Sektion IV: Kardiale Bildgebung – Kardiale Magnetresonanztomographie

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient,

die kardiale Magnetresonanztomographie (Kardio-MRT) ist eine röntgenstrahlenfreie Bildgebungsmethode des Herzens. Sie ermöglicht es, in einer Untersuchung verschiedene Aspekte des gesunden und kranken Herzens zu erfassen. Sie kommt in der Regel zum Einsatz, falls nach einer umfangreichen Echokardiographie (Ultraschalluntersuchung des Herzens) weitere Fragen zu klären sind. Sie stellt bei vielen Herzerkrankungen ein zentrales Diagnostikverfahren dar, welches häufig die weitere Behandlung unserer Patienten entscheidend lenken kann. Daher ist sie aus der modernen Kardiologie nicht mehr wegzudenken.

In der Klinik für Kardiologie werden Kardio-MRT-Untersuchungen von einem Team aus Kardio-MRT spezialisierten Kardiologinnen, Kardiologen und MTRAs (Medizinisch-technische Radiologie-Assistentinnen und -assistenten) betreut. An einem klinikeigenen MRT-Scanner werden ganztags pro Jahr mehr als 2000 Herz-Untersuchungen durchgeführt. Darüber hinaus werden in enger Zusammenarbeit mit der Abteilung für diagnostische und interventionelle Radiologie gemeinsam zusätzliche Untersuchungen an den dortigen MRT-Geräten durchgeführt.

Die Sektion Kardio-MRT der Klinik für Kardiologie ist von der deutschen (DGK) und von der europäischen Fachgesellschaft für Kardiologie (ESC) auf dem höchsten Level für die kardiale Magnetresonanztomographie zertifiziert und jede Untersuchung wird durch unsere Kardio-MRT-Expertinnen und -Experten individuell entsprechend der klinischen Fragestellung sowie der Bedürfnisse unserer Patienten geplant, durchgeführt und von Kardio-MRT-zertifizierten Kardiologinnen und Kardiologen beurteilt.

Im Folgenden möchten wir Ihnen die verschiedenen Möglichkeiten der Kardio-MRT sowie die Vorbereitung und den Untersuchungsablauf näher vorstellen.

Leitung

Dr. med. Michael Frick
Facharzt für Innere Medizin – Kardiologie, Internistische Intensivmedizin
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Stellvertretende Leitung

Prof. Dr. med. Michael Lehrke
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Beurteilung der Herzfunktion und Herzgröße

Zu Beginn einer Kardio-MRT-Untersuchung erfolgt immer die Darstellung der Herzgröße und Herzfunktion. Dies ist mittels Kardio-MRT besonders präzise möglich und gelingt insbesondere auch dann, wenn in der zuvor erfolgten Echokardiographie eine deutliche Einschränkung der Bildqualität bestand. Dies ist beispielsweise nach einem Herzinfarkt oder bei chronischen Herzmuskelerkrankungen wichtig, um die weitere Therapie zu planen.

Herzachsengerechte Darstellung der Herzfunktion in den „langen Achsen“ des Herzens (4-, 2- und 3-Kammerblick).

Darstellung der Herzfunktion in der „kurzen Achse“ des Herzens und automatische Detektion der Herzkonturen zur Bestimmung von Herzfunktion, Herzmuskelmasse und Größe der einzelnen Herzkammern.

Stress-MRT

Zur Beurteilung der Herzkranzgefäße (Koronararterien) wird in der Kardio-MRT die Durchblutung des Herzmuskels in Ruhe und unter medikamentöser Belastung (Stress) analysiert.

Hierbei wird während der Untersuchung ein Belastungs-Medikament in die Vene appliziert. Anschließend wird nach Gabe eines MRT-Kontrastmittels die Durchblutung des Herzmuskels unter Belastung analysiert. Dies ermöglicht eine genaue Beurteilung der Funktion der Herzkranzgefäße und die sichere Detektion von relevanten Engstellen. Sollte der Stresstest auffällig sein, wird der weiterbehandelnde Kardiologe gegebenenfalls eine Herzkatheteruntersuchung veranlassen. Die Stress-MRT wird immer mit einer Analyse der Herzmuskelstruktur (Herzinfarktnarbendarstellung; siehe unten) kombiniert, um eine umfassende Beurteilung der Herzfunktion unter Belastung zu ermöglichen.

Darstellung der Herzmuskeldurchblutung unter medikamentöser Belastung mit Nachweis einer Durchblutungsstörung im Versorgungsbereich der Herzvorderwand-Koronararterie.

Beurteilung der Struktur des Herzmuskels (Myokard)

Die Kardio-MRT bietet die einzigartige Möglichkeit, nichtinvasiv, d.h. ohne in den Körper einzudringen, die Struktur des Herzmuskels zu analysieren. Hierbei können mit hoher Genauigkeit nach Kontrastmittelgabe z.B. Herzinfarktnarben dargestellt und die genaue Ausdehnung beurteilt werden. Dies ist häufig, ggf. zusammen mit einer Stress-Untersuchung, zur individuellen Therapieplanung bei koronarer Herzerkrankung unerlässlich.

Durch Darstellung von Entzündungsprozessen ist die Kardio-MRT die Untersuchungsmethode der Wahl, um eine Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung zu diagnostizieren und ggf. die Therapie zu steuern.

Beurteilung von Herzklappen und Shuntverbindungen (angeborene Herzfehler)

Mittels spezieller Sequenzen kann der Blutfluss im Herzen und in Gefäßen präzise beurteilt werden. Dies ist insbesondere wichtig, wenn ein Herzklappenfehler mittels Echokardiographie nicht sicher beurteilt werden kann. Dann kann die Kardio-MRT bei der genauen Einordnung des Schweregrades sowie bei der Verlaufsbeurteilung helfen.

Darstellung einer Verengung der Aortenklappe (Aortenklappenstenose)

Darstellung der großen Gefäße

Bei jeder Kardio-MRT-Untersuchung erfolgt durch uns eine orientierende Mitbeurteilung der großen Gefäße und des Brustkorbs (z.B. Hauptschlagader oder Lungenarterie). Darüber hinaus ist bei Bedarf die weiterführende, präzise Beurteilung des Verlaufs und der Größe (Diameter) der Gefäße des Brustkorbs möglich. Dies ist ohne Röntgenstrahlung und ggf. kontrastmittelfrei möglich und ist daher insbesondere für jüngere Patientinnen und Patienten, z.B. mit angeborenen Herz- und Gefäßfehlern, sowie für regelmäßige Verlaufsuntersuchungen vorteilhaft.

3D-Rekonstruktion des Herzens und der großen Gefäße im Brustkorb: In Weiß ist die linke Herzseite mit Lungenvenen sowie die Hauptschlagader (Aorta) dargestellt. Die rechte Herzseite sowie die Lungenschlagader (Pulmonalarterie) sind in Rot dargestellt.

3D-Darstellung einer angeborenen Fehlmündung der linken oberen Lungenvene in die obere Hohlvene (in Rot hervorgehoben).

Terminvergabe

Wir bitten um Verständnis, dass die Terminvergabe für Kardio-MRT-Untersuchungen ausschließlich durch die zuweisenden Ärzte, also z.B. niedergelassene Ärzte oder unsere Poliklinik veranlasst wird. Zur Vergabe des Termins schreiben wir Sie per Post an oder melden uns telefonisch bei Ihnen.

Vorbereitung: auf die Kardio-MRT-Untersuchung

Wir bitten Sie darum, am Untersuchungstag 3-4 Stunden vor dem Termin nichts zu essen oder zu trinken. Für Stressuntersuchungen ist es zwingend erforderlich, dass Sie am Untersuchungstag auf koffein- oder teein-haltige Getränke verzichten (z.B. Kaffee, Cola, Energy drink, schwarzen oder grünen Tee). Ihre Medikamente können Sie mit einem Glas Wasser einnehmen, sie müssen nicht pausiert werden. Bitte kommen Sie zur angegebenen Uhrzeit zur Anmeldung, ein früheres Eintreffen ist nicht notwendig.

Untersuchungsablauf

Eine Kardio-MRT Untersuchung dauert zwischen 25 und 45 Minuten. Vor der Untersuchung haben Sie ein Aufklärungsgespräch mit dem Arzt, in dem Ihnen die Untersuchung und der Ablauf genau erklärt werden. Anschließend ziehen Sie sich für die Untersuchung um. Während der Untersuchung liegen Sie bequem auf dem Rücken. Unsere MTRAs sprechen während der Untersuchung regelmäßig über Kopfhörer mit Ihnen und führen Sie so durch den Untersuchungsablauf. Für eine gute Bildqualität bekommen Sie für die einzelnen Aufnahmen Atemkommandos.

Ein MRT-Scanner ist technisch bedingt eng gebaut. Falls Sie unter Klaustrophobie (Platzangst) leiden oder vor der Untersuchung nervös sind, bieten wir an, Ihnen vor der Untersuchung ein Beruhigungsmittel zu geben. Dieses wird individuell so dosiert, dass Sie die Untersuchung entspannt bewältigen ohne zu schlafen. Im Anschluss dürfen Sie dann nicht mehr aktiv am Straßenverkehr teilnehmen. Daher bitten wir Sie darum, eine Begleitperson zur Untersuchung mitzubringen.