Auf dem Europäischen Leberkongress (EASL) in Barcelona stellte Univ.-Prof. Dr. med. Pavel Strnad, Leiter des Alpha1-Leberzentrums an der Uniklinik RWTH Aachen, neue Daten einer klinischen Studie zur RNA-Editierung bei Alpha1-Antitrypsinmangel vor. Die bisherigen Studienergebnisse zeigen erstmals, dass die krankheitsverursachende Mutation beim Menschen gezielt korrigierbar ist.
Beim Europäischen Leberkongress (EASL) vom 27. bis 30. Mai 2026 in Barcelona präsentierte Univ.-Prof. Dr. med. Pavel Strnad, Leiter des Alpha1-Leberzentrums an der Uniklinik RWTH Aachen, in einer Plenary Session aktuelle Ergebnisse der RestorAATion-2-Studie (NCT06405633), die unter anderem an der Klinik für Gastroenterologie, Stoffwechselerkrankungen und Internistische Intensivmedizin (Med. Klinik III) der Uniklinik durchgeführt wird.
Der Alpha1-Antitrypsinmangel ist eine angeborene Erkrankung, bei der eine Mutation im SERPINA1-Gen zur Bildung eines fehlerhaften Alpha1-Antitrypsin-Proteins führt. Die Erkrankung kann sowohl die Leber als auch die Lunge schwer schädigen. Während für die pulmonalen Folgen bereits Behandlungsansätze existieren, gibt es bislang keine zugelassene medikamentöse Therapie für die AATM-assoziierte Lebererkrankung.
Im Fokus der Studie steht daher das Prüfmedikament WVE-006, ein Oligonukleotid, zur gezielten RNA-Editierung der SERPINA1-mRNA. Ziel ist die Korrektur der krankheitsverursachenden Mutation auf RNA-Ebene und damit die Wiederherstellung der Produktion eines voll funktionsfähigen Alpha1-Antitrypsin-Proteins. Die Studie befindet sich in der frühen klinischen Entwicklungsphase (Phase 1b/2a) und untersucht Sicherheit, Verträglichkeit, Pharmakokinetik und Pharmakodynamik von WVE-006 bei Patientinnen und Patienten mit schwerem Alpha1-Antitrypsinmangel des Genotyps Pi*ZZ. Insgesamt stehen drei unterschiedliche Dosierungen in der Studie zum Test, wobei jede Dosierungsgruppe acht Teilnehmende umfasst.
Die ersten Daten zeigen, dass eine erfolgreiche Korrektur der krankheitsverursachenden Mutation möglich ist. Somit kommt es zur Produktion von gesundem Alpha1-Antitrypsin (M-AAT), während die Menge des veränderten Antitrypsin (Z-AAT) sinkt. Die Ergebnisse gelten als erster Proof of Concept einer RNA-Editing-Therapie beim Menschen und markieren einen wichtigen Meilenstein für die Entwicklung einer neuen Medikamentenklasse. Für Patientinnen und Patienten mit Alpha1-Antitrypsinmangel eröffnen die Ergebnisse die Aussicht auf neue Therapieansätze, die künftig direkt an der Ursache der Erkrankung ansetzen könnten.





