Neue Rolle für die digitale Medizin: Beitrag im Hessischen Ärzteblatt skizziert das Konzept des „Digital-Oberarztes

Wie können digitale Systeme und Künstliche Intelligenz ihren Nutzen in der Patientenversorgung tatsächlich entfalten? Dieser Frage widmet sich ein aktuelles Opinion Paper von Prof. Dr. med. Rainer Röhrig vom Institut für Medizinische Informatik der Uniklinik RWTH Aachen gemeinsam mit Prof. Dr. med. Christian Hinske, Prof. Dr. Kurt Marquardt und Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch, das in der Ausgabe 10/2026 des Hessischen Ärzteblatts erschienen ist.

Unter dem Titel „Warum gibt es keinen Digital-Oberarzt? Warum die Digitalisierung in Kliniken nicht voran- und die KI nicht ankommt“ diskutieren die Autoren, warum digitale Systeme und KI-Anwendungen trotz großer Erwartungen bislang häufig nicht ihr volles Potenzial im klinischen Alltag entfalten. Als zentrale Herausforderung identifizieren sie die sogenannte „letzte Meile“: die nachhaltige Integration digitaler Lösungen in klinische Prozesse, Verantwortlichkeiten und den Routinebetrieb. Das Opinion Paper vertritt die These, dass technische Leistungsfähigkeit und Modellgüte allein nicht ausreichen, um die Versorgung zu verbessern. Entscheidend seien vielmehr eine sichere Einbettung in bestehende Arbeitsabläufe, die kontinuierliche Bewertung von Nutzen und Risiken sowie die Übernahme klinischer Verantwortung für den Betrieb digitaler Systeme.

Als Lösungsansatz stellen die Autoren das Konzept der „Clinician Informaticians“ sowie klinisch verankerter Digital-Oberärztinnen und Digital-Oberärzte vor. Diese sollen als Schnittstelle zwischen Medizin, Digitalisierung und IT wirken und die Einführung, Bewertung sowie den sicheren Betrieb digitaler Systeme und KI-Anwendungen begleiten. Ergänzt wird dieses Modell durch eine strategische Verankerung der Digitalisierung auf Krankenhausebene durch Chief Medical Information Officers (CMIO).

Der Beitrag greift damit eine zentrale Fragestellung der digitalen Transformation im Gesundheitswesen auf: Wie können digitale Innovationen so in die Versorgung integriert werden, dass sie langfristig zu höherer Patientensicherheit, besserer Versorgungsqualität und einer wirksamen Entlastung der Mitarbeitenden beitragen? Die Autoren plädieren für neue Kompetenzprofile, strukturierte Weiterbildungsangebote und nachhaltige Karrierewege an der Schnittstelle von Medizin, Organisation und Technologie.

Quelle
Röhrig R, Hinske C, Marquardt K, Prokosch HU. Warum gibt es keinen Digital-Oberarzt? Warum die Digitalisierung in Kliniken nicht voran- und die KI nicht ankommt. Hessisches Ärzteblatt, Ausgabe 10/2026, S. 531-533.

Bild: KI-generiert

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