Zertifizierung der Uniklinik RWTH Aachen als Orthoplastisches Kompetenzzentrum (OPZ)

Die enge Zusammenarbeit von Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Plastischer, Rekonstruktiver und Ästhetischer Chirurgie ist eine notwendige Voraussetzung für die optimale Behandlung von Patienten mit komplexen Frakturen und gleichzeitiger Schädigung großer Anteile der Weichgewebe, wie zum Beispiel Haut, Muskeln und Blutgefäßen. Ob eine Extremität erhalten werden kann, hängt sowohl von der Stabilisierung der Knochen als auch der Rekonstruktion der Weichteile ab. Während diese Herausforderung bereits in der zivilen Situation bei Patientinnen und Patienten mit zum Beispiel schweren Verkehrsunfällen eine regelmäßige Herausforderung darstellt, wird dies im Fall von militärischen Auseinandersetzungen noch eine weitaus größere Bedeutung erlangen, wie es bereits heute bei der Behandlung ukrainischer Kriegsverletzter mit komplexen Explosions- und Mehrfachverletzungen regelmäßig in der Uniklinik RWTH Aachen praktiziert wird.

Wie sich die Kompetenzen der beiden Fachdisziplinen künftig besser bündeln und verfügbar machen ließen, diskutierten am 19.  und 20. Juni 2026 an der Uniklinik Münster über 80 Expertinnen und Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beim Treffen der Arbeitsgemeinschaft Orthoplastische Chirurgie der beiden nationalen Fachgesellschaften DGU (Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie) und DGPRÄC (Deutsche Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie e.V. ) sowie des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr. Nach vorbereitenden Treffen der Steuergruppe innerhalb der AG in den vergangenen Monaten, zu der auch die Klinikdirektoren der beiden Fachdisziplinen an der Uniklinik RWTH Aachen, Univ.-Prof. Dr. med. Frank Hildebrand und Univ.-Prof. Dr. med. Justus P. Beier, gehören, wurden in Münster in mehreren Workshops die zentralen Inhalte der interdisziplinären Triagierung und Behandlung solcher orthoplastischer Patienten weiter ausgearbeitet. Ein Schwerpunkt des Treffens lag insbesondere auf der Weiterentwicklung und bundesweiten Ausweitung der Zertifizierungsstrukturen für sog. Orthoplastische Kompetenzzentren (OPZ) innerhalb der TraumaNetzwerke DGU®.

„Die Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg haben gezeigt, wie wichtig spezialisierte Strukturen für die Behandlung komplexer Explosions- und Mehrfachverletzungen sind. Mit den neuen Kompetenzzentren bündeln wir Expertise dauerhaft und machen sie für die Versorgung Schwerverletzter gezielt verfügbar“, sagt Univ.-Prof. Dr. med. Frank Hildebrand, Präsident der DGOU sowie der DGU, und Direktor der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Wiederherstellungschirurgie an der Uniklinik RWTH Aachen.

Orthoplastische Kompetenzzentren als bundesweiter Versorgungsstandard

In Münster wurden nun die ersten sechs zertifizierten Orthoplastischen Kompetenzzentren (OPZ) Deutschlands benannt, von welchen zukünftig in jedem TraumaNetzwerk DGU® mindestens ein solches Zentrum etabliert werden soll. Die Uniklinik RWTH Aachen ist eines dieser Pilotzentren. Voraussetzung hierfür war neben dem Status als überregionales TraumaZentrum (ÜTZ) im TraumaNetzwerk DGU® unter anderem der Nachweis fachübergreifender Verfahrensanweisungen, eines etablierten interdisziplinären orthoplastischen Extremitätenboards sowie einer breiten fachlichen Expertise in der Rekonstruktiven Chirurgie, insbesondere der Mikrochirurgie.

„An unserem Standort wissen wir bereits seit mehreren Jahren aus unserer täglichen Praxis, wie entscheidend es ist, dass diese Patienten von Beginn an gemeinsam von Unfallchirurgie und Plastischer Chirurgie behandelt werden. Nur so lassen sich bei solchen komplexen Verletzungen optimale Heilungsergebnisse erzielen“, ergänzt Univ.-Prof. Dr. med. Justus P. Beier, Vertreter der Universitätsprofessoren in der DGPRÄC und Direktor der Klinik für Plastische Chirurgie, Hand- und Verbrennungschirurgie an der Uniklinik RWTH Aachen.

Ausbau der Netzwerkstrukturen für eine flächendeckende Versorgung

Zukünftig stellt neben der Zertifizierung weiterer OPZ in Deutschland auch der Ausbau und die belastbare Aufstellung von Netzwerkstrukturen zur Anbindung der regionären und lokalen TraumaZentren ein wichtiges Ziel der AG Orthoplastik aus den beiden Fachgesellschaften dar, um so auch die bestmögliche Versorgung von orthoplastischen Patienten in der Breite sicherzustellen. Mit der Pilotzertifizierung des OPZ an der Uniklinik RWTH Aachen wurde nun eine wichtige Voraussetzung für diesen Weg im gesamten Versorgungsbereich der „Traumanetzwerk RegioAachen“ geschaffen.

v. l.: Univ.-Prof. Dr. T. Hirsch, Universitätsklinik Münster, Sprecher der AG Orthoplastik (DGPRÄC)Prof. Dr. U. Kneser, BG Unfallklinik Ludwigshafen, Vizepräsident der DGPRÄCUniv.-Prof. Dr. F. Hildebrand, Uniklinik RWTH Aachen, Präsident der DGOU und der DGUUniv.-Prof. Dr. J. P. Beier, Uniklinik RWTH AachenProf. Dr. S. Roßlenbroich, Marienhospital Osnabrück, Sprecher der AG Orthoplastik (DGU)

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