Nierentransplantation
Eine Nierentransplantation bietet vielen Patientinnen und Patienten mit einer fortgeschrittenen chronischen Nierenerkrankung die Möglichkeit, wieder ein weitgehend normales und selbstbestimmtes Leben zu führen. Für viele Betroffene stellt sie gegenüber einer dauerhaften Dialyse die bevorzugte Behandlungsoption dar und kann Lebensqualität sowie Lebenserwartung deutlich verbessern.
An der Uniklinik RWTH Aachen erfolgt die Nierentransplantation in enger Zusammenarbeit der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Kinder- und Transplantationschirurgie und der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, rheumatologische und immunologische Erkrankungen. Gemeinsam begleiten wir unsere Patientinnen und Patienten von der Evaluation über die Transplantation bis zur langfristigen Nachsorge. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf modernen Verfahren der Organperfusion und des Organassessments.
Wann ist eine Nierentransplantation notwendig? – Indikationen und Ursachen
Eine Nierentransplantation kommt in Betracht, wenn die Nieren ihre lebenswichtigen Funktionen dauerhaft nicht mehr ausreichend erfüllen und eine fortgeschrittene chronische Nierenerkrankung bis hin zur terminalen Niereninsuffizienz vorliegt. Für viele Patientinnen und Patienten stellt die Nierentransplantation gegenüber einer dauerhaften Dialyse die bevorzugte Behandlungsoption dar und kann sowohl die Lebensqualität als auch die Lebenserwartung deutlich verbessern.
Häufige Ursachen einer terminalen Niereninsuffizienz sind:
- Diabetes mellitus
- Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)
- Chronische Glomerulonephritiden
- Erbliche Nierenerkrankungen (z. B. polyzystische Nierenerkrankung)
- Angeborene Fehlbildungen der Nieren und Harnwege
- Seltene immunologische oder stoffwechselbedingte Erkrankungen
Eine Nierentransplantation kann nach Beginn einer Dialysebehandlung erfolgen. In geeigneten Situationen – insbesondere bei einer geplanten Lebendnierenspende – ist auch eine Transplantation vor Beginn der Dialyse möglich. Ob eine Nierentransplantation sinnvoll ist, wird im Rahmen einer umfassenden interdisziplinären Untersuchung individuell beurteilt. Dabei stehen die persönliche Situation, die Grunderkrankung und die geeignete Behandlungsstrategie im Mittelpunkt.
Die Transplantationsevaluation
Vor einer möglichen Aufnahme auf die Warteliste für eine Nierentransplantation erfolgt eine umfassende medizinische Untersuchung. Ziel der Evaluation ist es, die Grunderkrankung und den Schweregrad der Nierenfunktionsstörung zu beurteilen, Begleiterkrankungen zu erkennen und gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten die geeignete Behandlungsstrategie festzulegen.
Die Transplantationsevaluation erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, rheumatologische und immunologische Erkrankungen der Uniklinik RWTH Aachen. Nephrologen und Transplantationschirurgen prüfen gemeinsam, ob die medizinischen Voraussetzungen für eine Nierentransplantation erfüllt sind. Je nach individueller Situation werden weitere Fachdisziplinen wie Kardiologie, Urologie, Radiologie oder Infektiologie einbezogen.
Nach Abschluss der Evaluation werden sämtliche Untersuchungsergebnisse in einer interdisziplinären Transplantationskonferenz bewertet. Auf dieser Grundlage wird entschieden, ob die Voraussetzungen für eine Nierentransplantation vorliegen und welches weitere Vorgehen empfohlen wird.
Bereits im Rahmen der Evaluation beraten wir geeignete Patientinnen und Patienten auch über die Möglichkeit einer Nierenlebendspende.
Warteliste und Organvermittlung bei der Nierentransplantation
Die Aufnahme auf die Warteliste erfolgt nach Abschluss der Transplantationsevaluation und bei Vorliegen der medizinischen Voraussetzungen entsprechend den geltenden gesetzlichen Vorgaben und Richtlinien.
Die Vermittlung postmortaler Spendernieren erfolgt über Eurotransplant nach den jeweils gültigen medizinischen Kriterien und Allokationsrichtlinien. Ziel ist eine transparente und gerechte Zuteilung der verfügbaren Spenderorgane.
Während der Wartezeit werden unsere Patientinnen und Patienten gemeinsam durch die Transplantationsambulanz und die behandelnden Nephrologen betreut. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen ermöglichen es, Veränderungen des Gesundheitszustandes frühzeitig zu erkennen und die Behandlung entsprechend anzupassen.
Für viele Patientinnen und Patienten stellt die Lebendnierenspende eine wichtige Behandlungsoption dar. Sie ermöglicht in geeigneten Fällen eine Transplantation ohne lange Wartezeit und häufig bereits vor Beginn einer Dialysebehandlung.
Die Operation bei der Nierentransplantation
Die Nierentransplantation wird von spezialisierten Transplantationschirurgen durchgeführt.
In den meisten Fällen verbleiben die erkrankten eigenen Nieren im Körper. Die Spenderniere wird im Unterbauch eingesetzt und dort an die Beckengefäße sowie die Harnblase angeschlossen. Nur in besonderen Situationen ist die Entfernung einer oder beider eigener Nieren erforderlich.
Nach der Operation werden unsere Patientinnen und Patienten zunächst engmaschig überwacht. Nephrologen, Intensivmediziner und Transplantationschirurgen arbeiten dabei eng zusammen. Im Mittelpunkt stehen die Überwachung der Transplantatfunktion, die individuelle Einstellung der immunsuppressiven Therapie sowie die frühzeitige Erkennung und Behandlung möglicher Komplikationen.
Anschließend erfolgt die weitere Behandlung auf einer spezialisierten nephrologischen Station. Neben der Mobilisation und der Anpassung der medikamentösen Therapie stehen die Schulung im Umgang mit der Immunsuppression und die Vorbereitung auf die Entlassung im Mittelpunkt. Ergänzt wird die Behandlung durch spezialisierte Pflegekräfte, Physiotherapeuten, Ernährungsberater, Psychologen und den Sozialdienst.
Organperfusion und Organassessment bei der Nierentransplantation
Ein besonderer Schwerpunkt unseres Nierentransplantationsprogramms ist die Maschinenperfusion von Spendernieren. Dabei können Organe außerhalb des Körpers unter kontrollierten Bedingungen konserviert und – abhängig vom eingesetzten Verfahren – zusätzlich beurteilt werden.
Seit 2026 werden in Deutschland Nieren von Spendern mit erweiterten Spenderkriterien im Rahmen der Organentnahme durch die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) grundsätzlich hypotherm maschinenperfundiert. An der Uniklinik RWTH Aachen können wir diese Perfusion nach Ankunft des Organs im Transplantationszentrum fortführen und bei ausgewählten Spendernieren durch weiterführende Perfusionsverfahren ergänzen.
Hierzu gehört auch die normotherme Maschinenperfusion, bei der die Niere unter annähernd physiologischen Bedingungen perfundiert wird und eine weiterführende funktionelle Beurteilung des Organs möglich ist.
Die klinische Anwendung und wissenschaftliche Weiterentwicklung dieser Verfahren sind in AURORA – Aachen Unit for Regenerative Organ Recovery & Advancement gebündelt. Hier werden Verfahren der Organperfusion und Organbeurteilung gemeinsam mit Pathologie und translationaler Forschung weiterentwickelt.
⇒ AURORA - Aachen Unit for Regenerative Organ Recovery & Advancement
Nachsorge nach einer Nierentransplantation
Nach der Entlassung erfolgt die weitere Nachsorge in enger Zusammenarbeit mit der Transplantationsambulanz sowie den behandelnden Nephrologen. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen und eine individuell angepasste immunsuppressive Therapie sind wesentliche Voraussetzungen für den langfristigen Erhalt der Transplantatfunktion.
Mit zunehmendem Abstand zur Transplantation erfolgt die Betreuung überwiegend durch die behandelnden Nephrologen in enger Abstimmung mit unserem Transplantationszentrum. Durch den kontinuierlichen fachlichen Austausch kann die Nachsorge langfristig und wohnortnah erfolgen.
Viele Patientinnen und Patienten können nach erfolgreicher Nierentransplantation wieder in Beruf, Familie und Alltag zurückkehren. Unser Ziel ist es, sie auch langfristig auf diesem Weg zu begleiten.
Studien und Forschung in der Nierentransplantation
Als Universitätsklinikum beteiligen wir uns an nationalen und internationalen Forschungsprojekten und klinischen Studien zur Weiterentwicklung der Nierentransplantation.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Verfahren der Organperfusion und Organbeurteilung innerhalb von AURORA – Aachen Unit for Regenerative Organ Recovery & Advancement. Hier werden neue Konzepte zur Organprotektion, funktionellen Beurteilung und Weiterentwicklung der Maschinenperfusion von Spendernieren wissenschaftlich untersucht.
Darüber hinaus prüfen wir neue diagnostische und therapeutische Verfahren im Rahmen klinischer Studien. Geeigneten Patientinnen und Patienten können dadurch zusätzliche Behandlungsoptionen im Rahmen wissenschaftlich kontrollierter Studien offenstehen.
Über aktuell laufende Studien und mögliche Teilnahmemöglichkeiten informieren wir Sie gerne.
Unsere Schwerpunkte
- Gemeinsames Nierentransplantationsprogramm von Transplantationschirurgie und Nephrologie
- Universitäres Transplantationszentrum mit langjähriger Erfahrung in der Nierentransplantation
- Postmortale Nierentransplantation und Nierenlebendspende in einem gemeinsamen Programm
- Organperfusion und Organassessment im Rahmen von AURORA mit hypothermer und normothermer Maschinenperfusion
- Interdisziplinäre Betreuung durch Transplantationschirurgen, Nephrologen und weitere spezialisierte Fachdisziplinen
- Langfristige Nachsorge in enger Zusammenarbeit mit den behandelnden Nephrologen
Kontakt
Für Fragen zur Nierentransplantation, zur Transplantationsevaluation oder zur Vorstellung in unserem Transplantationszentrum stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Auch behandelnde Nephrologen, Hausärzte und zuweisende Kliniken können sich zur Besprechung einer möglichen Transplantationsindikation oder zur gemeinsamen Betreuung direkt an uns wenden.
Sprechstunde
montags von 09:00 bis 13:00 Uhr
Terminvereinbarung (montags bis freitags von 08:30 bis 15:30 Uhr)
Tel.: 0241 80-89332
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