Die US-amerikanische Behörde für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit (FDA, Food and Drug Administration) hat das Radiopharmakon 18F-Fluorethyltyrosin (FET) für die Diagnostik von Hirntumoren am 14. September 2026 zugelassen. Ein Team am Institut für Neurowissenschaften und Medizin, Bereich Physik der medizinischen Bildgebung (INM-4), des Forschungszentrums Jülich sowie der Klinik für Nuklearmedizin an der Uniklinik RWTH Aachen hat entscheidend zu der Entwicklung und klinischen Prüfung beigetragen.
FET ist eine radioaktiv markierte Aminosäure die in der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) insbesondere für die Diagnostik von Hirntumoren eingesetzt wird, da sie aufgrund eines gezielten biologischen Mechanismus bevorzugt in Hirntumorzellen aufgenommen wird. Die Methode ist daher besonders nützlich, um die Ausdehnung von Hirntumoren zu erfassen, neu auftretende Tumore nach erfolgter Therapie zu erkennen und die Wirksamkeit einer Therapie zu beurteilen und wird komplementär zur Magnetresonanztomographie eingesetzt.
FET wurde in den 1990er Jahren im Institut für Nuklearchemie des Forschungszentrums Jülich (FZJ) entwickelt und unter der Leitung von Prof. em. Dr. Karl-Josef Langen seit der Jahrtausendwende intensiv erforscht. Das Team kooperiert eng mit den umliegenden Universitätskliniken und hat inzwischen über 170 experimentelle und klinische Studien über die FET PET publiziert und mehr als 11.000 Patienten mit Hirntumoren untersucht. „Unsere Methode wird heute weltweit angewendet“, erläutert PD Dr. Philipp Lohmann, kommissarischer Direktor des INM-4 und Nachfolger von Prof. Langen als Leiter der Arbeitsgruppe Digitale Translationale Neurobildgebung. „Dass sie nun für die Regelversorgung der Patientinnen und Patienten in den USA anerkannt wird, ist für das gesamte Team eine hohe Auszeichnung und bestätigt die Relevanz unserer Forschungsarbeiten.“ FET wird von der Firma Telix in den USA unter dem Namen Pixclara® vertrieben.
Univ.-Prof. Dr. med. Felix M. Mottaghy, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin an der Uniklinik RWTH Aachen, betont: „Der Großteil der Patienten erhält die PET mit der radioaktiv markierten Aminosäure in Aachen. Eine Zuweisung von Patienten erfolgt durch Fachärztinnen und -ärzte aus einem Umkreis von mehr als 300 Kilometern. Dies unterstreicht die herausragende Expertise die in den letzten Jahren gemeinsam mit der Klinik für Nuklearmedizin an der Uniklinik RWTH Aachen und dem FZJ aufgebaut wurde“. Die Forschungsarbeiten konzentrieren sich nun darauf, die FET PET mit der Hochfeld-Magnetresonanztomographie (Hybrid PET/MRT) zu kombinieren, um die diagnostische Aussagekraft weiter zu verbessern. Bei der Bildauswertung kommt unter anderem auch Künstliche Intelligenz zum Einsatz, um die diagnostische Genauigkeit zu optimieren.



