Neue Studie: Milz spielt bei Myelofibrose eine aktive Rolle im Krankheitsgeschehen

Eine stark vergrößerte Milz gehört zu den häufigsten Merkmalen der Myelofibrose, einer seltenen Form von Blutkrebs. Für Patientinnen und Patienten kann sie zu erheblichen Beschwerden führen und ist zugleich ein wichtiger Marker für Krankheitsaktivität und Therapieerfolg. Warum sich die Milz bei dieser Erkrankung so stark verändert, war bislang jedoch nur unzureichend verstanden. Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Rebekka Schneider-Kramann, Direktorin des Instituts für Zell- und Tumorbiologie an der Uniklinik RWTH Aachen, und Dr. Charles Dussiau aus Bordeaux konnte nun zeigen, dass die Milz bei Myelofibrose weit mehr ist als ein passiv betroffenes Organ. Die Studie wurde im renommierten Fachjournal Cell Stem Cell veröffentlicht. 

Die Studie nutzte modernste Einzelzell- und räumlich aufgelöste Technologien, um die Milz mit bislang unerreichter Genauigkeit zu untersuchen. Damit konnten die Forschenden nicht nur analysieren, welche Zelltypen sich im Verlauf der Erkrankung verändern, sondern auch, wo sich diese Zellen im Gewebe befinden und wie sie miteinander kommunizieren. So entstand eine detaillierte räumliche Landkarte der erkrankten Milz auf Einzelzellebene.

Die Analysen zeigen, dass sich insbesondere das unterstützende Bindegewebe der Milz im Verlauf der Erkrankung grundlegend verändert. Zunächst hilft es dabei, die gestörte Blutbildung des Knochenmarks teilweise zu kompensieren. Mit fortschreitender Erkrankung entwickelt sich jedoch zunehmend ein entzündliches und fibroseförderndes Umfeld.

Besonders wichtig: Die Forschenden identifizierten den Komplementfaktor C3 als möglichen neuen therapeutischen Angriffspunkt. In präklinischen Modellen führte die Hemmung von C3 zu einer deutlichen Verkleinerung der Milz, einer Verbesserung ihrer Gewebestruktur und einer Reduktion von Entzündung und Fibrose. Gleichzeitig nahm auch die Fibrose im Knochenmark ab.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Milzvergrößerung nicht einfach nur eine Folge der Erkrankung ist. Die Milz ist aktiv am Krankheitsprozess beteiligt und könnte damit selbst zu einem therapeutischen Ziel werden“, erklärt Schneider-Kramann.

Eine zentrale Rolle bei der Studie spielten die Doktorandinnen Bérénice Dugué und Pia Wanner. Die Arbeit entstand in enger Zusammenarbeit von Forschungsgruppen in Aachen, Bordeaux und Rotterdam sowie weiteren internationalen Partnern.

Die Verbindung modernster Einzelzelltechnologien mit räumlicher Gewebeanalyse eröffnet damit einen völlig neuen Blick auf die Myelofibrose. Gleichzeitig liefern die Ergebnisse einen konkreten Ansatzpunkt für neue Therapien, die nicht nur die Krebszellen selbst, sondern auch das krankhaft veränderte Gewebe ihrer Umgebung gezielt beeinflussen könnten.

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