dass sie die Brücke zu aktuellen ökonomischen, ethischen, juristischen, psychologischen und anderen Wechselbeziehungen mit der Medizin schlagen und so ihre vielfältigen Verbindungen mit anderen Disziplinen aufzeigen.
Seit September 2016 läuft am Institut ein Forschungsprojekt zur Aufarbeitung der Rolle der Zahnärzteschaft im Nationalsozialismus. Es handelt sich um das erste mit externen Mitteln finanzierte Projekt zu diesem Themenfeld.
Während viele fachärztliche Organisationen in den letzten drei Jahrzehnten die Vergangenheit ihrer Berufsvertreter in der Zeit des Nationalsozialismus historisch-kritisch untersuchen ließen, steht die Zahnärzteschaft hier noch am Anfang. Ebendiese Forschungslücke soll nun geschlossen werden.
Das Projektvorhaben wurde von der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, der Bundeszahnärztekammer und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung 2015 ausgeschrieben. Das Vergabeverfahren wurde durch ein unabhängiges wissenschaftliches Team durchgeführt. Den Zuschlag erhielt die Forschergruppe Prof. Dominik Groß (Erstantragsteller), Enno Schwanke, M.A. (ehemals Aachen, nunmehr Köln) und Dr. Matthis Krischel (ehemals Aachen, nunmehr Düsseldorf).
Das Projekt läuft vom 01.09.2016 bis zum 31.08.2019; Projektleiter ist Dominik Groß, federführender Projektbearbeiter Dr. Jens Westemeier.
Weitere Details entnehmen Sie bitte dem nachstehenden Pressebericht.
Seit 2018 wird das Konzept eines Moduls „Wissenschaftliche Integrität“ entwickelt, um ein hochschulweites strukturiertes Angebot zu guter wissenschaftlicher Praxis anbieten zu können. Das Projekt wird mit Mitteln des Landesmasterprogramms gefördert und im Zusammenarbeit mit Lehr- und Forschungsgebiet Gender und Diversity in den Ingenieurswissenschaften entwickelt. Am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin hat Roman Pauli bis Februar 2020 im Projekt gearbeitet; seit Juni 2020 ist Nataliya Sira die Projektbearbeiterin.
Kurzbeschreibung des Lehrprojekts:
Grundlage einer wissenschaftlichen Tätigkeit ist die Ehrlichkeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gegenüber sich selbst und anderen. Diese ist sowohl ethische Norm als auch die Basis von wissenschaftlicher Integrität. Die „Exzellenzuniversität“ RWTH Aachen versteht die Geltung und Anwendung der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis als ihre Kernaufgabe und beschäftigt sich auf verschiedenen Ebenen damit, diese Prinzipien an ihre Studierenden, Promovierenden und Mitarbeitenden zu vermitteln. Im Sinne der Qualitätssicherung ist es daher notwendig, bereits in der frühen Phase wissenschaftlicher Tätigkeit die Fragen guter wissenschaftlicher Praxis zu thematisieren und Studierende für adäquates wissenschaftliches Verhalten einerseits und Fehlverhalten andererseits zu sensibilisieren. Damit wird insbesondere das Fundament für die notwendige Qualitätssicherung im Wissenschaftsbetrieb gelegt, das durch nachfolgende Maßnahmen erweitert werden muss.
Der Online-Kurs richtet sich primär an Studierende, die nach erfolgreicher Teilnahme am Modul eine Zulassung für die Anmeldung ihrer Masterarbeit erhalten. Die Aufnahme des Moduls als Voraussetzung zur Zulassung für eine Masterarbeit in die Übergreifende Prüfungsordnung der RWTH Aachen (ÜPO) war ein wichtiger Schritt der strukturellen Verankerung.
Der Online-Kurs „Wissenschaftliche Integrität“ ist modular aufgebaut, um den verschiedenen Zielgruppen gerecht werden zu können. Die Inhaltsvermittlung erfolgt primär durch Lernvideos zu den verschiedenen Themen, die auf der Lehr- und Lernplattform RWTHmoodle zur Verfügung gestellt werden. Dort sind alle relevanten Inhalte, also auch die in den Videos präsentierten Folien sowie maßgebliche Literatur sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch enthalten. Die Anmeldung zu dem Kurs erfolgt über die zugehörige RWTHonline Lehrveranstaltung. Die formale Überprüfung der Kenntnisse wird durch Hausübungen sichergestellt, die mittels des ePrüfungssystems Dynexite durchgeführt werden.
Der Kurs besteht aus sechs Modulen und wird seit dem Wintersemester 2020/21 über einen wiederkehrenden RWTHmoodle-Lernraum angeboten.
Folgende Themen werden über die Module abgedeckt:
- Was ist wissenschaftliche Integrität?
- Empfehlungen zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis
- Wissenschaftliches Fehlverhalten
- Forschungsethik und gesellschaftliche Verantwortung
- Diversität in der Wissenschaft
- Umgang mit Daten
Die Entwicklung erfolgt in Abstimmung mit der Serviceeinheit „Medien für die Lehre“, wobei insbesondere die Erstellung der digitalen Inhalte und ePrüfungen im Fokus stehen. Zur Sicherstellung der Nachhaltigkeit wird eine zentrale Verankerung und (technische) Betreuung des Angebots angestrebt (im Center für Lehr- und Lernservices (CLS)); die inhaltliche Pflege und Weiterentwicklung des Materials sollen durch die Dozierenden sichergestellt werden. Die Anforderungen und die Zufriedenheit der Studierenden an den Kurs sowie die Wirksamkeit des Kompetenzerwerbs werden durch kontinuierliche Umfragen analysiert, um das Online-Bildungsangebot zu verbessern und die wichtigsten Konzepte für den Erfolg einer solchen Online-Lehrveranstaltung zu erfassen.
In Kooperation mit der Abt. 12.1 Karriereentwicklung der RWTH wird die Teilnahme auch für die Promovierende, Postdocs und andere Mitarbeitende der RWTH ermöglicht.
Das Projekt „Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt! – Die Darstellung von Medizin in Film und Fernsehen“ wurde 2018 im Rahmen der „RWTH-Förderlinie Etablierung von Forschungsmodulen“ von Saskia Wilhelmy (Leitung), Roman Pauli und Mathias Schmidt eingeworben. 2019 ist das Projekt angelaufen. Es hat die Etablierung eines neuen Forschungsmoduls im Qualifikationsprofil des Medizinstudiengangs der RWTH zum Ziel.
Kurzbeschreibung des Lehrprojekts
Die Medizin und ihre Repräsentanten bilden ein Repertoire, auf das in Film- und Fernsehinszenierungen in vielfältiger Weise zurückgegriffen wird, wobei insbesondere medizinethisch relevante Themen aufgrund ihrer bisweilen existenziellen Bedeutung großes dramaturgisches Potenzial bieten. Die Analyse filmischer Darstellungen ermöglicht einen Zugang zu soziohistorisch bedingten Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit, von Rollenbildern der beteiligten Akteure sowie Konzepten von Norm und Devianz.
Mittels filmischer Analysen lassen sich diese gewachsenen Konstrukte entschlüsseln und ermöglichen die Untersuchung historisch und gesellschaftlich verankerter Vorstellungen und Deutungen von Medizin. Vor diesem Hintergrund wird die medizinethische und -historische Untersuchung filmischer Darstellung von Medizin am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin im Rahmen eines Forschungsprojekts seit 2019 aufgegriffen. An dieses Vorhaben knüpft das angestrebte Forschungsmodul „Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt!“ – Die Darstellung von Medizin in Film und Fernsehen“ an. Ziel ist es, Erkenntnisse über etwa soziokulturelle Veränderungen des Arztberufes, wissenschaftlich-technische Entwicklungen, gesellschaftliche Rollen(bilder) oder ökonomische Möglichkeiten der Medizin zu erhalten.
Für Medizinstudierende bietet die Analyse der filmischen Darstellungen einen alltagsnahen Anlass zur Reflexion der eigenen Position im medizinischen Berufssetting. Darunter fallen beispielsweise Entscheidungen in ethischen Konfliktsituationen, die Arzt-Patient-Beziehung oder auch krankheitsbezogene Stigmatisierungen. Mittels historisch-vergleichender Analysen werden zudem deren jeweils zeitbedingter Entstehungszusammenhang sowie Brüche und Kontinuitäten deutlich.
Das Forschungsmodul soll 2020 etabliert und anschließend regelmäßig im Rahmen des Qualifikationsprofils „Medizin & Ethik (Arzt – Patient – Gesellschaft)“ des Modellstudiengangs Medizin der RWTH Aachen University angeboten werden.




