Leberlebendspende
Eine Leberlebendspende kann für ausgewählte Patientinnen und Patienten mit einer schweren Lebererkrankung eine wichtige Behandlungsoption darstellen. Dabei wird einem gesunden Spender ein Teil der Leber entnommen und dem Empfänger transplantiert.
Die Leber besitzt die besondere Fähigkeit, sich nach einer Teilentnahme deutlich zu regenerieren. Dennoch handelt es sich bei der Leberlebendspende um einen großen chirurgischen Eingriff bei einem gesunden Menschen. Deshalb stehen eine besonders sorgfältige Auswahl und die Sicherheit der spendenden Person im Mittelpunkt des gesamten Verfahrens.
Als universitäres Transplantationszentrum bieten wir die Leberlebendspende für sorgfältig ausgewählte Spender-Empfänger-Konstellationen an. Die Entscheidung erfolgt nach umfassender medizinischer, psychosozialer und interdisziplinärer Prüfung.
Für wen kommt eine Leberlebendspende infrage?
Eine Leberlebendspende kommt in Betracht, wenn eine Lebertransplantation medizinisch erforderlich ist und eine geeignete Lebendspende eine sinnvolle Alternative zur Transplantation eines postmortal gespendeten Organs darstellt. Dies kann insbesondere bei Patientinnen und Patienten relevant sein, deren Chancen auf eine rechtzeitige postmortale Organtransplantation aufgrund ihrer Erkrankung oder der geltenden Allokationskriterien begrenzt sind.
Ob eine Leberlebendspende im individuellen Fall sinnvoll und medizinisch vertretbar ist, wird im Rahmen einer umfassenden Evaluation von Empfänger und möglichem Spender geprüft.
Der Weg zur Leberlebendspende
Vor einer möglichen Leberlebendspende werden sowohl die potenzielle Spenderin oder der potenzielle Spender als auch die Empfängerin oder der Empfänger umfassend untersucht. Ziel ist es, die medizinischen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transplantation zu prüfen und gleichzeitig die Sicherheit der spendenden Person in den Mittelpunkt zu stellen.
Die Vorbereitung erfolgt in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Kinder- und Transplantationschirurgie, der Klinik für Gastroenterologie, Stoffwechselerkrankungen und Internistische Intensivmedizin sowie weiterer beteiligter Fachdisziplinen der Uniklinik RWTH Aachen.
Da die Leberlebendspende einen großen operativen Eingriff bei einem gesunden Menschen bedeutet, erfolgt die Auswahl möglicher Spenderinnen und Spender nach besonders sorgfältigen medizinischen Kriterien. Neben dem allgemeinen Gesundheitszustand werden insbesondere die Leberfunktion, die individuelle Anatomie von Leber, Gefäßen und Gallengängen sowie das verbleibende Lebervolumen des Spenders und das für den Empfänger verfügbare Transplantatvolumen beurteilt.
Zur Operationsplanung setzen wir eine dreidimensionale Rekonstruktion und Volumenanalyse der Leber ein. Dadurch können die individuelle Anatomie und die Größenverhältnisse präzise beurteilt und die Operation für Spender und Empfänger geplant werden.
Für den Spender gehören zur Evaluation außerdem eine umfassende ärztliche Aufklärung sowie eine unabhängige psychosoziale Beratung und Evaluation. Auf Wunsch kann der Spender während des gesamten Prozesses von der Beurteilung der Spendereignung bis zur Nachbehandlung durch eine Lebendspendebegleitperson begleitet und unabhängig beraten werden. Vor der Lebendspende erfolgt zudem die gesetzlich vorgeschriebene Prüfung durch die Lebendspendekommission.
Nach Abschluss aller Untersuchungen werden die Ergebnisse interdisziplinär bewertet. Eine Leberlebendspende kommt nur infrage, wenn das Risiko für die spendende Person medizinisch vertretbar ist und gleichzeitig eine geeignete Transplantation für den Empfänger zu erwarten ist. Die Einwilligung des Spenders kann jederzeit und ohne Angabe von Gründen widerrufen werden.
Die Operation
Die Leberlebendspende wird von spezialisierten Transplantationschirurgen durchgeführt. Die Operation bei der Spenderin oder dem Spender und die Lebertransplantation beim Empfänger erfolgen zeitlich eng koordiniert in zwei Operationssälen, sodass das entnommene Lebertransplantat möglichst rasch implantiert werden kann.
Je nach individueller Anatomie und den erforderlichen Größenverhältnissen wird ein geeigneter Teil der Leber entnommen. Ziel ist es, dem Empfänger ein ausreichend großes und funktionstüchtiges Transplantat zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig ein ausreichend großes, gut durchblutetes Restlebervolumen beim Spender zu erhalten.
Die Operationsplanung basiert auf der zuvor durchgeführten dreidimensionalen Rekonstruktion und Volumenanalyse der Leber. Dadurch können Gefäß- und Gallengangsanatomie sowie die erforderlichen Lebervolumina präzise berücksichtigt werden.
Bei geeigneten Spenderinnen und Spendern kann die Entnahme des Leberteils an der Uniklinik RWTH Aachen auch robotisch assistiert erfolgen. Ob eine offene oder robotisch assistierte Operation im individuellen Fall geeignet ist, wird im Rahmen der interdisziplinären Vorbereitung sorgfältig geprüft.
Nach der Teilentnahme nimmt das verbleibende Lebergewebe beim Spender in den folgenden Wochen deutlich an Volumen zu. Auch das transplantierte Leberteil passt sich beim Empfänger an die erforderliche Organfunktion an.
Nach der Operation
Nach der Operation werden Spender und Empfänger zunächst intensivmedizinisch überwacht und anschließend entsprechend ihren individuellen Bedürfnissen weiterbetreut.
Bei den Empfängerinnen und Empfängern stehen in den ersten Tagen die Überwachung der Leberfunktion, die Einstellung der immunsuppressiven Therapie sowie die frühzeitige Erkennung und Behandlung möglicher Komplikationen im Vordergrund. Anschließend erfolgt die weitere Betreuung auf der Normalstation bis zur Entlassung.
Auch die Spenderinnen und Spender werden nach dem Eingriff engmaschig überwacht. Im Mittelpunkt stehen eine sichere Erholung nach der Operation, eine frühzeitige Mobilisation, eine wirksame Schmerztherapie sowie die Kontrolle der Regeneration der verbleibenden Leber.
Die Nachsorge erfolgt langfristig in enger Abstimmung mit den behandelnden Hepatologen und Hausärzten. Ziel ist es, sowohl die Gesundheit des Spenders als auch den langfristigen Erfolg der Transplantation zu begleiten.
Viele Spenderinnen und Spender können nach abgeschlossener Erholung wieder in ihren gewohnten Alltag zurückkehren. Auch viele Empfängerinnen und Empfänger können nach erfolgreicher Lebertransplantation wieder ein aktives und selbstbestimmtes Leben führen.
Unsere Schwerpunkte
- Interdisziplinäre Betreuung durch Transplantationschirurgie, Hepatologie und weitere spezialisierte Fachdisziplinen
- Besonders sorgfältige Auswahl und Vorbereitung von Spender und Empfänger mit besonderem Fokus auf die Sicherheit der spendenden Person
- Individuelle Operationsplanung mittels dreidimensionaler Rekonstruktion und präziser Volumenanalyse
- Möglichkeit der robotisch assistierten Spenderoperation bei geeigneten Spenderinnen und Spendern
- Umfassende medizinische und psychosoziale Evaluation einschließlich unabhängiger psychosozialer Beratung des Spenders
- Langfristige Nachsorge für Spender und Empfänger
- Persönliche Beratung und Begleitung während des gesamten Entscheidungs- und Behandlungsprozesses
Kontakt
Für Fragen zur Leberlebendspende, zur Eignung als Spenderin oder Spender oder zur Vorstellung in unserem Transplantationszentrum stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Wir beraten Spenderinnen und Spender, Empfängerinnen und Empfänger sowie deren Angehörige umfassend und begleiten sie während des gesamten Entscheidungs- und Behandlungsprozesses.
Sprechstunde
montags von 09:00 bis 13:00 Uhr
Terminvereinbarung (montags bis freitags von 08:30 bis 15:30 Uhr)
Tel.: 0241 80-89332
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